Von Affen aufgezogen? Mädchen aus Dschungel gibt indischen Behörden Rätsel auf

Als Polizisten ein junges Mädchen in Indien retten und ins Krankenhaus bringen wollten, verteidigte eine Affenfamilie das Kind, als sei es ihr Artgenosse, berichten die indischen Behörden (Symbolfoto).
Als Polizisten ein junges Mädchen in Indien retten und ins Krankenhaus bringen wollten, verteidigte eine Affenfamilie das Kind, als sei es ihr Artgenosse, berichten die indischen Behörden (Symbolfoto).
Foto: imago stock&people / imago/imagebroker
  • Holzfäller finden im Norden Indiens ein Mädchen in einem Wald
  • Es ist völlig nackt und spielt mit einer Horde Affen, als sei sie ein Artgenosse
  • Das Mädchen stellt Polizei und Ärzte vor ein Rätsel

Neu Delhi.  Es ist eine Geschichte, die Rätsel aufgibt: Hat ein Mädchen in Nordindien jahrelang ohne Kontakt zu Menschen im Dschungel gelebt? Diesen Verdacht hegten jedenfalls indische Behörden. Polizisten hatten das unterernährte Mädchen in ein Krankenhaus gebracht, nachdem Holzfäller das Kind entdeckt hatten, berichtet unter anderem die „Washington Post“.

Das Mädchen sei Polizeiangaben zufolge völlig nackt gewesen und habe mit den Affen gespielt, als sei sie ein Artgenosse, heißt es in dem Bericht. Als sich die Polizisten dem Mädchen erstmals näherten, hätten die Affen das Mädchen umstellt und die Beamten angegriffen, um es zu schützen.

Mädchen bewegte sich wie ein Tier

Die indischen Behörden gingen zunächst davon aus, dass das etwa acht bis zwölf Jahre alte Mädchen seit dem Kleinkindalter von den Affen großgezogen worden sein könnte. Darauf habe ihr Verhalten hingedeutet: Obwohl sie durchaus in der Lage sei, auf zwei Beinen zu laufen, habe sie sich häufig einfach auf alle Viere fallen lassen.

Die Art ihrer Bewegungen und ihr Essverhalten seien die eines Tieres, beschrieb einer der Ärzte, der das Mädchen behandelt. „Sie wirft das Essen auf den Boden und isst es direkt mit dem Mund, ohne es mit den Händen aufzunehmen. Um sich fortzubewegen, nutz sie meist nur ihre Ellbogen und ihre Knie“, zitierte die „Washington Post“ den Mediziner.

Vermeintliches Affen-Mädchen soll menschliches Verhalten lernen

Etwas mehr als zwei Monate sei es nun her, dass das Mädchen aus dem Dschungel gerettet wurde. Seither versuchen die Ärzte im Krankenhaus, ihr menschliches Verhalten beizubringen. Das sei jedoch gar nicht so einfach, weil sie eine Aversion gegen menschliche Interaktion hege.

„Sie verhält sich wie ein Affe und schreit laut, wenn Ärzte versuchen, sich ihr zu nähern“, schildert der Arzt Eindrücke aus der Anfangszeit auch der indischen Zeitung „The New Indian Express“. Anfangs habe sie nichts verstanden und lediglich affenmäßige Geräusche und Gesichtsausdrücke gemacht.

Polizei recherchiert in alten Vermissten-Akten

Doch seither mache das Mädchen Fortschritte, wenn auch langsam. Es gehe ihr gesundheitlich besser und sie habe angefangen, mit Gesten zu kommunizieren. Manchmal lächele sie.

Die Polizei versucht nun, herauszufinden, wer das Mädchen ist. Dazu würden Akten von alten Vermisstenfällen untersucht. Sollte sich keine Angehörigen finden, muss das Mädchen wohl in ein Waisenhaus ziehen.

Ein Polizist widerspricht den Behördenangaben

Absolut seltsam an der Geschichte: Obwohl es laut Polizeiangaben heißt, das Mädchen sei nackt gewesen, als sie gefunden worden sei, berichtet ein Polizist etwas völlig gegenteiliges: „Sie trug Kleidung, die nicht besonders dreckig war. Es sah so aus, als hätte ihre Familie sie ausgesetzt“, zitiert die „Daily Mail“ den Beamten.

Die „Washington Post“ verweist in ihrem Bericht auf mehrere ähnliche Fälle – Legenden und dokumentierte echte Fälle –, in denen Kinder offenbar längere Zeit mit Tieren zusammenlebten. Dabei handle es sich aber nicht um romantische „Dschungelbuch“-Geschichten. Vielmehr seien erschütternde Fälle von Vernachlässigung und Misshandlung der wahre Hintergrund.

Ähnliche Fälle entpuppten sich häufig als zweifelhaft

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt in ihrem Bericht über den Fall des Mädchens, dass sich ähnliche Fälle meist als zweifelhaft entpuppten. Demnach stelle sich häufig heraus, dass Kinder die Geschichten selbst erfunden, Familien ihre Kinder erst kurz vor dem Fund ausgesetzt hätten oder die Kinder an Entwicklungsstörungen oder Behinderungen litten. (jkali)