Zwei Tierfilmer haben ihr Glück in der Tiefsee gefunden

Kirsten und Joachim Jakobsen in ihrem Tauchboot Lula1000.
Kirsten und Joachim Jakobsen in ihrem Tauchboot Lula1000.
Foto: Pirkko Gohlke/WAZFotoPool
Kirsten und Joachim Jakobsen sind Tierfilmer. Das deutsche Ehepaar lebt und arbeitet auf den Azoren. Mit ihrem Tauchboot Lula1000 sind sie bis zu 1000 Meter tief im Atlantik unterwegs, um dort die Meeresbewohner zu filmen. Derzeit sind sie auf der Suche nach Riesenkalmaren.

Lajes do Pico. Arbeiten unter Wasser – Joachim Jakobsen hat seinen Kindheitstraum zum Beruf gemacht. Er und seine Frau Kirsten sind Tierfilmer. Ihr Einsatzgebiet: die Tiefsee vor den Azoren. Sie leben und arbeiten auf den portugiesischen Inseln. Mit ihrem Tauchboot Lula 1000 fahren sie bis zu einem Kilometer in die Tiefsee und filmen die Unterwasserwelt. Derzeit sind sie auf der Suche nach Riesenkalmaren.

Joachim Jakobsen sitzt im Steuerhaus des Katamarans Ada Rebikoff, der im Hafen des Städtchens Lajes do Pico auf der Azo-reninsel Pico liegt. Im hinteren Teil des Katamarans ist das Tauchboot untergebracht. Über eine Bodenklappe kann es ins Meer hinangelassen werden. Jeden zweiten Tag in den Sommermonaten, wenn die See nicht stürmisch ist, tauchen die Jakobsens. Bis zu fünf Stunden sind sie dann unter Wasser.

Jakobsen wurde 1956 in Italien geboren. Seine deutschen Eltern lernten sich dort kennen. Sein Vater war auf Wanderschaft in Südeuropa. Seine Mutter war eine deutsche Touristin. „Sie haben auf einem kleinen Boot gehaust, und dann kam ich.“

Schon der Vater drehte meeresbiologische Filme

Jakobsens Vater arbeitete später mit den Unterwasser- und Kamerapionieren Dimitri Rebikoff und Ada Rebikoff-Niggeler. Sie drehten meeresbiologische Filme. Rebikoff entwickelte Kameratechnik und den ersten von der Wasseroberfläche steuerbaren Tauchroboter. Mit der Taucherei sei er aufgewachsen, sagt Joachim Jakobsen.

Die erste Tauchflasche habe er mit fünf Jahren vom Vater gekriegt, die Unterwasserkamera mit sieben. Ab dem 18. Lebensjahr arbeitete er bei den Rebikoff-Niggelers in Florida und Südfrankreich. Er lebte davon, dass er die Rebikoff-Kameras Kunden vorführte.

1991 zogen sich die Unterwasserpioniere zurück. Jakobsen setzt ihr Erbe fort. Er gründete eine Stiftung, deren Ziel die Erforschung der Unterwasserwelt vor den Azoren ist. Die Familie Rebikoff stellte das Anfangskapital und gab in den Folgejahren immer wieder Geld. Wie viel, das will die Familie nicht öffentlich machen.

Eine Million Euro kostete der Bau der Lula1000. Zudem finanzieren die Jakobsens ihre Arbeit mit wissenschaftlichen Projekten. So haben sie in dreijähriger Forschungsarbeit mit dem Ozeanografischen Institut der Universität der Azoren Tiefsee-Korallen dokumentiert. Für das Kulturamt der Azoren arbeiteten sie an einer Unterwasserkarte mit und entdeckten Überreste von Schiffwracks.

Auf den Azoren begann es mit einer Werkstatt für Unterwasserkameras

Auf den Azoren strandete Jakobsen 1989. Er war eigentlich mit dem Segelschiff auf einer großen Tour unterwegs. „Da habe ich begriffen, dass es das ist“, sagt er und schaut aus dem Fenster des Katamarans auf die kleine Hafenstadt, hinter deren Häusern sich grüne Hügel erheben. Er ist geblieben, er eröffnete eine Werkstatt für Unterwasserkameras, bis er die Stiftung gründete. 1997 begann er mit dem Bau seines ersten Tauchboots. 500 Meter tief konnte es tauchen.

Seine Frau lernte er Ende der 1990er Jahre kennen. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin war eine junge Diplomatin an der deutschen Botschaft in Lissabon, er der U-Boot-Mann. „Sie hat ihren gut bezahlten Diplomatenjob an den Nagel gehängt. Sie hat mir geglaubt, dass U-Boote glücklich machen“, sagt er. Die 43-Jährige entgegnet: „Ich war von Anfang an begeistert.“

Auf der Suche nach den Riesenkalmaren, jene Kopffüßler, über die Wissenschaftler nur wenig wissen, sind die Jakobsens mit der Lula 1000 seit vergangenen September. Aber eigentlich filmen sie alles, was ihnen vor die Kamera schwimmt. Ihr größter Wunsch: „Ein Tierfilm, im Ersten, abends um 20.15 Uhr. Das ist der Motor, der permanent mitläuft.“

 
 

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