Wie die lila Milka-Kuh Adelheid zur Werbe-Ikone wurde

Erfolgreiche Werbung: Die lila Kuh vor der idyllischen Alpenkulisse.
Erfolgreiche Werbung: Die lila Kuh vor der idyllischen Alpenkulisse.
Foto: action press
Die erste hieß Adelheid. Die berühmteste wurde Schwalbe gerufen. Obwohl sie kein Vogel, sondern eine Kuh war. Eine lila Kuh. Vor 40 Jahren erschien sie erstmals in einer Werbeanzeige. Heute ist sie die bekannteste Werbefigur Deutschlands. Das hätte selbst ihr Erfinder und geistiger Vater nicht geglaubt.

Essen.. Die erste hieß Adelheid. Die berühmteste wurde Schwalbe gerufen. Obwohl sie kein Vogel, sondern eine Kuh war. Eine lila Kuh. Vor 40 Jahren erschien sie erstmals in einer Werbeanzeige. Heute ist sie die bekannteste Werbefigur Deutschlands. Das hätte selbst ihr Erfinder und geistiger Vater nicht geglaubt.

Sandor Szabo sitzt im Herbst 1971 im Zug von Lörrach nach Frankfurt und grübelt. Es geht um Geld. Um einen großen Etat. Um den von Milka. Zusammen mit zwei Kollegen hat der Art Director der Werbeagentur Young & Rubicam gerade die Suchard-Schokoladenfabriken besucht. „Da war alles lila“, erinnert sich der heute 78-Jährige. Vom Geländer bis zur Kaffeetasse. Und als Szabo und die Texterin Ilse Theisen beim Blick aus dem Abteilfenster friedlich grasende Rindviecher sehen, kommt ihnen die Idee: „Lass uns die Milka-Kuh doch lila machen.“

Die blaue Milka-Kuh begeistert Hersteller Suchard

Suchard ist begeistert. Dennoch dauert es Monate, bis die eingefärbte Kuh ihren ersten Auftritt hat. Soll ja nicht irgendeine Kuh sein. Szabo fährt ins Appenzeller Land. „Aber da waren die Tiere nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Eine Hotelangestellte gibt den entscheidenden Tipp. „Versucht es mal im Simmental, bei Bauer Kuhnen.“

Dort steht Adelheid. Preisgekrönt und mehrfach ausgezeichnet. Gleichmäßig gewunden die großen Hörner, breit und weiß die wuschelige Stirn, prall das Euter. Kurzum: „Ein Prachtexemplar.“

Adelheid wird im Labor von braun zu lila umgefärbt

Die ersten Fotos hat ein Fotograf schnell im Kasten. Im Labor werden die Bilder für die Anzeigen später retuschiert und „Adelheid“ von der braun-weißen zur lila-Kuh. „Das ging damals schon problemlos.“ Weitaus schwieriger sind die Filmaufnahmen. Dafür wird Adelheid – mit 800 Franken pro Spot entlohnt – unter tierärztlicher Aufsicht und mit Hilfe von Schablonen mit wasserlöslicher lila Farbe besprüht. Klingt einfach, ist aber schwierig. Denn die Prozedur dauert Stunden. Die Farbe ist so empfindlich, dass die Kuh nur mit dem Schwanz wedeln muss, um sie wieder abfallen zu lassen. Und Kühe wedeln bekanntlich oft mit dem Schwanz.

Um das Milchvieh dazu zu bringen, in die Linse zu schauen, steht hinter dem Kameramann ein Gehilfe, der stundenlang einen Regenschirm auf und zu klappt, um die Aufmerksamkeit Adelheids zu erregen. Viel Mühe, die sich in den ersten Jahren nicht einmal lohnt. Denn in den frühen 1970ern haben 75 Prozent der deutschen Haushalte noch gar keinen Farbfernseher. Da bleibt die lila Kuh eine schwarz- weiße. Dem Erfolg der Kampagne schadet das nicht. Keine andere Figur des deutschen Werbefernsehens hat sich so lange gehalten wie die lila Kuh. Kein Meister Propper, keine Tilly, nicht einmal Klementine, die Ariel-Frau. Obwohl Milka selbst mehrfach versucht hat, die Kuh vom Bildschirm zu verdrängen. Doch weder Schwimmstar Franziska van Almsick noch Alm-Öhi Peter Steiner können sie adäquat ersetzen.

Protestbriefe – bis Schwalbe ihr Gnadenbrot erhält

Und als bekannt wird, dass „Schwalbe“, eine von Adelheids zahlreichen Nachfolgerinnen, am Ende ihrer Kuh-Karriere geschlachtet werden soll, stehen die Telefone im Simmental nicht mehr still und die Briefträger schleppen die Protest-Briefe gleich körbeweise zu Bauer Kuhnen – bis Schwalbe ihr Gnadenbrot erhält. Angeblich von ihrem ehemaligen Auftraggeber selbst.

Was der allerdings mittlerweile bestreitet. Laut Umfragen kennen heute gut 98 Prozent der Deutschen das lila Milchvieh. Und bei einer Malaktion in Bayern hat jedes dritte Kind schon vor Jahren eine Kuh auf den vom Ministerium ausgegebenen Malbögen lila eingefärbt. Klar, dass Pädagogen da in Sorge sind. Hört nur niemand auf sie.

Zumal die Natur sich vor einiger Zeit auch noch eingemischt hat. In einem Dorf nahe der serbischen Stadt Cacak wurde da nämlich ein lila-weißes Kalb geboren. Den Bären von Bärenmarke dagegen – das nur mal am Rande – sucht man bis heute immer noch vergeblich in den Alpen.

 
 

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