Wenn es Holz unter den Füßen sein soll

Kai Wiedermann
Kenner wollen ihn nicht missen: Den Fußboden aus echtem Holz.
Kenner wollen ihn nicht missen: Den Fußboden aus echtem Holz.
Foto: Getty Images
Parkett und Laminat sind die beliebtesten Bodenbeläge der Deutschen. Seit 2005 sind sie auf dem Vormarsch. Böden aus Echtholz sind dabei teurer als Laminat, für Fans der Natürlichkeit aber das Nonplusultra. Ein Überblick über aktuelle Trends.

Essen. Parkett und Laminat sind die beliebtesten Bodenbeläge der Deutschen. Seit 2005 sind sie auf dem Vormarsch. Ihr Anteil an der Gesamtproduktion ist dem Statistischen Bundesamt zufolge bis 2012 um 38,6 auf 50,7 Prozent gestiegen (18,8 Prozent Teppich, 15,7 Prozent Kunststoff, 14,8 Prozent Fliesen). Böden aus Echtholz sind dabei teurer als Laminat, für Fans der Natürlichkeit aber das Nonplusultra. Ein Überblick über aktuelle Trends.

Die Struktur

„Die Hersteller legen in diesem Jahr besonders viel Wert auf fein herausgearbeitete Strukturen, um die Natürlichkeit des Holzes hervorzuheben“, sagt der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie (vdp), Michael Schmid. Durch Hobeln, Bürsten oder Schleifen mit der Hand würden die feinen und tiefen Strukturen einzelner Baumstämme herausgearbeitet. Markante Äste, ein kontrastreicher Splintanteil oder Risse – früher verpönt – zeugten heute von Ursprünglichkeit.

Die Nostalgie

Auch in diesem Jahr setze sich laut vdp eine Entwicklung fort, die überrascht: Der Kunde mag nicht mehr unbedingt das Makellose. Der Boden, obwohl neu verlegt, darf gebraucht aussehen. „Die Hersteller kommen dem mit auf alt gemachten Parkettdielen entgegen“, sagt Schmid. Mit speziellen Verfahren imitierten sie die typischen Abnutzungserscheinungen eines jahrzehntelang begangenen Bodens. So werden die bei alten Dielenböden nach Jahren des Gebrauchs entstehenden Lücken nachgebaut, dunkle Farbtöne nehmen die natürliche Alterung des Bodens vorweg.

Die Holzarten

„Viele, viele Jahre lang gab es bei den am meisten verarbeiteten Holzarten eine „One-Man-Show“, so der Verband der Deutschen Parkettindustrie. Heißt: Eiche war schier unverrückbar das liebste Holz der Deutschen. Nun aber zeichnet sich ein Wandel ab. „Erfreulich ist, dass man auf den Messen zu Jahresbeginn wieder hellere Holzarten wie Esche, Ahorn oder Hainbuche sichten konnte“, sagt Michael Schmid. Die Angebotsvielfalt im Handel werde wieder breiter.

Der Verkaufshit

Immer beliebter: die Landhausdiele, in der Regel aufgebaut aus mehreren Schichten. Ihre Deckschicht besteht aus einer ungeteilten Fläche anstelle von mehreren Stäben. Beliebt seien Dielen in einer Breite von 16 bis 20 Zentimetern. Die Hersteller bieten Dielen mittlerweile mit einem „Gardemaß von bis zu sieben Metern Länge an“, so der vdp.

Die Innovationen

Naturfarben, Creme- und Grautöne in immer feineren Abstufungen haben die Hersteller im Angebot, sagt der vdp. Aber: In diesem Jahr kämen auch farbige Designs in die Läden. „Durch räuchern, laugen, beizen und färben sind da keine Grenzen gesetzt“, sagt Michael Schmid. Und wer es noch ausgefallener mag, kann sich für Holzfußböden entscheiden, deren Oberflächen je nach Lichtverhältnis verschiedenfarbig schimmern.

Der Vorteil des Parketts

Im Gegensatz zu Laminat (siehe Infokasten) kann Parkett je nach Oberflächenstärke jederzeit wieder abgeschliffen und aufbereitet werden. Darüber hinaus habe das Holz des Parketts einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Weil es Feuchtigkeit aufnehmen und bei trockener Luft wieder abgeben könne. Auch die Wärme im Raum wird durch Echtholz-Parkett gehalten. Und: Für Barfußläufer ist Holz angenehmer.

Kleben oder klicken?

Mit vollverklebtem Parkett sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Unzählige Muster sind denkbar, Fischgrat, Kassetten oder Rauten. Zudem können beim Kleben unterschiedliche Holzarten kombiniert werden. Ein weitere Vorteil: Der Trittschall ist deutlich vermindert, weil sich der Boden nicht in Schwingungen versetzen lässt. Nachteil: Der Untergrund muss vor dem vollflächigen Verkleben intensiver vorbereitet werden und das Verkleben ist anspruchsvoller. Wer handwerklich nicht so geschickt ist, kommt ohne den Einsatz von Fachleuten nicht aus, was die Kosten erhöht. „Das Klicken bringt eine einfachere Verlegung speziell für den Do-it-yourself-Handwerker“, sagt Michael Schmid. Und: Der Boden könne leicht zurückgebaut und bei Bedarf auch in einer neuen Wohnung wieder verlegt werden.

Die Preise

„Die Frage nach dem Preis ist nicht einfach zu beantworten“, sagt Schmid. Generell aber gelte: Die Spanne sei enorm. Mosaikparkett, unverlegt und unbehandelt, gebe es bereits für 25 Euro pro Quadratmeter. Bei Sonderposten oder Überproduktionen können Kunden im Internet auch Klick-Parkett für etwa 11 Euro pro Quadratmeter finden. Am oberen Ende der Skala könne ein Quadratmeter Boden aber auch 500 Euro kosten. Dieser Super-Luxus-Belag werde aus alten Weinfässern gefertigt.