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Das Ruhrgebiet ist der größte Schwarzmarkt für  Zigaretten

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Foto: imago
Über Großgaragen versenden Schmuggler die Ware: Die Rhein-Ruhr-Region ist einer der größten Umschlagplätze für den Handel mit gefälschten Tabakwaren.

Essen. 

Das Rhein-Ruhr-Gebiet hat sich neben Berlin zur größten Drehscheibe des illegalen Zigarettenhandels in Deutschland entwickelt. Es ist eine der größten in Europa. Das geht aus einem Lagebericht des Zolls hervor, der unserer Redaktion vorliegt.

Die Essener Zollfahndung hat im vergangenen Jahr 20 Millionen Zigaretten sichergestellt, 2014 waren es bisher nach Angaben des Zollkriminalamtes sogar noch mehr. 2012 konnten zwölf Millionen beschlagnahmt werden. Unklar ist, ob die seit 2013 auf 21,8 Prozent erhöhte Regelsteuer für Tabak mit zum Anstieg beigetragen hat. Der Zoll: Der Schwarzmarkt verspreche auch in Zukunft „hohe Gewinne durch massenhaften Absatz an breite Kundenkreise“.Verlierer ist der Staat, dem wohl Steuereinnahmen im dreistelligen Millionenbereich entgehen.

Gefälschte Zigaretten werden im Verein angeboten

Verteilzentren der oft gefälschten und damit zum Teil gesundheitsschädlichen „Marken“ sind laut Bericht Großgaragen im und am Rand des Ruhrgebiets. „Die Lagerstätten sind im Ruhrgebietsraum in einer Vielzahl vorhanden und können von den Tätern diskret genutzt werden“, sagt Wolfgang Schmitz vom Zollkriminalamt (ZKA) in Köln.

Anders als in Berlin werden die illegalen, unversteuerten und großenteils gefälschten Tabakwaren nicht im Straßenhandel angeboten, sondern „konspirativer“: In Vereinen, am Arbeitsplatz oder direkt in Familien. „Es hat sich ein paralleler Zigarettenmarkt entwickelt, auf dem geschmuggelte Zigaretten nach normalen Wettbewerbsregeln gehandelt werden. Er verfügt ständig über Ware und ergänzt Lieferengpässe selbstständig“, so der Lagereport. Fahnder stellen eine Änderung der Schmuggelrouten fest. Kamen Produkte bisher oft aus Osteuropa, erfolgen viele Zulieferungen in die Revierlager jetzt aus Belgien und den Niederlanden. 2014 gelang es der Essener Zollfahndung, eine Zigarettenfabrik im belgischen Eupen hochgehen zu lassen. 18 Täter, meist Osteuropäer, wurden festgenommen.

Kampf gegen Tabak-Mafiosi wird schwerer

Der Zoll plant, eine zusätzliche Ermittlungseinheit in die Region zu verlegen, um die Handelsroute durch NRW trocken zu legen. Sie ergänzt eine spezielle Observationstruppe OEZ in Moers. Dabei fällt der Kampf gegen die Tabak-Mafiosi zunehmend schwer: Eine deutsch-polnische Tätergruppe, die im Raum Essen unterwegs war, war nicht nur bewaffnet, sondern mit Videokameras und Störgeräten ausgestattet, um die Ermittlungen zu unterlaufen.