Blutige Woche für die Briten in Afghanistan

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London. Die Zahl der britischen Verluste in Afghanistan übersteigt die im Irak. Nachdem in Afghanistan fünf britische Soldaten bei Anschlägen ums Leben gekommen sind, kritisierten die oppositionellen Konservativen die Strategie der Regierung. Und im Südwesten Englands trauert eine ganze Stadt.

In Afghanistan sind fünf weitere britische Soldaten ums Leben gekommen. Die Soldaten seien am Freitagmorgen bei zwei Explosionen in der Nähe von Sangin in der südlichen Unruheprovinz Helmand getötet worden, erklärte das Verteidigungsministerium in London am Freitagabend.

15 Tote Briten in 10 Tagen

Damit starben in den vergangenen zehn Tagen 15 britische Soldaten in Afghanistan. Die Gesamtzahl der getöteten Angehörigen der britischen Armee beim Einsatz in Afghanistan seit dem Einmarsch 2001 stieg auf 184 und übertraf damit die Zahl der Todesopfer in der britischen Armee beim 2003 begonnenen Irak-Einsatz.

«Wir haben unsere Soldaten im Stich gelassen», sagt Adam Holloway, Abgeordneter der oppositionellen Konservativen Partei und Mitglied im Verteidigungsausschuss. «Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass wir es entweder richtig oder gar nicht machen sollten.»

Nach Holloways Meinung hatte Großbritannien nie die Truppenstärke, um sich in Afghanistan zu behaupten. Die Soldaten hätten es nicht geschafft, wie versprochen für Sicherheit und Wiederaufbau zu sorgen. Das lasse viele Afghanen glauben, dass die Taliban den westlichen Truppen überlegen seien.

"Wie viele noch?"

«Wir sitzen in der Tinte», bilanziert Holloway. Dennoch halte sich der öffentliche Unmut über die Afghanistan-Strategie der Regierung noch in Grenzen.

In Wootton Bassett, einer Kleinstadt westlich von London, trauern die Menschen derweil um fünf Soldaten, die zwischen Samstag vergangener Woche und Dienstag in Afghanistan ums Leben gekommen waren. «Wir fragen uns, wie viele noch?» sagt Bürgermeister Steve Bucknell. «Jedes Mal beten wir, dass es der letzte (Tote) ist, wohl wissend, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein wird.»

Brown verteidigt den Einsatz

Verteidigungsminister Bob Ainsworth und Premierminister Gordon Brown verweisen derweil auf die Bedeutung des Anti-Terror-Einsatzes am Hindukusch. Er spiele eine bedeutende Rolle für die Sicherheit Großbritanniens, sagte Brown am Freitag. Eine «Kette des Terrors» führe aus den Bergen und Dörfern Afghanistans in die Straßen Großbritanniens. Auf dem G-8-Gipfel seien sich alle einig gewesen: «Dies ist eine Aufgabe, der sich die Welt gemeinsam annehmen muss, und dies ist eine Aufgabe, die wir erfüllen müssen.»

Kritiker bemängeln vor allem die ihrer Meinung nach unzureichende Ausrüstung der britischen Truppen in Afghanistan. Insbesondere würden mehr Hubschrauber benötigt. Die meisten Opfer gebe es bei der Explosion von Bomben am Straßenrand, sagt Charles Guthrie, ehemaliger Stabschef der britischen Streitkräfte. Weil zu wenig Hubschrauber für den Truppentransport zur Verfügung stünden, müssten die Soldaten sich dieser Gefahr aussetzen. «Hätte es mehr (Helikopter) gegeben, wären höchstwahrscheinlich weniger Soldaten von Bomben getötet worden», sagte Guthrie der «Daily Mail».

Derzeit sind etwa 8300 britische Soldaten in Afghanistan stationiert, zumeist im besonders umkämpften Süden des Landes. afp/ap)

 
 

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