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Wissenschaft: Mischwesen aus Mensch und Affe gezüchtet – Forscher spricht von „Horrorszenarien“

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Wissenschaft: Forscher züchteten erstmals ein derartiges Mischwesen aus Mensch und Affe. (Symbolbild) Foto: IMAGO / Cavan Images

Auch wenn Menschen und Affen genetisch nahe beieinander liegen, so ist ein Mischwesen aus beiden kaum vorstellbar – auch nicht in der Wissenschaft.

Doch Forscher haben jetzt genau das gemacht: Sie haben ein solches Mischwesen gezüchtet. Die Studie soll die Wissenschaft entscheidend voranbringen. Was wollen die Forscher bewirken?

Wissenschaft: Forscher züchten Mischwesen aus Mensch und Affe

Der spanische Stammzellforscher Juan Carlos Izpisua Belmonte hat gemeinsam mit seinem Team menschliche Stammzellen in Embryonen von Makaken, eine Affenart, gespritzt. Daraus entstand ein Mischwesen, eine sogenannte Chimäre, das tatsächlich fast drei Wochen in der Kulturschale lebte. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

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Izpisua Belmonte züchtete zunächst Embryonen von Javaner-Affen in der Kulturschale und pflanzten diesen dann nach sechs Tagen extrem wandlungsfähige menschliche Stammzellen ein. Es entstanden 132 Affe-Mensch-Chimären. Nach zehn Tagen lebten noch 103 von ihnen, nach 19 Tagen waren es noch drei. Es zeigte sich, dass die menschlichen Zellen einen großen Beitrag zur Entwicklung der Mischwesen leisteten. Zudem beeinflussten Affen- und Menschenzellen einander gegenseitig.

Es ist das erste Mal, dass Tier-Mensch-Embryonen so lange in der Kulturschale überlebt haben. Zuvor hatte es Versuche von Mischungen zwischen Mensch und Schwein sowie Mensch und Maus gegeben, welche gescheitert waren. Aus den Mischwesen aus Mensch und Affe könnten möglicherweise also eigenständige Lebenwesen entstehen, würden man sie einer menschlichen oder tierischen Leihmutter einpflanzen.

Mensch-Affe-Mischwesen: Wissenschaft steht Ethikfragen gegenüber

Doch die Entwicklung einer Chimäre von Mensch und Affe habe Izpisua Belmonte keineswegs vor. Auch hätten Ethikkommissionen seine Experimente zuvor begutachtet. „Es ist unsere Verantwortung als Wissenschaftler, unsere Forschung gut zu durchdenken und allen ethischen, rechtlichen und sozialen Richtlinien zu folgen“, sagt der Forscher. Ziel seiner Experimente sei es hingegen, die Embryonalentwicklung besser zu verstehen.

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Forscher über Mischwesen: „Horrorszenarien“

Stefan Schlatt, der Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster, spricht indes von einem „Durchbruch in der Chimärenforschung“. Er verteidigt die Versuche trotz der „Horrorszenarien“, die sich daraus erdenken lassen. Ein weiterer Befürworter der Mensch-Affe-Versuche ist der Zellbiologe Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. „Arbeiten wie diese sind von praktischem und von grundsätzlichem biologischen Interesse“, so Schöler. Sie müssten selbstverständlich „unter dem strikten Vorbehalt stattfinden, dass keinesfalls die Geburt eines Mischwesens angestrebt wird“.

Die menschlichen Stammzellen würden sich in einem Affenembryo mutmaßlich zu Fehlbildungen entwickeln. „Die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Gehirn, das aus Zellen des Affen und des Menschen besteht, ein Organ mit unerwarteten neuen Eigenschaften entsteht, ist größer, als wenn menschliche Zellen in einem Gehirn des Schweins vorhanden wären“, erklärt Rüdiger Behr, Leiter der Abteilung Degenerative Erkrankungen am Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen. „Und niemand vermag die Eigenschaften eines solchen Lebewesens vorherzusagen.“

Mischwesen aus Mensch und Schwein besser bewertet

Ein Mischwesen aus Mensch und Schwein bringt Behrs Ansicht nach hingegen „gute Chancen, bei gleichzeitig sehr geringen Risiken, Organe für Transplantationen herzustellen.“ Ob die mögliche Rettung todkranker Menschen als Rechtfertigung für die Schaffung solcher Mischwesen ausreiche, bleibe dennoch eine offene Frage, sagt Behr.

Ethiker jedenfalls fordern, dass die Entscheidungsprozesse darüber endlich beginnen sollten. Michael Coors, Leiter des Instituts für Sozialethik am Ethikzentrum der Universität Zürich sagt, es bestehe „ein dringender rechtlicher Regelungsbedarf für diese Art der Forschung“. Dabei geht es vor allem um die Instrumentalisierung der verwendeten Tiere und „die potentiellen Leiden, die man diesen Chimären möglicherweise zufügen würde“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“. (nk)