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Sex als Gegenleistung für Fahrstunden

Sex als Gegenleistung für Fahrstunden

Amsterdam. 

Fahrstunden gegen Sex ist keine Prostitution und in den Niederlanden zulässig: Das hat die Regierung erklärt, nachdem es offiziell Thema einer parlamentarischen Anfrage war. Auf fünf Seiten beantwortet Justizminister Ard van der Steur die Frage zu der seltsamen „Verkehrsregel“. Nach entsprechender Werbung von Fahrschulen hatte ein Abgeordneter der linkschristlichen Splitterpartei ChristenUnie nach der Haltung der Regierung gefragt. Unternehmen werben nach Berichten niederländischer Medien etwa mit „Ritje voor een Ritje“, was frei übersetzt „Fahrt für eine Nummer“ bedeutet.

Der Regierung gefällt der Unterricht gegen Naturalien nicht, erklärte der Justizminister, und das bekräftigt auch Infrastrukturministerin Melanie Schultz van Haegen. Das sei aber weder Prostitution noch illegal, solange die Initiative vom Fahrlehrer ausgehe und keine Minderjährigen beteiligt sind, heißt es in der Antwort. Beschwerden von Fahrschülern habe es bei einer groß angelegten Umfrage nicht gegeben.

Die niederländische Fahrschulverband erklärte, Betriebe mit solchen Praktiken seien nicht Mitglied des Verbands und ein Fall für die Steuerbehörden. Der Fahrlehrerverband Nordrhein mit Hauptsitz in Köln hat von den sexhungrigen Kollegen mit gelbem Kennzeichen aus den Medien erfahren. „Ich habe gedacht, ich sehe nicht richtig“, sagt Kurt Bartels, Vorsitzender des Verbands, unserer Redaktion. Fahrlehrer in NRW müssen aber keine Befürchtungen hegen, dass Fahrschülerinnen über die Grenze ausweichen, um mit Sex zahlen zu können: „Ein deutscher Fahrschüler darf in Holland gar nicht den Führerschein machen.“ Dafür muss er mindestens ein halbes Jahr dort gemeldet sein.

Eine Journalistin des niederländischen Infoportals „Fahrschule heute“ machte den Test und fragte an. „Ich bin ein guter Fahrlehrer“, sagte ein Fahrlehrer „habe aber zu wenig Zeit für eine Beziehung.“ Wenn sie bereits einen Führerschein habe, könne er ihr 100 Euro geben. Das Fazit der Undercover-Journalistin: „Wie bekommen wir die Fahrschulbranche aus diesem elenden Schlamassel wieder raus?“