CDU will Unterrichtsausfall in NRW künftig exakt messen

Tobias Blasius
Die CDU in NRW will die Bildungspolitik ins Zentrum des nächsten Landtagswahlkampfes stellen. Sie kündigt eine flächendeckende und genaue Erfassung aller ausgefallenen Unterrichtsstunden an.
Die CDU in NRW will die Bildungspolitik ins Zentrum des nächsten Landtagswahlkampfes stellen. Sie kündigt eine flächendeckende und genaue Erfassung aller ausgefallenen Unterrichtsstunden an.
Foto: dpa
Die Opposition fordert eine landesweite Kompletterfassung von Ausfall- und Ersatzstunden an Schulen. Rot-Grün lehnt das bisher ab: zu aufwendig.

Düsseldorf. Die CDU-Opposition im Landtag will bei einem Wahlsieg 2017 erstmals eine schul- und fächerscharfe Unterrichtsausfallstatistik in NRW einführen. Das kündigten die Bildungspolitiker Klaus Kaiser und Petra Vogt am Mittwoch in Düsseldorf an. „Wir brauchen endlich Klarheit über den tatsächlich erteilten Fachunterricht“, sagte Kaiser. Es gehe nicht um das öffentliche Bloßstellen einzelner Schulen, sondern um ein „Steuerungsinstrument“ zur Sicherstellung von Fach- und Vertretungsunterricht.

Laut CDU gebe es die technische Möglichkeit, Unterrichtsausfall landesweit zu erfassen und auszuwerten. Schon heute arbeite mehr als jede dritte Schule in NRW mit einer Software, die Ausfälle, Vertretungen, Klassenfahrten oder eigenverantwortliches Lernen exakt bilanzieren könne. Vogt warf Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) vor, die Anwendung und Vernetzung des Programms mit einheitlichen Kriterien bewusst nicht anzugehen.

Löhrmann lehnt eine genaue Statistik über tatsächlich erteilten Fachunterricht als zu aufwendig ab. Die Pflege einer landesweiten Datenbank koste zu viel Zeit, da Ursachen und Ersatz einer ausgefallenen Fachstunde genau erfasst werden müssten. Die Lehrer sollten lieber guten Unterricht erteilen.

Überraschendes Ergebnis der Stichprobe

Stattdessen hatte das Schulministerium im Frühjahr per Stichprobe bei 770 der 6000 Schulen in NRW die Lücken im Stundenplan gemessen. Erstaunliches Ergebnis: Nur 1,7 Prozent der Stunden waren ersatzlos ausgefallen, klar weniger als fünf Jahre zuvor (2,4 Prozent). Allerdings nahm der Anteil des eigenverantwortlichen Lernens, der Vertretungen und außerschulischen Lernformen wie Klassenfahrten und Ausflüge zu.

Löhrmann führte die niedrige Ausfallquote auf die guten Konzepte der Schulen zurück, mit denen Vertretungen oder Ersatzunterricht organisiert würden. Außerdem habe NRW 4000 Lehrerstellen gegen Unterrichtsausfall geschaffen. Eine neues System zur Erfassung des Stundenausfalls steht bei Rot-Grün demnach nicht auf der Tagesordnung.

Bildungspolitik soll für die CDU eine zentrale Rolle im Landeswahlkampf 2017 spielen. Neben dem Unterrichtsausfall wollen Vogt und Kaiser die Probleme beim gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern in Regelschulen (Inklusion) sowie den Mangel an naturwissenschaftlich-technischer Grundbildung thematisieren. Ein Schüler in Sachsen habe deutlich mehr Pflichtunterricht in diesen Fächern als Altersgenossen in NRW. Es müsse zu Lasten der Sozialwissenschaften umgesteuert werden.