Spanische Contergan-Opfer fordern Rente von Pharma-Konzern

Spanische Contergan-Opfer haben den deutschen Pharma-Konzern Grünenthal auf Wiedergutmachung in Höhe von insgesamt 204 Millionen Euro verklagt.
Spanische Contergan-Opfer haben den deutschen Pharma-Konzern Grünenthal auf Wiedergutmachung in Höhe von insgesamt 204 Millionen Euro verklagt.
Foto: dpa
Spanische Contergan-Opfer haben vom deutschen Pharma-Konzern Grünenthal vor Gericht Entschädigungen in Millionenhöhe verlangt. Bei einem am Montag eröffneten Prozess in der spanischen Hauptstadt Madrid forderten 180 Geschädigte insgesamt 204 Millionen Euro. Bislang hätten sie keine Hilfe erhalten.

Madrid/Aachen. Einige kamen auf Krücken in den Gerichtssaal, andere im Rollstuhl. Mehr als 50 Jahre nach dem Auffliegen des Contergan-Medikamentenskandals in Deutschland versuchen nun auch die spanischen Opfer eine hohe Entschädigung von dem deutschen Pharma­riesen Grünenthal zu erstreiten. Vor einem Gericht in der spanischen Hauptstadt Madrid begann ein Zivilprozess, in dem eine Wiedergutmachung von insgesamt 204 Millionen Euro für 180 Betroffene gefordert wird.

Der von dem Unternehmen Grünenthal aus Stollberg bei Aachen hergestellte Wirkstoff Thalidomid, der in Deutschland unter dem Markennamen Contergan als Beruhigungs- oder Schmerzmittel vertrieben worden war, konnte bei Einnahme in den frühen Schwangerschaftsmonaten schwere Fehlbildungen an den Föten und auch Totgeburten verursachen.

Keine Unterstützung für spanische Opfer

Während in vielen europäischen Ländern die Überlebenden des Arzneimittelskandals entschädigt wurden, kämpften die spanischen Opfer bisher vergeblich um eine Einigung mit dem Konzern.

Schätzungen des spanischen Betroffenenverbandes Avite zufolge wurden in Spanien etwa 3000 Kinder geboren, die durch das Medikament Missbildungen an Gliedmaßen und Organen erlitten hatten. Davon leben heute noch annähernd 300 Menschen.

„In anderen Ländern sind feste monatliche Renten für die Betroffenen festgesetzt worden“, sagt der 48-jährige Rafael Basterrechea, Vize-Präsident von Avite. „Und das brauchen wir auch. Denn wenn jemand ohne Arme oder Beine geboren wird, kann er nicht arbeiten und benötigt Hilfe für alle täglichen Dinge.“

Mittel war lange in Umlauf

Der Opferverband Avite wirft Grünenthal vor, das Medikament mit dem Wirkstoff Thalidomid, das in Spanien zum Beispiel unter dem Markennamen Softenon vertrieben wurde, nicht rechtzeitig zurückgezogen zu haben. In Deutschland waren die Thalidomid-Medikamente Ende 1961 vom Markt genommen worden. Nach Angaben von Grünenthal wurden die Produkte zeitgleich auch in Spanien zurückgerufen. Der Avite-Verband versucht jedoch mit Dokumenten nachzuweisen, dass die Mittel südlich der Pyrenäen noch bis 1965 im Umlauf waren.

Ein Vergleichsangebot Grünenthals hatten die Opfer abgelehnt. Die spanischen Betroffenen wollten genauso behandelt werden wie die deutschen Opfer. Und diese bekämen „seit dem Jahr 1971 eine Rente“, die heute mehr als 6000 Euro monatlich betragen kann.

 
 

EURE FAVORITEN