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So finden Familien und Scheichs den richtigen Wohnwagen

On Tour für jeden Geldbeutel

Düsseldorf, 22.08.2013: Auf dem diesjährigen Caravan Salon ist für jeden Reisenden das passende Gefährt dabei. Doch die Branche hat Probleme.

Klein, kompakt und trotzdem unheimlich komfortabel: Neue Wohnwagen und Reisemobile sind schick und praktisch wie nie. Ein Modell für Familien gibt es ab 9500 Euro, ein echter Luxusliner kann bis zu 700.000 Euro kosten. Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf rollen knapp 2000 Wagen zum Schaulaufen an.

Düsseldorf. 

Campingurlaub – wahr gewordener Traum von Abenteuer und Freiheit auf Reisen. Auf Komfort muss trotz der Lässigkeit kein Camper verzichten. Die Wohnwagen und Reisemobile der neuen Generation sind vieles, aber keine Klapperkisten. Kompakte, luxuriöse und praktische Modelle werden ab Freitag, 31. August, beim „Caravan Salon“ in Düsseldorf vorgestellt.

Am Rande der Messe wird aber auch über nicht so schöne Entwicklungen zu sprechen sein: Die Kauflust der Kunden, vor allem in den südeuropäischen Ländern, hat nachgelassen. Die deutschen Hersteller haben reagiert und im ersten Halbjahr ihre Produktion gedrosselt. Knapp 17.000 Caravans wurden produziert, 25 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2012.

„Dieses Jahr werden in Europa wohl zum ersten Mal mehr Reisemobile verkauft werden als Caravans“, prognostiziert Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes. Knapp 23 000 Reisemobile haben die Fertigungsbänder bereits bis Ende Juni verlassen. Was es Neues gibt:

Für junge Familien 

Die kleinen Kompakten liegen im Trend. Sie sorgen mit dafür, dass es dem Reisemobilmarkt besser geht als dem Caravanmarkt. Klein und kompakt – damit ist so etwas gemeint wie der Club Joker von Westfalia (Bild oben). Ein Van, der seine 5,29 Meter Länge und 1,91 Meter Breite voll ausnutzt.

Dusche und Toilette teilen sich eine winzige Ecke, es gibt einen zweiflammigen Gaskocher, ein Hochdach für eine 1,30×2 Meter-Matratze, darunter zwei Sessel, die zu Kinderschlafplätzen ausgeklappt werden können. Selbst an Details wie Nachttischlampen ist gedacht. Unterm Strich ein Ferienzwerg für Familien, die mit überschaubarem Platz auskommen. Grundpreis für die 84-PS-Dieselversion: 52 900 Euro.

Für Anfänger

Wer den ersten Campingurlaub plant, sollte es nicht übertreiben. Heißt: Zunächst ohne eigenen Wagen reisen. „Einsteigern empfehle ich, einen Wagen zu mieten, um die neue Lebenssituation das erste Mal zu erleben“, sagt Hans-Karl Sternberg. Beraten lassen können sich Interessenten beispielsweise beim ADAC, der zudem Vermietungen für die unterschiedlichen Ansprüche koordiniert.

Für Sparfüchse

Wer auf den Geschmack gekommen ist und einen eigenen Camper kaufen möchte, einen Neuwagen, nichts Gebrauchtes, der bekommt einen Marken-Caravan für unter 10.000 Euro. Ein Beispiel ist der CaraOne 400 LK von Weinsberg, den es mit vier Schlafplätzen in der Grundausstattung für 9590 Euro gibt. Küche, Klo und Kuschelzone inklusive.

Für Traumtänzer

Der Caravisio von Knaus Tabbert ist zu schön, um wahr zu sein. Es gibt ihn, aber nur als Studie. Er wird in dieser Form wohl niemals auf die Straße geschickt. Tüftler aus der Branche haben an ihm ihre Visionen vom Wohnwagen der Zukunft ausprobiert. Herausgekommen ist ein Fahrzeug, das nicht weiter auffallen würde, wenn es im Hafen von Saint-Tropez in erster Reihe vor Anker gehen würde – derart stark erinnert es an eine Luxusyacht.

Und mit dem Innenleben kämen selbst verwöhnte Geschöpfe wie ein Roman Abramowitsch gut klar: Über das iPad lässt sich das Heck in eine Sonnenterrasse umdirigieren, die Eingangstür öffnet per Fingerscan, ein Beamer macht den Wagen zum Heimkino, bei dem die Filme sogar nach draußen übertragen werden können. Hochglanzarmaturen im Bad verschwinden in der Wand, Wasserstrahl und Temperatur lassen sich per Touchscreen steuern, das Bett ist eine Spiel. . . , Pardon, Liegewiese. Kosten: nicht bekannt (ist wohl auch besser so).

Für Scheichs. . . 

. . . oder andere reiselustige Menschen mit Koffern voller Geld. Viel Freude an Fahrstunden sollten sie mitbringen, denn diesen Luxus-Schlitten darf nur selbst lenken, wer einen Lastwagen-Führerschein besitzt.

Langweilig ist allein der Name, Vario Perfect 1100 SH. Alles andere ist die pure Pracht verteilt auf elf Metern Länge. 250 Jahre gereiftes Eichenholz trifft in dem rollenden Palast auf moderne Technik. Edelstahl und helles Leder, Induktionskochfeld, Bose-Entertainment-Anlage, Fußbodenheizung, Wasch- und Spülmaschine. Selbst Platz für eine Garage, in die ein Kleinstwagen passt, bleibt. Fehlt eigentlich nur noch ein Hallenbad…

Der Preis: 500- bis 700.000 Euro. Nach Auskunft von Vario-Projektleiter Heiko Hülsmann gibt es tatsächlich Menschen, Camper, die sich so etwas leisten können. 20 bis 25 Fahrzeuge dieser Art fertigt der Luxus-Mobil-Hersteller aus Bohmte in Niedersachsen pro Jahr.

Für Minimalisten

„Cowley“ heißt der flotte Bursche und ist bislang ein Unikat: Mini, die Marke mit dem Hang zum Szene-Auto, probiert jetzt auch Wohnwagen. Zwei Schlafplätze und im Heck Gaskocher und Kleinküche – so präsentiert sich das tropfenförmige Mini-Caravan-Modell. Ob es jemals auf den Markt kommt? Man weiß es nicht.

Die Messe Caravan Salon

Der Caravan Salon gilt als wichtigste Messe der Campingbranche. Er öffnet von Freitag, 30. August, bis Sonntag, 8. September 2013, täglich von 10 bis 18 Uhr in der Messe Düsseldorf. Der Eröffnungstag ist nur für Fachbesucher vorgesehen. Es werden 1800 Freizeit-Fahrzeuge ausgestellt. Tageskarten kosten 13 Euro. Tickets und Infos im Netz www.caravan-salon.de. Parallel läuft vom 6. bis 8. September die Outdoor-Messe TourNatur.