Ex-Botschafter Klaus Scharioth warnt vor Donald Trump

Stephanie Weltmann
Klaus Scharioth war von 2006 bis 2011 deutscher Botschafter in Washington. Der gebürtige Essener hat knapp dreieinhalb Jahrzehnte im auswärtigen Dienst gearbeitet.
Klaus Scharioth war von 2006 bis 2011 deutscher Botschafter in Washington. Der gebürtige Essener hat knapp dreieinhalb Jahrzehnte im auswärtigen Dienst gearbeitet.
Foto: Getty Images
„Mit dem Grundgesetz könnte Trump nicht viel anfangen“, sagt Klaus Scharioth, Ex-Botschafter in Washington. Im Oktober spricht er auf Zollverein.

Essen. Dreieinhalb Jahrzehnte bereiste der Diplomat Klaus Scharioth die Welt, lebte 14 Jahre in den USA, wo er bis 2011 deutscher Botschafter war. Am Dienstag, 11. Oktober, diskutiert der gebürtige Essener auf Zeche Zollverein über die US-Präsidentschaftswahl und das Phänomen Donald Trump. Zu dem republikanischen Kandidaten sagt der 70-Jährige: Ein Amerika, das auf einen Mann wie Donald Trump hereinfällt, das sei nicht mehr sein Amerika.

Herr Scharioth, wie sehr kämpft sich ein Diplomat wie Sie an dem Polterer Donald Trump ab?

Klaus Scharioth: Ich habe noch nie einen so polarisierenden Wahlkampf erlebt wie diesen. Welche Häme Trump gegen Schwache an den Tag legt und wie er Minderheiten verteufelt, alle Mexikaner seien Vergewaltiger, einreisende Muslime Terroristen, ist im negativen Sinn bemerkenswert.

Auf wie viel Unverständnis treffen Sie in Deutschland, dass so jemand Präsidentschaftskandidat wurde?

Scharioth: Zunächst ist der unangenehmste Punkt an dem Wahlkampf ja, dass Lügen nicht mehr als Lügen enttarnt werden und das ist kein rein amerikanisches Problem. In der Brexit-Debatte etwa haben die EU-Gegner auch mit falschen Zahlen argumentiert. In den USA sind die meisten Medien zu sanft mit Trump umgegangen. Man wollte unbedingt neutral sein. Und dann sorgt Trump auch für hohe Einschaltquoten. Er findet immer wieder für viele Leute griffige Formulierungen. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Amerikaner auf so eine billige Rhetorik hereinfallen. Zum Mitdiskutieren

Das sind noch die USA, die Sie kennen gelernt haben?

Scharioth: Nein. Aber dieses Land hatte immer die Fähigkeit zur Selbstkorrektur und ich kann nur hoffen, dass es dies auch diesmal zeigt. Es wird knapp.

Was würde ein Präsident wie Trump für uns in Deutschland bedeuten?

Scharioth: Trump ist gegen freien Handel, und keiner profitiert so vom Freihandel wie Deutschland und auch NRW. Da sind Arbeitsplätze in Gefahr. Er stellt den Beistand für bedrohte Nato-Partner infrage, was aber ein Grundpfeiler unserer Außenpolitik ist. Besonders gefährlich ist seine lockere Einstellung zu Nuklearwaffen.

Haben wir Trump zu lange belächelt?

Scharioth: Viele Deutsche sind sich nicht im Klaren darüber, welche Weichenstellung von dieser Wahl ausgehen würde. Einer unserer wichtigsten Verbündeten könnte sich gegen das wenden, was wir gemeinsam aufgebaut haben und was das Grundgesetz ausmacht. Trump wendet sich gegen die offene Gesellschaft, gegen den Minderheitenschutz, er will die Folter wieder einführen und wendet sich gegen die Menschenrechte. Mit dem Grundgesetz könnte Trump nicht viel anfangen.