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Schock für die Briten: Sie haben deutsche Gene

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Foto: WAZ FotoPool
Die Insel erfährt den größtmöglichen Schock. Eine Studie zeigt: Etwa jeder zweite Engländer ist deutschstämmig. Die Aufregung geht auf Erkenntnisse einer Londoner Forschergruppe zurück.

London. 

„Schock! Horror!“, dämmert es den Briten: „Wir sind verdeutscht“. Die Nachricht, dass rund die Hälfte aller Briten deutschstämmig ist, verhagelte den Inselbewohnern das Frühstück. „Das ist“, stand in der „Daily Mail“ zu lesen, „als ob nach zwei verlorenen Weltkriegen und einem Fußballweltcup die Deutschen den letzten Lacher haben.“ Und das Massenblatt „Sun“ komponierte umgehend einen „Deutsch-Test“ für seine Leser. Fazit: Wer Sonnenliegen mit Handtüchern reserviert, gerne ausrastet, wenn die Bahn mal zehn Minuten Verspätung hat, und auf FKK steht, an welchem Ort auch immer, müsse sich fragen lassen, ob er nicht besser in Berlin leben sollte. Dort, wo die Frauen ihre Achselhöhlen nicht rasieren und sich bevorzugt oben ohne zeigen.

Die Aufregung im Königreich geht auf eine Studie des University College London (UCL) zurück. Die UCL-Forscher hatten einen Abschnitt des Y-Chromosom entdeckt, der typisch für norddeutsche Männer ist. In Großbritannien ist dieses Chromosom am so genannten keltischen Rand – Schottland, Wales und Cornwall – kaum zu finden. Aber im Rest des Landes kommt es so oft vor, dass sich zweierlei sagen lässt: Rund die Hälfte aller Briten hat germanische Vorfahren. Und die genetische Kolonisierung des Königreichs fand im fünften und sechsten Jahrhundert statt, als die Römer abgezogen waren und Eroberer aus Dänemark und Friesland einfielen.

Die angelsächsische Invasion war zahlenmäßig gar nicht so groß. Über drei Jahrhunderte kamen zwischen 100 000 und 200 000 Angelsachsen. Die einheimische Bevölkerung umfasste rund zwei Millionen Menschen. Warum wurden die Ankömmlinge, die bestenfalls zehn Prozent der Bevölkerung darstellten, nicht in den Genpool aufgesogen? Der Grund war die soziale Überlegenheit der Einwanderer. „Die angelsächsische Elite“, so Professor Mark Thomas vom UCL, „konnte sich schnell etablieren, indem sie mehr Kinder hatte, die bis ins Erwachsenenalter überlebten – dank ihrer militärischen Macht und ihrer ökonomischen Möglichkeiten.“

Ein Gesetz aus dem 7. Jahrhundert, das „Law of Ine“, macht die soziale Stellung der Invasoren deutlich. Danach musste für die Tötung eines Angelsachsen ein fünffach höheres Blutgeld gezahlt werden als für den Totschlag eines Kelten. Zudem führten die Einwanderer ein striktes, der Apartheid ähnliches System ein, das die Ehe mit einheimischen Briten verbot. Die privilegierte Herrscherklasse verhinderte die Blutsmischung und konnte zugleich mehr Kinder zeugen und großziehen. Über die Jahrhunderte führte das zu einem „kulturell und genetisch germanisierten Land“, meint Thomas und dies reflektiere, „was wir heute sehen: eine Bevölkerung, die größtenteils germanischer Herkunft ist und eine prinzipiell germanische Sprache spricht“. Ha!, frohlockte da ein deutsches Nachrichtenmagazin: „Wer am meisten auf die Deutschen haut, war früher selbst ein Kraut.“

Aber so entsetzt über ihr Deutschtum sind die Briten eigentlich gar nicht. Vielleicht, sinniert Kolumnist Guy Walters, „rührt unsere Rivalität nicht von unseren Unterschieden, sondern Gemeinsamkeiten her“. Es wäre Zeit, „sich zu küssen und zu versöhnen“. Man habe ja „nicht mehr zu verlieren als unsere Sonnenliegen“.

Zusammen kommt
man auf vier WM-Titel

Auch die „Times“ sah die positive Seite der genetischen Verwandtschaft. Man müsse nicht mehr bedauern, dass die eigene Königsfamilie ein bisschen ausländisch sei. Und man könne zusammen mit den Deutschen insgesamt vier Fußball-Weltmeistertitel reklamieren. Nur eine Frage stände in krassem Gegensatz zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen: „Warum können wir keine Elfmeter schießen?“