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Warum Cornelia Froboess in ihrem Leben viel Glück hatte

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Simone Thomalla (l.) als Dorfhelferin Katja Baumann und Cornelia Froboess als Bäuerin Maria Sindlfinger in dem ZDF-"Herzkino"-Film "Frühling zu zweit" Honorarfrei - nur für diese Sendung bei Nennung ZDF und Jacqueline Krause-Burberg Foto: ZDF
Cornelia Froboess ist am Sonntag im ZDF-Herzkino zu sehen. Im Interview erzählt die 71-Jährige vom Dreh mit Simone Thomalla. Zudem kramt die ehemalige Grand-Prix-Teilnehmerin in Erinnerungen. Zu Andreas Kümmert hat sie auch eine Meinung.

Mainz/Dessau. 

Cornelia Froboess (71) ist ein Multi-Talent. Sie hatte Hits als Sängerin, Erfolge auf der Theater-Bühne, Kassen-Knüller im Kino und Quoten-Hits im Fernsehen. Jetzt ist die Schauspielerin an der Seite von Simone Thomalla in der ZDF-Reihe „Frühling“ (Sonntag, 20.15 Uhr) zu sehen.

Sie sind in der ZDF-Reihe „Frühling“ zu sehen, und da kann ich an einem kleinen Kalauer nicht vorbeigehen. Hatten Sie dieser Tage schon Frühlingsgefühle?

Cornelia Froboess: Ich bin derzeit beim Weill-Fest; ich bin Artist in Residence in Dessau. Ganz in der Nähe ist Wörlitz mit seinen unbeschreiblichen Gärten und Schlössern, und da habe ich einen ausgiebigen Spaziergang gemacht. Ja, da gab es schon Frühlingsgefühle.

Sie spielen in dem Film „Frühling zu zweit“ eine Bäuerin mit einer schwierigen Familien-Geschichte. Was gefällt Ihnen an dieser Rolle?

Froboess: Ich würde sagen: Die Rolle war schon ziemlich extrem. Diese Frau ist eine armselige, verbitterte und sture Person. Sie hat eine fixe Idee, nämlich dass ihr Sohn gar nicht gestorben ist, sondern noch lebt. Sie versucht, eine große Schuld-Last von sich zu schieben. Sie hatte sich von ihm im Streit verabschiedet, als er mit seiner Freundin wegfuhr. Sie hatte ihm gesagt, wenn Du fährst, brauchst Du nicht mehr wiederkommen. Damit konnte sie nicht leben. Ich habe mir das Verhalten von einem gut befreundeten Psychiater erklären lassen: Das gibt es.

Was macht die Bäuerin?

Froboess: Alljährlich, wenn sie Geburtstag hat, verwüstet sie ihren Hof. Falls er kommt, soll er merken, dass sie nicht alleine leben kann. Die Sozialarbeiterin – Frau Thomalla – zeigt ihr, dass die Realität ganz anders aussieht.

Das hat sie gereizt: Ihre Figur ist ziemlich komplex – komplexer, als man bei Heimatfilmen vermutet.

Froboess: Nee, das ist kein Heimatfilm, und es ist auch keiner geworden. Ich wusste gar nicht, dass es von der Reihe schon Folgen gab. Ich bin in die Dreharbeiten wunderbar unschuldig hineingeschlittert. Mich interessieren auch Zuschauer-Zahlen nicht – mich interessiert nur die Geschichte. Und die war für mich reizvoll. Das war ein tolles Arbeiten in Bayrischzell. Ich habe mich mit meiner Rolle, der Bäuerin, wunderbar identifizieren können.

Aber die Rolle war für Sie kein schweres Gepäck. Haben Sie die Rolle abends an den Haken gehängt?

Froboess: Ja, das kann ich. Das machen auch beim Theater-Spielen so. Wenn ich wegfahre, habe ich mit der Bühne nichts mehr zu tun.

Sind Sie nach dem Dreh nach Hause gefahren?

Froboess: Nein, ich blieb am Ort, schön alleine und in Klausur. Vor dem nächsten Dreh muss man schön Schularbeiten machen.

