So genial lässt das Miniatur Wunderland einen Fremdenhasser abblitzen

Die Hamburger Hafencity und andere Mini-Attraktionen des Miniatur Wunderlands in Hamburg konnten sich im Januar bedürftige Menschen umsonst ansehen. Diese Geste fanden offenbar nicht alle Hamburger lobenswert.
Die Hamburger Hafencity und andere Mini-Attraktionen des Miniatur Wunderlands in Hamburg konnten sich im Januar bedürftige Menschen umsonst ansehen. Diese Geste fanden offenbar nicht alle Hamburger lobenswert.
Foto: imago stock&people / imago/Eibner
  • Das Miniatur Wunderland in Hamburg ermöglichte Bedürftigen im Januar kostenlosen Eintritt
  • Weil auch Flüchtlinge das Angebot annahmen, bekamen die Betreiber nun einen Hass-Brief
  • Den wiederum veröffentlichten die Betreiber auf Facebook – und bekommen viel Zuspruch

Berlin.  Flüchtlinge sind in den Augen der besonders besorgten Bürger ja für sehr viel Unheil in der Welt verantwortlich. Manche glauben, sie würden „aufrechten Deutschen“ Arbeitsplätze wegnehmen, es gab sogar mal ein paar arme Seelen, die es tatsächlich für wahr hielten, dass Flüchtlinge irgendwo in Ostdeutschland Kinder essen würden – und Heinz-Günter aus Hamburg macht jetzt noch mal ein ganz neues Fass auf.

Denn Heinz-Günter mag offensichtlich Modelleisenbahnen, und da trifft es sich gut, dass in Hamburg die größte Modelleisenbahnanlage der Welt steht – im Miniatur Wunderland. Heinz-Günter ist da offenbar immer gerne hingegangen, bis jetzt. Und das, du ahnst es, hat mit Flüchtlingen zu tun.

Bedürftige Menschen hatten im Januar freien Eintritt

Denn die Betreiber des Miniaturparks haben im Januar eine, wie wir finden, großartige Aktion gestartet. Sie hieß „Kann ich mir nicht leisten“ und war nichts anderes als eine Einladung an bedürftige Menschen, die den ganzen Monat lang umsonst die Ausstellung besuchen durften.

Es kamen nach Angaben des Wunderlands 18.000 Besucher, die Betreiber fanden es „wunderbar“. Offenbar hat es auch den Gästen gefallen. Zumindest hatten die Chefs das Gefühl, dass man bei den Besuchern „pures Glück und Freude“ gespürt hat. Heinz-Günter aber fand das offenbar ganz, ganz schlimm.

Fremdenfeind wünscht eine „bombenlose Zeit“

Und das hat er den Betreibern nun mitgeteilt. In einem Brief. Mit der Betreffzeile „Syrier im Wunderland“. Heinz-Günter hält von Menschlichkeit und Nächstenliebe offenbar genauso wenig wie von Rechtschreibung.

Und Heinz-Günter teilt mit, dass er weder die „Politik von Merkel“ noch die „Wirtschaftsflüchtlinge“ noch die Januar-Aktion des Miniatur Wunderlands gut findet, um schließlich anzukündigen, dass er und „alle Freunde der Eisenbahn“ die Ausstellung nicht mehr besuchen werden.

Sein Schlusssatz: „Wir wünschen Ihnen eine Bombenlose [sic!] Zeit.“ Und als „Beweis“ schickt er zwei Zeitungsfotos mit, auf denen Menschen, die in Heinz-Günters Augen offenbar aussehen wie Flüchtlinge, die Miniaturwelt bestaunen.

Nun stellen sich zwei Fragen. Erstens: Was ist nur mit Heinz-Günter los? Und zweitens: Warum schreibt Heinz-Günter in dem Brief immer von „wir“? Uns würde es ehrlich gesagt wundern, wenn ein Mensch wie Heinz-Günter viele Freunde hätte.

• HIER geht es zum Facebook-Post des Miniatur Wunderlands

„Unangenehmes Telefonat“ mit Heinz-Günter

Glücklicherweise fanden die Betreiber des Miniatur Wunderlands diesen Brief genauso bescheuert wie wir. Erst dachten, sie sogar, dass das Ganze ein Fake sei. Doch nach einem Anruf bei Heinz-Günter war leider das Gegenteil der Fall. Sie schreiben, „leider“ sei es ein „ebenfalls unangenehmes Telefonat“ gewesen.

Also luden sie den Brief bei Facebook hoch, um eine Diskussion über die Heinz-Günters dieser Welt zu starten. Knapp zwei Tage ist das jetzt her – und 5000 Kommentare haben sich schon angesammelt, überwiegend lobende Kommentare.

Betreiber sprechen sich für Menschlichkeit aus

Denn die Botschaft der Betreiber – das sind Frederik Braun, Gerrit Braun und Stephan Hertz – ist genauso lobenswert wie wichtig. Ihr Anliegen: Der Post soll geteilt werden, damit „die vielen liebevollen und wunderbaren Menschen in Deutschland, die bisher nur zuschauen, uns helfen nun endlich LAUTER zu werden“.

Ein Statement gegen Hasskommentare im Netz, gegen Heinz-Günter und seinesgleichen. „Wo steuern wir hin, wenn eine Aktion wie unsere, bei einigen von Angst gesteuerten Menschen dazu führt, virtuell und per Post solche Hassbotschaften zu verbreiten?“, fragen die drei und fordern: „Lasst uns gemeinsam Haltung für eine Welt zeigen, die wieder die Menschlichkeit in den Vordergrund stellt.“

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

P.S.: Heinz-Günter, geh mit deiner Eisenbahn spielen!

 
 

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