Vera Tschechowa 75 – Die Frau mit den Katzenaugen

Von der Schauspielerei hat Vera Tschechowa sich schon in den 90ern verabschiedet. Ihren Geburtstag verbringt sie zurückgezogen mit ihrem Mann.
Von der Schauspielerei hat Vera Tschechowa sich schon in den 90ern verabschiedet. Ihren Geburtstag verbringt sie zurückgezogen mit ihrem Mann.
Foto: dpa
Vera Tschechowa bezirzte die Wirtschaftswunder-Jugend. Und nicht nur die: Selbst Elvis verfiel ihrem Charme. Jetzt wird die Schauspielerin 75.

Berlin.. Die Gäste lärmten, die Band spielte einen Foxtrott, und die Nacht wurde gekrönt mit dem Auftritt der mysteriösen Katzenfrau. „Da tanzt das Mädchen mit den Katzenaugen, drum nimm dein Herz in Acht heut Nacht!“, war die Hymne eines Etablissements, das „Rio Ritas Bar“ hieß und auf dem Gipfel der Verruchtheit schwankte.

Und das Mädchen mit den Katzenaugen, notdürftig verhüllt im knappen Pailletten-Kostüm, tanzte so wild, dass sich die schwitzenden Herren an den Tischen die Finger an den dicken Zigarren verbrannten, und die junge Republik hatten einen ihrer ersten großen Stars: Vera Tschechowa. Im Reeperbahn-Melodram „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ spielte sie 1958 ihre erste Hauptrolle, 18 Jahre war sie damals, und am heutigen Mittwoch feiert Vera Tschechowa also ihren 75. Geburtstag.

Elvis war Fan

Man lag ihr zu Füßen, in den 50ern, wo der Petticoat die neue Beschwingtheit signalisierte und ein Land das Wirtschaftswunder mit märchenhaften Träumen ausstaffierte. Ein wunderschönes Mädchen mit Schneewittchen-Haut und tiefgrünen Augen kam da wie gerufen. In den nächsten vier Jahren drehte Vera Tschechowa zehn Filme, bekam ein Kind, versuchte den Vater, den Schauspieler Hartmut Reck, per Gerichtsbeschluss zur Ehe zu zwingen und traf Elvis.

Der „King“ hatte sie im Kino gesehen. Einen Kurzurlaub von der Army nutzte der G.I. Elvis Presley, um seine Traumfrau von der hessischen Kaserne bis nach München zu verfolgen. Dort spielte Vera Tschechowa gerade in dem Boulevardstück „Der Verführer“. Als sich der Vorhang hob, war das Theater leer, bis auf Elvis und zwei seiner Freunde. Der „King“ hatte alle Karten für die Vorstellung gekauft, was der kleinen Vera so imponierte, dass sie den Schwarm aller Teenager ab und an begleitete und mit farbigen Fototerminen, beispielsweise in der „Eve Bar“, Gerüchte um eine heiße Affäre nährte.

Zur Verleihung des Deutschen Filmpreises für ihre Rolle in „Das Brot der frühen Jahre“ 1962 hatte Vera Tschechowa längst einen zweiten Wohnsitz in den Klatschspalten bezogen, und die Großmutter sah den Zeitpunkt zum Eingreifen gekommen: „Denke bloß nicht, du hättest schon was geleistet, und vergeude nicht dein Talent“, mahnte Olga Tschechowa, und wenn Olga Tschechowa was sagte, hatte das Gewicht.

Uralter Künstler-Adel durchzieht die Familie: Oma Olga der UfaStar, Mutter Ada eine bekannte Schauspielerin, und als Urgroßonkel der russischen Schriftsteller Anton Tschechow. Vera Tschechowa nahm sich die Warnung zu Herzen. Sie suchte sich die Rollen ein wenig sorgfältiger aus, ohne Ausflüge ins Banale wie den Edgar-Wallace-Schinken „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ oder Sittendramen wie „In Frankfurt sind die Nächte heiß“ gänzlich zu verschmähen.

Auszeichnung in Cannes

Statt Elvis nahm sie den Kollegen Vadim Glowna zum Mann und gründete mit ihm eine Filmproduktion mit anspruchsvollen Projekten wie „Desperado City“, wofür es 1981 eine Auszeichnung beim Filmfestival in Cannes gab. Nach mehr als zwei Jahrzehnten wurde die Ehe Anfang der 90er geschieden, Vadim Glowna starb 2012.

Von der Schauspielerei hat sich Vera Tschechowa schon in den Neunzigern verabschiedet. Schlechte Drehbücher, miserable Arbeitsbedingungen. Nur einmal kehrte sie zurück auf die Bühne, gemeinsam mit Christoph Maria Herbst für eine Lesung in Badenweiler anlässlich des 110. Todestags ihres Urgroßonkels Anton Tschechow. Ansonsten dreht sie TV-Porträts berühmter Zeitgenossen wie Vaclav Havel oder Klaus Maria Brandauer. Den runden Geburtstag feiert Vera mit ihrem zweiten Ehemann Peter Paschek ziemlich zurückgezogen und „ganz gemütlich mit einem schönen Abendessen und einem Gläschen Wein“ – weit weg von Rio Rita oder Elvis.

 
 

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