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Forscher entdecken neues Risiko für tragische Volkskrankheit – jeder Zweite trägt es in sich

Forscher haben einen Durchbruch im Kampf gegen eine Volkskrankheit errungen. Menschen mit einem bestimmten Bakterium sind gefährdeter.

Forscher
u00a9 IMAGO/Zoonar

Alzheimer-Patienten finden in Dorf ihre Freiheit wieder

Unweit der südwestfranzösischen Kurstadt Dax haben im Juni Bewohner eine neu errichtete Siedlung bezogen. Alle 120 Menschen, die in der dorfartigen Struktur leben, sind an Alzheimer erkrankt. Im Rahmen der beschützenden Umgebung können sie ihr Leben weiter selbst bestimmen.

Ist das der Durchbruch in der Alzheimer-Forschung? Die tückische Krankheit gilt in Deutschland als Volkskrankheit, Ende 2021 (aktuellere Daten gibt es noch nicht) lebten fast 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Häufigste Ursache dafür ist Alzheimer.

Und laut Wissenschaftlern wird sich die Zahl der Erkrankungen in Deutschland in den nächsten 40 Jahren wohl verdreifachen. Zwar ist keine Heilung von Alzheimer in Sicht, doch Forscher haben einen weiteren Risikofaktor aufgespürt – und können so helfen, der schlimmen Krankheit vorzubeugen!

Forscher entdecken Ursache für tragische Volkskrankheit

Eine neue Studie im Fachmagazin „Alzheimer’s & Dementia: The Journal of the Alzheimer’s Association“ zeigt, dass auch ein bestimmtes Bakterium für die Entstehung von Alzheimer verantwortlich sein könnte. Forscher der Berliner Charité und der kanadischen McGill University analysierten Gesundheitsdaten von mehr als vier Millionen Menschen aus drei Jahrzehnten. Das Ergebnis: Eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori könnte das Risiko, an Alzheimer-Demenz zu erkranken, stark erhöhen.

Bei über 50-Jährigen kann das Risiko nach einer Infektion mit Symptomen demnach um durchschnittlich elf Prozent erhöht sein – zehn Jahre nach der Infektion sogar um 24 Prozent! Das Bakterium findet möglicherweise Wege ins Hirn, verursacht dort Entzündungen sowie Schäden an Nervenzellen. Professor Antonios Douros, einer der Hauptautoren der Studie, erklärt: „Für uns bekräftigt dieses Ergebnis die Annahme, dass eine Helicobacter-pylori-Infektion ein beeinflussbarer Risikofaktor für Alzheimer-Demenz sein könnte“.

Jeder Zweite trägt gefährliches Bakterium in sich

Douros macht aber auch klar, dass nicht jeder Mensch nach einer solchen Infektion automatisch an Alzheimer erkranke. Es sei lediglich ein erhöhtes Risiko festzustellen. Unklar ist auch, wie eine Bekämpfung des Bakteriums wie beispielsweise durch Antibiotika die Entwicklung von Alzheimer entwickeln könnte. Hier seien weitere Forschungen nötig.


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Fachleute gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Menschen den Magenkeim Helicobacter pylori in sich tragen. In Europa ist etwa jede dritte Person infiziert, meist geschieht dies im Kindesalter. Meist verläuft eine Infektion symptomlos, kann aber auch Entzündungen und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt hervorrufen. Erste Anzeichen für eine Infektion sind Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch und ein Völlegefühl.