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Wegen Erdogan eingesperrt: Deutscher Italien-Urlauber endlich frei – „Saß mit IS-Terroristen im Knast“

Wegen eines internationalen Haftbefehls auf Betreiben der Türkei wurde ein Berliner im Italien-Urlaub festgenommen. Jetzt ist er endlich wieder frei.

Erdogan
© Imago

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Er wollte mit seiner Tochter (11) nur Urlaub in Italien machen – plötzlich findet sich Devrim Akcadag (47) im Knast auf Sardinien wieder! Der Berliner wurde am 1. August von der italienischen Polizei noch im Hotel festgenommen. Der Grund: Das türkische Erdogan-Regime wirft dem Deutschen die Mitgliedschaft in der kurdischen Terror-Organisation PKK vor (hier mehr)!

Die Türkei erwirkte ein Fahndungsersuchen bei der internationalen Polizeibehörde Interpol. Die Carabinieri, die italienische Gendarmerie, steckte den 47-Jährigen in Untersuchungshaft. Er musste ausharren, bis ein Gericht entschied, ihn „nur“ unter Hausarrest zu stellen. Sogar eine Auslieferung an Erdogan stand im Raum.

Deutscher wegen Erdogan im Italien-Urlaub eingesperrt

Brisant genug, denn: Akcadag besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Es wäre einmal mehr der Versuch Ankaras, deutsche Staatsbürger sogar auf EU-Gebiet festnehmen zu lassen. Und ein weiteres Indiz dafür, dass die Türkei Interpol zur Jagd auf politische Gegner missbraucht.

Devrim Akcadag
Der Berliner Devrim Akcadag wurde im Italien-Urlaub festgenommen – auf Bitte von Erdogan. Foto: Privat

Am Montag (25. September) dann die Erlösung: Akcadag kommt frei, ein italienisches Gericht lehnte eine Auslieferung an die Türkei ab und setzte den Berliner auf freien Fuß. Mit dieser Redaktion sprach der Familienvater Minuten nach der Freilassung über den Knast-Horror. Aber auch über die Momente, als er unter Arrest stand.

„Ich saß mit IS-Terroristen im Knast“

Der Berliner: „Ich bin überglücklich, wieder nach Deutschland zu reisen. Die Zeit in U-Haft war schlimm, ich kam in ein Gefängnis, wo Mafia-Mitglieder saßen. Weil mir die Türkei Terrorismus vorwirft, wurde ich sogar in eine spezielle Abteilung gebracht. Dort waren IS-Terroristen eingesperrt, an denen ich vorbeilief. Ich saß mit ihnen im Knast. Ich hatte Angst, dass sie herausfinden, dass ich Kurde bin und was mir vorgeworfen wird (die PKK und mit ihr verbündete kurdische Milizen in Syrien bekämpfen den IS; Anm. d. Verf.). Zum Glück kam ich schnell in eine Einzelzelle, und kurz darauf dann in Hausarrest.“

Ein Hilfsverein stellte ihm ein Wohnhaus im Süden Sardiniens zur Verfügung, in dem er bleiben konnte. Akcadag, der zuletzt als Übersetzer und Kurdologe arbeitete, zu dieser Redaktion: „Ich musste immer im Haus bleiben, durfte nicht mal in den Garten. Mein Handy wurde beschlagnahmt, aber immerhin hatte ich Zugang zum Festnetzgerät. Mich haben sogar Bundestagsabgeordnete angerufen und mir Mut zugesprochen.“

Forderung an Baerbocks Außenministerium

Er habe gedacht, dass er als Deutscher auf Reisen innerhalb Europas vor Erdogans langem Arm sicher sei. Weit gefehlt. Der 47-Jährige: „Warum ich hier verhaftet wurde, ist mir noch immer unklar. Ich habe das Gefühl, dass ich vielleicht zum Spielball für Verhandlungen zwischen Deutschland, Italien und der Türkei wurde.“


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An die deutsche Politik fordert er: „Ich erwarte vom Auswärtigen Amt diplomatischen Druck auf die Türkei. Es darf nicht sein, dass man als Regime-Kritiker Erdogans in Europa festgenommen wird. In der Türkei ist es leider sehr einfach, als ‚Terrorist‘ gebrandmarkt zu werden. An mir sollte ein Exempel statuiert werden.“