Bizarrer Streit um Krawatten im Bundestag

Miguel Sanches
Schlips oder kein Schlips - das ist die Frage, die zurzeit den Bundestag beschäftigt. Schriftführer-Obmann Jens Koeppen von der CDU sperrte zwei Kollegen aus, weil sie keine Krawatte oder Fliege trugen. Er findet, wer im Bundestagspräsidium sitzt, muss höchsten Ansprüchen genügen.

Berlin. Bei der Kleiderordnung kennt Jens Koeppen keinen Spaß. Als der Christdemokrat gestern seine zwei Schriftführer-Kollegen von den Grünen und von den Linken im Bundestag erblickte, trat er auf den Plan: Weil sie keine Krawatte oder Fliege trugen, durften sie nicht neben Parlamentspräsident Lammert (CDU) Platz nehmen. Wer im Präsidium sitzt solle, bitte schön, auch optisch höchsten Ansprüchen gerecht werden.

Koeppen ist der Obmann der Schriftführer. Er durfte Sven-Christian Kindler (Grüne) und Andrej Hunko (Linke) im Hohen Haus aussperren. Bloß fühlen sich jetzt die Oppositionsleute auf den Schlips getreten. Sie lasen die Geschäftsordnung gründlich durch. Von einem Dresscode ist dort kein Rede.

Prinzipenfrage ums „überflüssigste Kleidungsstück der Welt“

Ein weißes Hemd und Jacke sollten reichen, meinten die beiden. Dass ohne Krawatte schon die Würde des Hohen Hauses verletzt werde, sehen sie nicht ein. „Man darf in Deutschland ohne Krawatte Karstadt retten, aber nicht im Bundestag Schrift führen“, schimpfte Grünen-Fraktionschef Trittin. Die Mehrheit im Ältestenrat habe aus dem „überflüssigsten Kleidungsstück der Welt“ eine „Prinzipienfrage“ gemacht, klagte Dagmar Enkelmann (Linke).