Es war kein Urlaub.

Froboess: Bis spät in der Nacht saß ich über dem Drehbuch.

Wie war die Atmosphäre am Set?

Froboess: Ausgezeichnet! Wir hatten ein tolles Team. Sehr, sehr erfreulich war die Partnerschaft mit Simone Thomalla. Das ist eine sehr handfeste, bodenständige Figur: Wir haben viel gelacht. Und dann sind wir beide Berlinerinnen…

Sie selbst hat’s ja privat aufs Land verschlagen. Vermissen Sie die Großstadt?

ARDFroboess: Nee, ich bin ja jeden Tag in München, ich spiele am Resi. Na, und abends ist es dann himmlisch, aus der Stadt rauszufahren.

Wie sieht’s mit Ihrer Heimatstadt Berlin aus?

Froboess: Auch da bin ich noch sehr oft. Ich habe drei Jahre hintereinander am Berliner Ensemble gespielt. Weil ich jeden Monat drei, vier Tage in Berlin war, bin ich der Stadt wieder sehr, sehr nahe gekommen. Ich brauche die Berliner Luft – das ist eben die Heimat.

Sie haben eine Karriere hingelegt, die schon seit Jahrzehnten andauert. Sind Sie ein Glückskind?

Froboess: Das werde ich wohl sein. Mein Lebensweg – das kann man sagen – ist doch sehr glücklich verlaufen. Ich habe viel Glück gehabt in der Begegnung mit Menschen, die dann Freunde wurden oder doch zumindest Berater. Ich hatte immer wunderbare Leute um mich herum – Leute, die mir Rollen zugetraut haben, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Ich bin auch schauspielerisch nie festgelegt worden. Ich hatte auch niemals Rollenwünsche. Ich habe mir gesagt, es ist besser, wenn sich andere etwas von mir wünschen.

Hat das etwas mit Ihrer Art zu tun?

Froboess: Na ja, wenn man sich selbst öffnet, macht man es anderen leichter, zu einem zu kommen. Wenn man sich verschließt, gibt’s nichts. Und dann kommen schon die Richtigen.

Sie haben am Anfang Ihrer Karriere viel gesungen – bis sie sich davon verabschiedet haben. Warum?

Froboess: Es ging nicht abrupt, sondern peu à peu. Ich hatte damals mein erstes Theater-Engagement in Salzburg und hatte endlich mal mit Gleichaltrigen zu tun. Vorher war ich solistisch hauptsächlich mit älteren Leuten zusammen. Ich habe mich immer danach gesehnt, eine von vielen zu sein, in einem Team zu arbeiten. Im Theater ist das so. Im Theater fängt jeder bei null an, und gemeinsam entwickelt man was. Das führt zu einem tollen Gefühl der Geborgenheit. Ich habe nebenher zwar noch Filme gemacht, mit Peter Alexander beispielsweise, und ich habe auch noch ein bisschen gesungen, aber das Theater hat mir gezeigt, dass ich einen Riesen-Nachholbedarf hatte, Literatur kennenzulernen, sich damit zu beschäftigen. Das war mein Leben, und letztlich war das meine Berufswahl.

Und das Singen?

Froboess: Das war heiter und schön und lustig. Aber ein Beruf war das für mich nie.

Können Sie sich an Ihre Teilnahme am ESC erinnern, der damals noch Grand Prix hieß?

Froboess: Ja, natürlich.

Was ist hängengeblieben?

Froboess: Ich habe mich in Wettbewerbsgeschichten nie wohl gefühlt. Es ist etwas anderes, als wenn man vor Leuten steht, die extra meinetwegen gekommen sind. Konkurrenz hat mir überhaupt nicht behagt. Deshalb verstehe ich auch den Gewinner des Vorentscheids, den Andreas Kümmert. Irgendwann ist ihm bewusst geworden, dass er bei einer derartigen Veranstaltung nicht mitmachen kann. Das war furchtbar, und ich bin auch ziemlich entsetzt gewesen – er hätte es machen müssen, er war grandios. Aber verstehen kann ich’s.