AfD-Politiker Björn Höcke: Hitler ist nicht das absolut Böse

Der AfD-Landesvorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, ist selbst in seiner eigenen Partei umstritten.
Der AfD-Landesvorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, ist selbst in seiner eigenen Partei umstritten.
Foto: Hendrik Schmidt / dpa
Björn Höcke steht wieder wegen einer fragwürdigen Aussage über Hitler im Fokus. Der AfD-Politiker fühlt sich allerdings missverstanden.

New York/Erfurt.  Thüringens AfD-Landesvorsitzender Björn Höcke hat sich am Rand seiner umstrittenen Rede zur Erinnerungskultur in Deutschland auch zu Adolf Hitler geäußert. „Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt“, sagte Höcke dem „Wall Street Journal“ (Bezahlinhalt) nach einer am Mittwoch in New York veröffentlichten Transkription des auf Deutsch in Dresden im Januar geführten Interviews. „Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt. Und dass es viele Grautöne gibt.“

In der „Jungen Freiheit“ hatte Höcke das Zitat bestritten: „Das habe ich so nicht gesagt. Das ist nicht meine Meinung“, zitiert das Blatt den auch in seiner Partei umstrittenen Politiker auf seiner Onlineseite. Ein Sprecher des AfD-Landesverbandes in Thüringen sagte der dpa am Mittwoch, er gehe davon aus, dass Höcke damit die Wahrheit gesagt habe. Das „Wall Street Journal“ zitierte Höcke nun aus einer schriftlichen Stellungnahme, seine Zitate seien aus einem komplexen Zusammenhang gerissen worden. Dadurch sei ein völlig falscher Eindruck entstanden.

Höcke-Unterstützung und Einreisestopp für Muslime: So kontrovers äußert sich AfD-Vize Alexander Gauland

AfD-Vize Alexander Gauland fordert im Interview mit den Zeitungen der FUNKE MEDIENGRUPPE ein Ende des Parteiausschlussverfahrens gegen Höcke. Und er spricht sich für anderen Umgang mit der deutschen Geschichte aus: „Wir können Erinnerung nicht auf diese zwölf Jahre beschränken“. Dieses und weitere kontroverse Zitate im Video.
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Höcke: Ausgeschlossen, dass ein Mensch nur dunkel ist

In dem Interview hatte Höcke unter anderem gesagt: „Sogar der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebenswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher.“ Auf die Frage, was an Hitler das Gute gewesen sei, antwortete Höcke: „Ich habe jetzt nicht gesagt, dass es etwas Gutes gibt, aber es ist ausgeschlossen – rein von der Logik her, also rein philosophisch gesehen ist es ausgeschlossen – dass ein Mensch nur dunkel ist.“

In seiner Rede vom 17. Januar in Dresden hatte Höcke offensichtlich mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Höcke entschuldigt sich für Tonlage seiner Dresdener Rede

Von dem umstrittenen thüringischen Landeschef Björn Höcke will sich die AfD trennen. Das Lager um Parteichefin Frauke Petry hatte am Montag mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesvorstand ein Parteiausschluss-Verfahren durchgesetzt. Der Grund: die Dresdner Rede Höckes. Im Januar hatte er sich abwertend über das Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert. Am Samstag rechtfertigte er: "Ich habe ein großes, ich habe ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt. Ich habe mich von einer Atmosphäre mitreißen lassen und bin auch in eine falsche Tonlage gefallen. Ich habe Interpretationsspielräume zugelassen, kurz, ich habe es dem politischen Gegner und der meist leider nicht freundlich gesinnten Presse zu leicht gemacht, ich habe unnötigerweise eine Flanke geöffnet, das war ein Fehler, und dafür möchte ich mich heute hier entschuldigen." Höcke sieht in der Rede jedoch keinen Verstoß gegen die Parteistatuten. "Anders als die Mehrheit der Bundesspitze habt ihr zu mir gestanden, als die politischen Gegner außerhalb und innerhalb der Partei über mich herfielen, ihr habt mir den Rücken gestärkt. Glaubt mir, das werde ich euch niemals vergessen, und ich verspreche euch, ich habe nicht vor, die AfD zu verlassen." Höcke-Gegner verwiesen darauf, dass die AfD-Werte seit der Debatte über seine Äußerungen in Umfragen sinken. Der Ausschluss-Antrag wird nun zunächst vom AfD-Landesschiedsgericht in Thüringen behandelt. In Parteikreisen hieß es, dort könne Höcke zwar recht bekommen, dann aber werde der Fall vor dem Bundesschiedsgericht landen.
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Parteiausschlussverfahren läuft

Der AfD-Bundesvorstand hatte am 13. Februar wegen der Rede, in der Höcke auch eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte, ein Parteiausschlussverfahren gegen den Thüringer Landes- und Fraktionschef beschlossen. Über den Ausschluss muss zunächst das Thüringer Landesschiedsgericht entscheiden. (dpa)

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