Selbstmord-Spiel „Blue Whale“ soll sich auf WhatsApp unter Schülern verbreiten – das steckt wirklich dahinter

Der Blauwal dient als Symbol eines Selbstmord-Spiels, das sich angeblich derzeit in Deutschland unter Jugendlichen verbreitet.
Der Blauwal dient als Symbol eines Selbstmord-Spiels, das sich angeblich derzeit in Deutschland unter Jugendlichen verbreitet.
Foto: imago stock&people / imago/Nature Picture Library
  • In Deutschland soll sich die „Blue Whale“-Challenge immer weiter verbreiten und Jugendliche zum Suizid bringen
  • Doch stimmt das überhaupt?
  • Wir klären die wichtigsten Fragen

Berlin.  Ein gefährlicher Trend ist angeblich auf Deutschlands Schulhöfen angekommen: Bei der vor allem über WhatsApp verbreiteten „Blue Whale“-Challenge sollen Jugendliche mit Kettenbriefen in den Selbstmord getrieben werden. In Russland soll das Spiel sogar für den Tod von 130 Jugendlichen verantwortlich sein (dazu später mehr).

Die Gefahr sei sogar so groß, dass eine Schule in Zweibrücken nun im Auftrag der Polizei eine Warnung an Eltern herausgegeben hat, wie „Bild“ berichtet. „Die Polizeiinspektion hat uns gebeten, ihre Kinder vor einem in sozialen Netzwerken kursierenden Selbstmord-Spiel zu warnen, das derzeit per WhatsApp verbreitet wird und nachweislich an den Zweibrücker Grundschulen gelandet ist“, heißt es darin. „Das Spiel nennt sich „Blue Whale“ oder „Blauer Wal“.

Was es mit der „Blue Whale“-Challenge auf sich hat

Doch was steckt hinter der „Blue Whale“-Challenge? Sind die Berichte über die dadurch verursachten Selbstmorde tatsächlich echt? Oder sind sie reine Panikmache? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist die „Blue Whale“-Challenge?

Bei dem „Spiel“ erhalten Jugendliche eine Kettennachricht oder werden in eine Gruppe eingeladen. Darin werden ihnen 50 Aufgaben gestellt, die sie in den nächsten 50 Tagen lösen müssen. Das können Aufrufe zur Selbstverstümmelung oder zum Hören bestimmter Songs sein. Haben sie alle erfüllt, kriegen sie angeblich die letzte Aufgabe gestellt: sich das Leben zu nehmen.

Dass die Challenge „Blue Whale“ heißt, rührt daher, dass es wissenschaftliche Theorien darüber gibt, dass Wale sich extra an Strände spülen lassen, um Suizid zu begehen. Allerdings sind diese nicht bewiesen.

Woher kommt das angebliche Selbstmord-Spiel?

Erste Berichte über die „Blue Whale“-Challenge stammen aus Russland. So berichtete die Novaya Gazeta, 130 Jugendliche hätten sich wegen des Spiels in relativ kurzer Zeit das Leben genommen. Ob die „Blue Whale“-Challenge aber mit den Suiziden in Russland in Verbindung steht, ist nicht erwiesen, wie das Portal „Snopes“ berichtet. Ein eindeutiger Beweis fehle.

Viel mehr seien „Blue Whale“-Gruppen in Russland erst nach dem Suizid des russischen Teenagers Rina Palenkova entstanden, die vor ihrem Tod ein Selfie im Netz gepostet hatte. Ihr Gesicht wurde zur Bewegung der kultähnlichen Gruppierung, die fälschlicherweise behauptete, dass Palenkova Anhängerin gewesen wäre.

Handelt es sich bei der „Blue Whale“-Challenge um einen Hoax?

Als der Trend schien nach Europa überzuschwappen, gaben Polizei, Ministerien und andere Behörden in zahlreichen Staaten Warnungen heraus, wie das von der EU-Kommission ins Leben gerufene Portal „Better Internet for Kids“ berichtet. Einen Beweis für einen durch die „Blue Whale“-Szene ausgelösten Suizid gab es aber immer noch nicht.

Und trotzdem: Mit tausendfach in den sozialen Netzwerken geteilten Berichten sei eine regelrechte Hysterie entstanden, wie es weiter heißt.

„Better Internet for Kids“ berichtet unter Berufung auf das französische Institut für Internetsicherheit, dass depressive Jugendliche dadurch überhaupt erst zur Selbstverletzung ermutigt wurden. Erst danach scheint die „Blue Whale“-Challenge aber wirklich losgetreten worden zu sein, heißt es.

Aber auch in Frankreich habe es bislang keine Beweise für Selbstmorde gegeben, die in Verbindung mit der „Blue Whale“-Challenge stehen.

Wie sollten mit dem Trend umgegangen werden?

Das ist fraglich. Einerseits ist es gut, wenn etwa Eltern von Betroffenen über die Gefahren informiert sind. Anderseits besteht dadurch die Gefahr, dass sich der Trend weiter verbreitet und noch mehr Kinder und Jugendliche darauf aufmerksam werden.

Deshalb sollte Panikmache unbedingt vermieden werden, wozu auch die Polizei rät. „In Deutschland sind derzeit nur vereinzelte Fälle bekannt, bei denen die sogenannte #BlueWhaleChallenge angeblich Auslöser für Selbstverletzungen gewesen sein soll, schreibt die Polizei Oberbayern aktuell auf Facebook.

Hier gibt es Hilfe

Sollten Eltern Hinweise darauf haben, dass ihr Kind in einer „Blue Whale“-Gruppe ist, sollte professionelle Hilfe wie ein Therapeut in Anspruch genommen werden. Auch das Jugendtelefon (Tel.: 116 111) und das Elterntelefon (Tel.: 0800 111 0550) kann als erste Anlaufstelle dienen.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

 
 

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