Schmuck mit Käfern ist in Mexiko ein Hit

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Juweliere aus Yucatán haben eine Tradition ihrer indianischen Maya-Vorfahren wiederbelebt. Selbst Jackie Kennedy soll ein solches Schmuck-Accessoire aus einem lebenden Insekt besessen haben. Die Designer in der Stadt Mérida verwenden für ihre krabbelnde Kunst die Maquech-Käfer, die in Yucatán heimisch sind

Mexiko Stadt.. Mexiko ist für manch bizarre Idee berüchtigt, wenn es um krabbelnde und hüpfende Kleinsttiere geht. Die Mexikaner stecken Würmer in Schnäpse oder schmeißen sie auf heiße Platten, um sie schön kross zu verspeisen. Und Heuschrecken werden gerne lebend gegessen – mit Chilipulver gewürzt und Limonensaft beträufelt.

Da verwundert folgende Nachricht auch nicht wirklich, die aus der Halbinsel Yucatán in den Rest der Welt dringt. Dort haben mexikanische Juweliere eine Tradition ihrer indianischen Maya-Vorfahren wiederbelebt. Sie fertigen Schmuck nicht aus Tieren, sondern mit Tierchen: Kleine Broschen aus Gold- oder Diamant mit besetzten Käfern. Was für die einen extrem ekelig ist, finden andere absolut edel und hipp. Zumal behauptet wird, selbst Jackie Kennedy habe ein solches Schmuck-Accessoire aus einem lebenden Insekt besessen, als sie First Lady in den USA war.

Die Designer in der Stadt Mérida verwenden für ihre krabbelnde Kunst die Maquech-Käfer, die in Yucatán heimisch sind. Das Tier wird maximal 4 Zentimeter lang, ist aschfarben und trägt schwarze Punkte auf dem Panzer. Der Maquech-Käfer hat zwei kleine Antennen auf dem Kopf und zwei Vorder- und vier Hinterfüße. Er liebt es eigentlich feucht und ernährt sich von fauligem Holz. Bei guter Pflege kann der Käfer bis zu vier Jahre alt werden.

Der Panzer wird mit Juwelen besetzt

Vor allem seine äußeren Eigenschaften sollen ihn zum perfekten Design-Käfer machen. Der Panzer wird ganz nach alter Maya-Tradition mit Juwelen und minimalen Goldkettchen besetzt. Manchmal wird das Tier in einen Käfig aus Edelmetall, gerne auch Gold, gesperrt und als Brosche getragen. Der Maquech wird dann mit einer Sicherheitsnadel an der Kleidung befestigt. Die Tradition verpflichtet dazu, den Käfer nah am Herzen zu tragen.

Denn die extravagante Schmuckidee geht auf die Maya-Legende „Die Prinzessin und der Käfer“ zurück. Diese will, dass die schöne Königstochter Cuzán sich eines Tages in den Jüngling Chalpol verliebte. Dieser war aber ein ganz ordinärer Maya, und Cuzán war längst dem Prinzen Ek Chapat versprochen. Als der König von der Liebe seiner Tochter hörte, wollte er Chalpol hinrichten lassen. Daraufhin erschien der unglücklich verliebten Tochter ein Schamane, der den schönen Chalpol in einen Maquech-Käfer verwünschte. Die besten Juweliere des Maya-Reiches schmückten diesen mit Juwelen und legten ihm an einen seiner Füße gar ein Goldkettchen an. Die Prinzessin befestigte den Käfer mit einer Art Sicherheitsnadel nah am Herzen: „Maquech, höre meinen Herzschlag, in diesem wirst Du auf ewig lebendig sein“, soll Cuzán ihm zugeflüstert haben

Doch die Gegenwart kennt Tierschutzorganisationen und denen gefällt diese Art von Juwelierkunst überhaupt nicht. Es ist auch nicht wirklich anzunehmen, dass die Maquech-Krabbler sich mit ihrem Schmuck- Ballast und in ihren goldenen Käfigen sonderlich wohlfühlen.

Krankheitsüberträgerin der Brosche

Vor einiger Zeit übrigens wurde eine Frau an der US-mexikanischen Grenze gestoppt, die eine solche Insekten-Brosche aus Gold trug. Die Grenzgängerin wollte den wertvollen Sechsfüßler regelgerecht anmelden. Die Beamten wälzten die Zollbestimmungen und kamen dann zu dem Ergebnis: Der Käfer und ihre Trägerin dürften nicht einreisen. Da es sich bei dem Kleinstkrabbler um einen Parasiten handele, gilt er als potenziell gefährlicher Krankheitsüberträger.

 
 

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