Wenn ein Wittgensteiner in die Wüste geschickt wird

Der Schauspieler August Wittgenstein fällt im TV-Drama "Wüstenherz - der Trip meines Lebens" positiv auf.
Der Schauspieler August Wittgenstein fällt im TV-Drama "Wüstenherz - der Trip meines Lebens" positiv auf.
Foto: Sat1
Der Schauspieler August Wittgenstein gilt als aufstrebendes Talent unter den deutschen Filmschauspielern. In unserem Gespräch schwärmt er von den Dreharbeiten zu „Wüstenherz“, der am Dienstag auf Sat.1 zu sehen ist. Ansonsten pirscht sich der Jäger aus Siegen an Hollywood heran.

Berlin.. Er hat seinen Namen verkürzt. August Wittgenstein. Das klingt bescheiden. Dabei könnte der 32-Jährige protzen. Sein korrekter Name nämlich lautet August-Frederik zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, mithin alter Adel. Doch der Schauspieler hat spätestens bei seiner Ausbildung in den USA gelernt: Namen zählen nichts, Leistung ist alles. August Wittgenstein gilt als aufstrebendes Talent. Am Dienstag ist er um 20.15 Uhr bei Sat.1 in einer Hauptrolle zu sehen: In „Wüstenherz – der Trip meines Lebens“ macht er laut Untertitel eine „Grenzerfahrung in der heißen Hölle“.

Wittgenstein mimt einen staubigen Abenteurer, der einen Wüstentrip mit einer zartgliedrigen Lebensmittelchemikerin (Jennifer Ulrich) buchstäblich in den Sand setzt. Beide kämpfen sich mit letzter Kraft in die Zivilisation zurück, allen Gefahren zum Trotz. Das klingt nach Fernwehschnulze, und so ist es auch. Aber der Braunhaarige mit den blaugrünen Augen fällt positiv auf.

Zum Akku-Laden ins Siegerland

An den Dreh in Marokko erinnert sich der Jungschauspieler gern: „Wir waren vier Wochen da, es war unglaublich heiß, und die Tage waren unglaublich lang.“ Wittgensteins Bariton hat einen leicht schwärmerischen Unterton, wenn er davon erzählt. „Es war so intensiv, dass das Team immer noch Kontakt hat.“

Erinnerungen. Jetzt ist der gebürtige Siegener in Berlin, genauer gesagt: Berlin-Mitte. Der Junge vom Lande liebt die Metropole. „Seit Frühjahr 2011 lebe ich dort“, erzählt Wittgenstein, „Berlin ist so international, es gibt so viel Kunst und Musik, fast ein Überangebot.“

Wenn der Akku leer ist, zieht es Wittgenstein zurück in die ländliche Heimat im Süden Westfalens. Er könnte sagen: zurück ins Wittgensteiner Land, wie der Landstrich rund um Bad Berleburg korrekt heißt. Stattdessen spricht er bescheiden vom Siegerland.

Bescheiden heißt bei Wittgenstein jedoch keinesfalls zögerlich. Er wusste früh, was er wollte. „Schauspiel hat mich seit der Grundschule fasziniert“, erzählt er, der das dritte von vier Kindern ist. Und nach dem Abi wurde ihm schnell klar, dass Theater, Film und Fernsehen seine Welt sind. Es war dem Fan von Peter Sellers und Meryl Streep schnell klar, dass er daheim Überzeugungsarbeit würde leisten müssen: „In meiner Familie gab’s bisher keine professionellen Schauspieler.“ Nach einer Schrecksekunde machten Mutter und Vater gute Miene zum bösen Spiel: „Sie haben mich in meiner Wahl immer unterstützt“, betont der Mime, „sie meinten aber auch, ich solle erst mal was Ordentliches studieren.“ Das hat er getan: Er hat einen Bachelor-Abschluss in Geschichte der renommierten Georgetown University in Washington, D.C.

Nebenrolle in „Illuminati“

Er selbst würde aber lieber Geschichte machen als darüber schreiben. Wittgenstein hütet sich, das auszusprechen. Ein Blick auf seine klar international ausgerichtete Internetseite verrät, dass der Mann vielfältig einsetzbar ist. Deutsch und Schwedisch sind seine Muttersprachen, Englisch spricht er fließend, bei Französisch hat er Grundkenntnisse. Der 1,85-Meter-Mann ist obendrein sportlich, in vielen Disziplinen, auch Poker zählt er dazu. Keine Frage, der Mann kann was. Keine Frage auch, der Mann hat Ambitionen. Ist Hollywood eine Option?

Natürlich streitet Wittgenstein ab, die ganz große Karriere zu planen. Dennoch lässt er beiläufig fallen, eine Nebenrolle in Tom Hanks Mysteryklassiker „Illuminati“ gespielt zu haben, und an der Seite von Robin Wright hat er auch schon gearbeitet. Jagdschein-Inhaber Wittgenstein pirscht sich vorsichtig an sein Ziel heran. Denn er weiß: „Als deutscher Schauspieler ist es falsch, einen Wohnsitz in Hollywood zu nehmen und auf Rollen zu warten. Nach Hollywood muss man gebeten werden.“

 
 

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