So wird im Fernsehen die Einschaltquote ermittelt

Witali Klitschko (lks.) gegen Albert Sosnowski in Gelsenkirchen: Klitschko-Kämpfe sind ein Quoten-Kracher für RTL.
Witali Klitschko (lks.) gegen Albert Sosnowski in Gelsenkirchen: Klitschko-Kämpfe sind ein Quoten-Kracher für RTL.
Foto: ddp/Clemens Bilan
Ob Gebührenfernsehen oder Privatsender: Publikumserfolg ist alles, was zählt. Doch warum ist die Zuschauerquote so wichtig? Wer zählt die Zuschauer? Und wie? Wir schlagen Schneisen in den Statistik-Dschungel.

Köln/Mainz.. Zur Quote drängt, an der Quote hängt doch alles. An Zuschauerzahl und Marktanteil wird gemessen, ob ein Programm erfolgreich war oder nicht. Das gilt für werbe- wie gebührenfinanziertes Fernsehen gleichermaßen. Doch wie werden die Zahlen erhoben?

Morgens um acht ist die Welt für ZDF-Intendant Thomas Bellut noch in Ordnung. Das ändert sich zuweilen schon eine Viertelstunde später. Dann erhält der oberste Mainzelmann, wie seine Branchenkollegen, die Quoten-Faxe der GfK Fernsehforschung aus Nürnberg. Das Unternehmen ermittelt den Publikumszuspruch von TV-Sendungen für die AGF, wie die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung kürzelt. Sie wird von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern gemeinsam betrieben. In den Gremien der AGF ist auch die Werbewirtschaft vertreten. Deshalb sind die Ergebnisse der AGF/GfK laut ARD-Vermarktungstochter AS&S „die allein gültige und von allen Marktpartnern anerkannte ,Währung’ in der quantitativen Zuschauerforschung“.

5100 repräsentative Haushalte

Die AGF/GfK befragt täglich 5100 Haushalte mit 11.500 Bewohnern ab drei Jahren nach ihrem Fernsehkonsum. Sie sind repräsentativ ausgewählt.

Die Zahlen lassen sich zuverlässig hochrechnen auf die Tops und Flops in den bundesweit 37,67 Millionen TV-Haushalten. Damit wird das Sehverhalten von 72 Millionen Zuschauern ab drei Jahren erfasst, EU-Ausländer inbegriffen. Doch wie werden die Zahlen erhoben?

Wer wann welche Sendung sieht, wird elektronisch sekundengenau erfasst. Das geschieht mit einem GfK-Meter genannten Messgerät, täglich rund um die Uhr. Seit 2010 ist die GfK per Auswertungssystem TV Scope gar in der Lage zu erfassen, ob Programme zeitversetzt gesehen werden und ob im Haushalt auch Gäste sind. Aber was müssen die Zuschauer machen, deren Nutzung erfasst wird?

Sie müssen sich beim Ein- und Ausschalten lediglich einen Knopf an ihrer Fernbedienung bedienen. Die Daten aus den erfassten Haushalten werden nachts an die GfK übermittelt und ausgewertet – nach Zielgruppen und Marktanteilen.

Ein fortwährender Drahtseil-Akt

Die Marktanteile beziehen sich auf die Summe aller Zuschauer, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ferngesehen haben. Erzielt eine Sendung wie die 20.15-Uhr-Serie „In aller Freundschaft“ der ARD mit sechs Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 20 Prozent, bedeutet das, dass zu dieser Zeit insgesamt 30 Millionen Menschen vor ihren Kisten gesessen haben.

Für die Öffentlich-Rechtlichen zählt erst das Gesamtpublikum, dann die Gruppe der unter 50-Jährigen, beim Privatfernsehen ist es anders rum. Das Programm der Privaten soll vornehmlich Junge locken – und damit Werbekunden. Dahinter steckt die Annahme, dass Zuschauer unter 50 besonders kauffreudig sind.

Aber auch ARD und ZDF brauchen die Quote. Sie müssen nachweisen, dass sie zurecht 7,53 Gebühren-Milliarden kassiert haben. Allerdings hat sich bereits vor Jahren eine Glaubwürdigkeitslücke aufgetan: Das Publikum von ARD und ZDF ist im Schnitt rund 60 Jahre alt. Ältere Gebührenzahler fühlen sich weitaus besser bedient als jüngere.

Dazu kommt für die Sender ein weiteres Problem. Masse ist nicht zwingend Klasse, und neben Großgruppen müssen ARD und ZDF auch Minderheiten erreichen, um ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Das zwingt die Anstalten zu einem fortwährenden Drahtseilakt. Doch davon ein anderes Mal.

 
 

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