Wie funktioniert Partnersuche auf katholisch?

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Essen. Kathtreff.org ist eine Online-Singlebörse für Katholiken. Ein Erfolgsmodell mit vielen neuen Mitgliedern. Aber was sind das eigentlich für Menschen, für die im 21. Jahrhundert die Religion bei der Partnersuche noch so eine große Rolle spielt?

Kathtreff.org - das ist eine virtuelle Singlebörse für Katholiken im deutschsprachigen Raum oder wie es auf der Homepage heißt: „Die Community für Partnersuchende, die ihr Leben an der Lehre der katholischen Kirche orientieren.“ Aber wer meldet sich in der heutigen Zeit bei einer Partnerbörse an, die sich selbst mit den Adjektiven katholisch, anonym, niveauvoll und attraktiv beschreibt?

Benedikt van Acken hat genau das getan. Der Wittener ist seit 2002 Single. 2005 entschied er sich zu einer Anmeldung bei kathtreff.org. Die Gründe liegen auf der Hand. Der 46-Jährige ist praktizierender Christ. Er geht regelmäßig zur Kirche und singt im Kirchenchor. Bei kathtreff.org wollte er eine Frau kennenlernen, die seinen Glauben teilt.

Ein bis zwei Hochzeiten pro Woche

Martin Kugler, der gemeinsam mit seiner Frau Gudrun die Internetplattform kathtreff.org betreibt, ist davon überzeugt, dass ein gemeinsamer Glauben bei der Beziehungsführung hilft. Ähnliche Vorstellungen vom Kinderkriegen und der Gestaltung des Sonntags würden viele Streitigkeiten verhindern.

Und der Erfolg gibt ihm recht. Oder zumindest scheint die gemeinsame Religionszugehörigkeit zu einer hohen Vermittlungsquote zu führen. Offiziell weiß Martin Kugler von 200 Hochzeiten seit der Gründung des Kathtreff im Jahr 2005. Er vermutet aber, dass die „Dunkelziffer“ weit höher ist. Schließlich müssen ihm die ehemaligen Mitglieder über ihren Beziehungsstatus nicht Bericht erstatten. 100 Hochzeiten pro Jahr bzw. ein bis zwei Hochzeiten pro Woche hält er für einen durchaus realistischen Wert. „Wir brauchen ständig neue Mitglieder“, klagt der Geschäftsmann, der seine Kunden permanent an die Institution der Ehe verliert.

An Nachschub mangelt es der Singlebörse jedoch nicht. Kugler spricht von 20 bis 30 neuen Mitgliedern pro Woche. Die meisten seien zwischen 30 und 45 Jahren alt. Wobei die männlichen Singles durchschnittlich ein wenig älter seien als die weiblichen. Das Modell „katholisches Heiratsportal“ scheint zu funktionieren. Und das, obwohl die Mitgliedschaft bei kathtreff.org inzwischen nicht mehr kostenlos ist.

Der katholische Markt ist von vornherein kein Wachstumsmarkt

Für die ersten 500 Mitglieder war das Angebot noch gratis. Damals gab es aber laut Kugler häufig Probleme mit Voyeuren. Männer, die einfach nur mal sehen wollten, wie eine katholische Frau aussieht, die keinen Sex vor der Ehe will. Inzwischen ist kathtreff.org daher nicht mehr kostenlos. Für 30 Euro kann man sich drei Monate lang auf der Plattform umschauen. Wer ein halbes Jahr bleiben will, muss 50 Euro bezahlen und ein ganzes Jahr Partnersuche kostet 85 Euro. „Die meisten nehmen die kurze Version“, verrät Kugler.

Der Singlebörsen-Betreiber hat eine einfache Erklärung für den Erfolg seines Internetportals: „Der katholische Markt ist von vornherein zwar kein Wachstumsmarkt. Der Singlemarkt dafür aber umso mehr.“ Und es gibt etwas, was kathtreff.org unter allen Kontaktbörsen dieser Welt einmalig macht. Das Ehepaar Kugler hat das Heiratsportal zusammen mit einem niederösterreichischen Bischof entwickelt, der jetzt auch an den Gewinnen beteiligt wird.

„Wir sind nicht gegen konfessionsübergreifende Partnerschaften“

Doch trotz der engen Bindung zur katholischen Kirche, dürfen sich beim Kathtreff auch Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften anmelden. „Wir sind nicht gegen konfessionsübergreifende Partnerschaften“, erklärt Kugler. Andersgläubige sollten ihre Konfession allerdings bei der Anmeldung mit angeben. Aber wie überprüft man denn eigentlich, ob die Angabe „katholisch“ auch tatsächlich der Wahrheit entspricht? Oder vielleicht von einem Juden, Muslim oder Protestanten stammt? „Wir kontrollieren gar nicht“, erklärt der 48-jährige Wiener. Es gebe eine jüdische Singleplattform, die sich von ihren Mitgliedern per Fax eine Bescheinigung der Religionszugehörigkeit zuschicken ließe. Von solchen Maßnahmen hält der Kathtreff-Betreiber aber nichts.

Das klingt alles sehr schön. Eine Partnerbörse, die zwar im Einklang mit der katholischen Lehre steht und die Institution der Ehe fördert, gleichzeitig aber auch offen für andere Glaubensrichtungen ist. Doch obwohl man Martin Kugler durchaus abnimmt, dass er sich bei der Gründung des Kathtreff von genau diesen Motiven leiten ließ, scheint seine Plattform eine hohe Anziehungskraft auf katholische Hardliner auszuüben. Zumindest hat Benedikt van Acken diese Erfahrung gemacht. Der Wittener berichtet, dass er auf kathtreff.org Frauen kennengelernt hat, „die im weitesten Sinne abgedreht sind“. Eine habe zum Beispiel von ihm verlangt, dass er ihr vor dem ersten Treffen eine schriftliche Bescheinigung seine Pfarrers zuschickt. Dieser sollte bestätigen, dass van Acken für die katholische Ehe auch wirklich geeignet ist. So eine richtige Katholikin kauft die Katze eben nicht im Sack.

Für Hardliner gibt es keine andere Plattform

Inzwischen hat sich der 46-Jährige von dem Ziel verabschiedet, auf Biegen und Brechen eine katholische Frau kennenzulernen. 2008 wechselte er zu einer weltlichen Singlebörse. Dennoch fällt sein Fazit über die katholische Singleplattform nicht nur negativ aus. Kathtreff.org sei deutlich weniger kommerziell ausgerichtet, als andere Angebote dieser Art. Bei den Betreibern sei ein echtes Bemühen um ihre Mitglieder zu erkennen. „Die fragen bis heute regelmäßig nach, wie es mir geht“, erzählt der Single. Man sollte eben nur nicht allzu große Hoffnungen haben, dort eine „normale“ Christin kennenzulernen. „Für Hardliner gibt es keine andere Plattform. Außerdem schreckt das „K“ viele Leute ab“, erklärt van Acken.

 
 

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