„Tote Mädchen lügen nicht“ hat keine offizielle Altersfreigabe

Die Schauspielerin Katherine Langford in der Rolle der Hannah Baker in einer Szene der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“.
Die Schauspielerin Katherine Langford in der Rolle der Hannah Baker in einer Szene der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“.
Foto: Beth Dubber / dpa
Die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ behandelt den Suizid einer Schülern. Das zieht viel Kritik nach sich. Folgen hat das aber nicht.

Berlin.  Für die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ gibt es in Deutschland keine offizielle Altersfreigabe. Der Hauptgrund dafür sei, dass es sich um einen Streaming-Anbieter handele, der im Ausland seinen Sitz habe, sagte Cornelia Holsten, Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM).

Aus Holstens Sicht wäre es am besten, Netflix würde sich der zuständigen Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) anschließen. „Dass Netflix den Sitz im Ausland hat, steht dem nicht entgegen.“

Detaillierte Darstellung eines Suizids

Die Serie thematisiert den Suizid einer Schülerin, dargestellt in 13 Folgen. Kritiker fürchten, die Figur habe für Teenager ein hohes Identifikationspotenzial und könnte suizidgefährdete Menschen dazu bringen, sie sich als Vorbild zu nehmen. Vor allem die Art, wie die Macher die Geschichte inszenieren und erzählen, lässt viele Mediziner Sturm laufen. Sie fürchten den sogenannten Werther-Effekt. Er beschreibt, dass dramatisierende, detaillierte oder heroisierende Darstellung von Selbsttötungen in den Medien suizidgefährdete Menschen dazu bringen können, Ähnliches zu tun.

„Das größte Problem ist die Darstellung des Suizids selbst“, sagt Ute Lewitzka von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Das Vorgehen der jungen Protagonistin wird sehr genau beschrieben. Der Tod werde zwar sehr brutal und nicht schön dargestellt, sagt Lewitzka. „Aber wir wissen: Je mehr von diesen Bildern gezeigt wird, desto größer ist das Potenzial, zum Nachahmen anzuregen.“

„Verantwortung liegt bei den Eltern“

Die Kommission für Jugendmedienschutz gibt die Verantwortung an die Eltern weiter. Netflix nutze bereits eine Kindersicherung, einen Pin, sagte die KJM-Vorsitzende Holsten. Insofern liege die Verantwortung in erster Linie bei den Eltern, die den Pin an ihre Kinder weitergeben.

„Ich halte es für wichtig, den Eltern zu sagen, wenn ihr das macht und eure Kinder sind noch jung, dann ist das so, wie dem Kind im Auto zu sagen „Du musst dich nicht anschnallen““, sagte Holsten. Das sei schlicht leichtsinnig. (dpa)

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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