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Ganz alltäglicher Rassismus

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Foto: WAZ FotoPool
„Polacken“, „Fidschis“, „Kanaken“ – für den Kellner in Bansin/Usedom ist das normales Deutsch. Es gibt viele Bezeichnungen für Fremde in den neuen Ländern, und keine einzige ist freundlich.

Essen. 

Der junge Kellner in Bansin/Usedom ist empört, als er von meinem Plan hört, die polnische Seite der Insel zu besuchen: „Was willste da? Gibt doch eh’ schon so viele Polacken hier.“ Für den Kellner ist der Spruch keine große Sache. „Polacken“, „Fidschis“, „Kanaken“ – für ihn ist das normales Deutsch. Es gibt viele Bezeichnungen für Fremde in den neuen Ländern, und keine einzige ist freundlich.

In Magdeburg schaut Chu, Bedienung in einem vietnamesischen Restaurant, auf vier zertrümmerte Fensterscheiben. Immer wieder Glasbruch. Hier, und in den anderen Asien-Restaurants der Stadt. „Ihr seid Scheiße“, steht auf einem Klebestreifen, den Unbekannte an die Wand gepappt haben. „Wir Asiaten sind höflich und schlucken so was runter“, sagt Chu. Aber sie hat Angst. Ihre vietnamesischstämmige Freundin Minh fährt abends nicht mehr Bus, weil es dann „zu viele Stressmacher“ gibt. Typen, die sie beleidigen, schlagen, quälen könnten. Plattenbau-Stadtteile wie Olvenstedt sind nachts No-Go-Areas für Migranten.

„Die Wahrscheinlichkeit, in Ostdeutschland Opfer eines rassistischen Angriffs zu werden, ist etwa zehnmal höher als in den alten Ländern“, sagt Zissi Sauermann, die in Halle Opferberatung macht. Sie glaubt aber auch, dass es im Westen eine besonders hohe Dunkelziffer politisch rechts motivierter Gewalt gibt.

Aber gerade im Osten gilt: Wer nicht „deutsch“ aussieht, ist ein potenzielles Opfer rechter Schläger. „Fidschi“ ist ein Wort, das Minh seit frühester Kindheit begleitet. Ein Schimpfwort für Asiaten. Sie hört es überall: auf der Straße, beim Bäcker, im Bus. Sie ist Deutsche, aber sie spürt: Kaum einer will das wissen.