Wölfin paart sich mit Hund – Welpen sollen getötet werden

Es ist selten, dass sich Wölfe mit Hunden paaren. Wölfe sind monogam und suchen einen Wolfspartner fürs Leben (Symbolbild).
Es ist selten, dass sich Wölfe mit Hunden paaren. Wölfe sind monogam und suchen einen Wolfspartner fürs Leben (Symbolbild).
Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel
In Thüringen hat eine Wölfin mit einem Haushund Nachwuchs bekommen. Die Welpen sollen getötet werden. Doch dagegen regt sich Protest.

Erfurt.  Es ist eine Romanze mit Folgen: Eine Wölfin, die im thüringischen Ohrdruf lebt, hat sich mit einem Haushund gepaart. Das Ergebnis sind sechs Mischlingswelpen. Und die sollen nun getötet werden. In den sozialen Netzwerken häuft sich der Protest.

Eine Fotofalle hatte Anfang Oktober Aufnahmen von der Mutter und den sechs Jungtieren beim Streifzug durch ihr Ohrdrufer Revier gemacht. Das teilte das Thüringer Umweltministerium am Donnerstag in Erfurt mit. Die Welpen seien dabei zweifelsfrei als sogenannte Hybride identifiziert worden, eine Mischung aus Wolf und Haushund.

Auf Facebook protestieren Nutzer gegen die Tötung

In den sozialen Netzwerken häuft sich der Protest gegen die Entscheidung des Umweltministeriums zur „letalen Entnahme“, also zur Tötung der Welpen. Viele Nutzer können nicht nachvollziehen, warum die Mischlinge nicht einfach kastriert werden.

Auf der Facebookseite „Willkommen Wolf“ schreibt eine Nutzerin: „Die da oben machen sich zum Gott über Leben und Tod. Wer entscheidet was „richtig“ oder „falsch“ oder „lebenswert“ ist?“

Es gibt aber auch Lösungsvorschläge. „Kann man in dem Fall die Tiere nicht einfangen, kastrieren und in einem Gehege leben lassen?“, fragt eine Userin. Und eine andere erklärt: „In Amerika werden bewusst solche Hunde gezüchtet und die leben normal im Haus mit.“

Wolf-Hund-Mischlinge beliebte Haustiere

Tatsächlich hat die Kreuzung weltweit Fans. Sie sind fasziniert von den mystischen Wesen. Offiziell gibt es in Deutschland keine Züchter für Wolfskreuzungen. Laut Nabu gab es 2013 etwa 1400 Tiere, Tendenz steigend. Wer sie halten will, braucht eine Genehmigung, da Wölfe und die Nachkommen unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fallen.

Doch nur wenige Tiere sind bei den Behörden gemeldet. Die werden auch oft einfach umgangen. Wolfshybride werden etwa aus Osteuropa oder den USA eingeführt. Mit falschen Papieren, die sie als Hunde kennzeichnen. Bis zu 4000 Euro kostet so ein Welpe.

Experten warnen vor Haltung

Doch von einem normalen Leben im Haushalt, wie die oben genannte Facebook-Nutzerin schreibt, kann nicht die Rede sein. Besitzer unterschätzen wie anspruchsvoll die Tiere sind. Je höher der Wolfsanteil, desto schwieriger sei die Erziehung, so Experten.

Werden die Mischlinge im Haushalt gehalten, können sie ganze Möbel zerlegen. Sie erkunden alles mit ihren Zähnen und Krallen – und leiden unter dem Leben in Gefangenschaft. Werden sie geschlechtsreif, kann es für den Menschen gefährlich werden. Experten warnen: Wolfshybride stellen dann die Rangordnung infrage.

Artenschutzgründe sprechen für die Tötung

Die Mischlingswelpen, die nun auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf entdeckt wurden, sollen daher nun getötet werden. Ein Leben in einem Gehege ist aus Sicht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) keine tierschutzgerechte Alternative. Erfahrungen aus Sachsen hätten gezeigt, dass dort gefangene Hybridwelpen unter der Gehege-Haltung gelitten hätten.

Auch Artenschutzgründe sprechen für die Tötung. Denn die Vermischung der Gene von Wolf und Hund würde die Wolfspopulation gefährden, so das Umweltministerium in Thüringen.

Das Land folgt damit einer Empfehlung der DBBW. Die habe zur Tötung der vier weiblichen und zwei männlichen Jungtiere geraten, die etwa fünf Monate alt sein sollen. Damit solle verhindert werden, dass die Tiere sich mit der bereits für den Winter erwarteten Geschlechtsreife eigene Reviere suchten.

Zunächst müsse allerdings beim Sozialministerium, das für den Tierschutz zuständig ist, eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss der Mischlinge beantragt werden.

Nabu wirft Umweltministerium Versagen vor

Der Nabu Thüringen wirft dem Umweltministerium Versagen beim Wolfsmanagement vor. Man habe das Ministerium schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass es auf dem Truppenübungsplatz streunende Hunde gebe, erklärte NABU-Sprecher Silvester Tamás. Doch nichts sei passiert. Das müsse sich ändern. Der Naturschutzbund fordert weiterhin, dass das Monitoring ausgebaut wird.

In den vergangenen Monaten waren rund um den Standortübungsplatz Ohrdruf verstärkt Nutztiere gerissen worden, nachdem es zuvor über fast zwei Jahre keinen Fall gegeben hatte. 65 Schafe und 14 Ziegen waren Opfer von Attacken geworden. In zwei von 13 Fällen konnte die Ohrdrufer Wölfin mittels DNA-Analyse eindeutig als Verursacherin nachgewiesen werden.

Darüber, ob die Jungtiere an den Rissen beteiligt waren, könne man nur spekulieren, so der Nabu. Allerdings nehmen Jungwölfe bereits nach vier Lebenswochen feste Nahrung zu sich und begleiten nach drei bis vier Monaten die Elterntiere auf deren Streifzügen.

Wolf paart sich nur selten mit Hund

Dass sich ein Wolf mit einem Hund paart, ist laut Nabu-Experte Lucas Ende allerdings äußert selten. „Der Fall in Thüringen ist in den 17 Jahren seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland erst der zweite“, sagte Ende unserer Redaktion. Einen anderen eindeutig nachgewiesenen Fall einer Verpaarung zwischen Wolf und Hund habe es 2003 in Sachsen gegeben.

Das sei aber immer eine „absolute Notlösung“, so der Experte. Denn Wölfe sind monogam und suchen einen Partner für das ganze Leben. Hunde würden sie nur dann als Fortpflanzungspartner wählen, wenn kein anderer Wolf zur Verfügung stehe.

„Umso wichtiger ist es, dass der strenge Schutzstatus von Wölfen aufrecht erhalten wird, um einen günstigen Erhaltungszustand der Wolfspopulationen in Deutschland und Europa zu erreichen, was langfristig die Wahrscheinlichkeit der Hybridisierung zwischen Wölfen und Hunden weiter senkt“, erklärt Lucas Ende. Hundebesitzer könnten zusätzlich helfen, indem sie ihre Tiere in Wolfsgebieten nicht unbeaufsichtigt lassen. (mit dpa)

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