Endstation für deutschen Taliban Josef D. aus Lünen

Josef D. soll einer der letzten Überlebenden der „Deutschen Taliban Mudschaheddin“ (DTM) sein.
Josef D. soll einer der letzten Überlebenden der „Deutschen Taliban Mudschaheddin“ (DTM) sein.
Foto: Fremdbild
Vier Jahre lang war der Lüner Josef D. einer der international meistgesuchten Terrorverdächtigen. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Zwischenzeitlich hatten die deutschen Fahnder seine Spur in Afghanistan verloren.

Lünen. Für Terrorfahnder im In- und Ausland war er ein Phantom. Niemand wusste genau, wo Josef D. steckte. Das Rätsel um den Verbleib eines der meistgesuchten Terrorverdächtigen mit deutschem Pass beendete der 31-Jährige schließlich selbst. Er kehrte aus Jordanien in seine Heimatstadt Lünen zurück.

Dort nahmen ihn Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) am Freitagvormittag fest. Stunden später wurde er dem Richter am Bundesgerichtshof vorgeführt. Seither sitzt Josef D. in Untersuchungshaft.

Deutsche Dschihadisten

„Es gibt keinen Hinweis auf geplante Anschläge oder Anschlagsvorbereitungen durch Josef D. in Deutschland“, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft dieser Zeitung. Doch es gibt einen „konkreten Tatverdacht“: Josef D. soll einer der letzten Überlebenden der „Deutschen Taliban Mudschaheddin“ (DTM) sein. So heißt eine Splittergruppe deutscher Dschihadisten, die aus der türkisch und usbekisch dominierten „Islamischen Jihad Union (IJU)“ hervorging: Kämpfer um den deutschen Terroristen Eric Breininger, der Ende April 2010 bei einem Feuergefecht mit pakistanischen Truppen getötet wurde.

Die kleine Gruppe von Islamisten operierte im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Wer oder was nicht mit dem islamischen Recht, der Scharia, vereinbar war, geriet in ihr Visier. Auch die Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF. Die deutschen Taliban hätten „auch Selbstmordattentate als ein legitimes Mittel erachtet“, sagt die Bundesanwaltschaft.

Diese Zeitung beschrieb vor zehn Monaten auf einer ganzen Seite, wie Josef D. vom netten Jungen von nebenan zum gefürchteten Dschihadisten wurde: 2005 gerät er ins Visier der Polizei. Staatsschützer beobachten ihn an der Seite von Ali R. aus Essen, der Krieger für den Dschihad rekrutiert haben soll. Bei Ali R. finden Ermittler 2009 El-Kaida-Videos und Anleitungen zum Bombenbasteln.

Spur verliert sich am Hindukusch

Im Sommer 2009 setzt sich Josef D. aus Deutschland ab. Über Düsseldorf, München, Istanbul und Mashad/Iran zieht er ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. In Waziristan soll er eine Kampf- und Waffenausbildung in einem Terrorcamp durchlaufen haben. In den Bergketten am Hindukusch verlieren deutsche Behörden und Geheimdienste seine Spur.

Die deutschen Fahnder sind ratlos. Sein Aufenthaltsort sei „weiterhin nicht bekannt“, heißt es in einem LKA-Dokument von 2011. Doch der amerikanische Geheimdienst CIA hat Josef D. offenbar auf dem Schirm. 2012 mehren sich Indizien dafür, dass der mutmaßliche Glaubenskämpfer aus Lünen ein neues Operationsgebiet ansteuert. Somalia oder der Jemen gelten als mögliche Ziele. Ermittler sind besorgt. Sie trauen D. eine unbemerkte Rückkehr nach Deutschland zu – und einen Terroranschlag.

Doch der 31-Jährige kehrt offenbar aus ganz anderen Motiven zurück. Nach Informationen dieser Zeitung sind sie familiärer Natur: Der Vater soll sehr krank sein. Seit Josef D. vor einigen Wochen bei der deutschen Botschaft in Amman einen Ersatzpass beantragte, um nach Deutschland einzureisen, beobachtet ihn die Polizei rund um die Uhr.

Ermittler gehen davon aus, dass es sich „nur um eine vorübergehende Einreise“ handeln sollte.

Für Josef D. wurde sie zur vorläufigen Endstation. Der Haftbefehl gegen ihn stützt sich auf Fluchtgefahr.

 
 

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