Veröffentlicht inPanorama

Wegen Trump – Frank Farian erwägt Abschied aus den USA

1491E200B5E2B093.jpg
1491E200B5E2B093.jpg Foto: dpa
Frank Farian gehört bis heute mit Bands wie Boney M. zu den erfolgreichsten Produzenten. Jetzt wird der polarisierende Musiker 75.

Washington. 

Deutschlands erfolgreichster Pop-Handwerker lebt im warmen Exil von Miami. Sollte Donald Trump Präsident in Amerika werden, zieht Frank Farian Republikflucht in Betracht. „Das ist kein Politiker mit Weitsicht und Fingerspitzengefühl“, sagte der Erfinder von Boney M. und Milli Vanilli dieser Redaktion, „kann sein, dass ich dann von Florida in die Karibik auswandere.“ In Havanna würde der Mann, der auf weltweit über 800 Millionen verkaufte Tonträger und mindestens einen Jahrhundertskandal verweisen kann, „ein Daddy Cool-Café eröffnen“. Vorher wird im Familienkreis gefeiert.

Der gelernte Koch, der in den Wirtschaftswunderjahren in einem Restaurant auch für Kanzler Adenauer brutzelte, bevor er den Herd gegen die Hitmaschine eintauschte, muss jeden Tag früh um sieben raus. Ins Studio. Ans Mischpult. Musik machen. „Ich kann ja außer kochen nichts anderes“, sagt Frank Farian. Am Montag wird er 75. Jedenfalls laut Personalausweis. Dass er sich entschieden jünger fühlt („Ich habe gute Gene“), bleibt am Telefon nicht verborgen. Sein Rezept: „Mindestens sieben Stunden Schlaf, wenig Alkohol, Drogen gar nicht. Und Spaß an der Arbeit.“ Sein neues „Baby“: Weltmusik als Weihnachtsalbum.

Neues Album unter dem Namen „Boney M.“

14 Melodien von den Anden bis nach Sibirien, einige 200 Jahre alt, neu vertextet, mit Gospelchor und Streichorchester. Und, Achtung, unter dem Namen „Boney M.“. Sein Goldesel, sein Zugpferd. „Es ist das erste Album unter diesem Namen seit 1985“, sagt Farian. Liz Mitchell, eine der Sängerinnen von damals, macht mit. „Und ich natürlich.“ Schon in den 70er-Jahren, als das Quartett den Disko-Olymp erklomm, lieh Farian Ohrwürmern wie „Ma Baker“, „Daddy Cool“ und „Sunny“ seine markante Stimme.

Zu Beginn seiner Karriere rockt er in kleinen Bands (Die Schatten), kann weder Noten lesen noch bemerkenswert Gitarre spielen. 1968 komponiert er „Dana, My Love“, ein Achtungserfolg. Acht Jahre später landet er mit dem sozialkritischen „Rocky“ einen Hit. Die eindeutig bessere Figur macht Farian am Mischpult. Hier rührt er den Soundbrei an, der später auf der ganzen Welt gelöffelt werden sollte. Produziert wird in Ortschaften wie Offenbach-Bieber und Rosbach. Ist der Song fertig, wird er in Farians Großdiskotheken im Saarland getestet. So erfährt er, dass die Leute auf „Daddy Cool“ abfahren. Mitte der 80er-Jahre setzt er allein mit Boney M. 100 Millionen Platten um. Farian gehört heute zu den zehn erfolgreichsten Produzenten der Erde. Zwei seiner Titel sind in der ewigen Bestsellerliste der britischen BBC unter den ersten 10. Die Beatles haben einen. Abba gar keinen.

Milli Vanilli wurde zur Lachnummer

Doch auch in seinem Musiker­leben gab es Niederlagen. Das von ihm in der künstlerischen Petrischale gezüchtete Duo Milli Vanilli wurde in den 80ern erst erfolgreich und dann zur Lachnummer. Robert Pilatus und Fabrice Morvan konnten nicht singen. Sie bewegten bei Hits wie „Girl You Know It’s True“ nur die Lippen. Farian hatte die echten Sänger als Konserve produziert. Für den Schwindel musste er einen Grammy zurückgeben und 400.000 Dollar an eine gemeinnützige Einrichtung überweisen. „Wir waren moderne Performer“, sagt er heute, „wir hätten das nur besser ausweisen müssen.“

Dass die Kritik ihn zeitlebens für künstlerisch minderwertig befunden hat, stört Farian nicht. „Die Welt liebt meine Musik, die Leute sind ja nicht blöd.“ So ähnlich wird es sich auch anhören, wenn Farians großer Traum Wirklichkeit wird: ein Hollywoodfilm über ihn und sein Leben. „Drei Drehbücher gibt es bereits.“ Hauptdarsteller noch keinen. Auch kein Problem. Zur Not spielt „Daddy Cool“ sich selbst.