Saudische Prinzessin im Kaufrausch prellt Millionen-Zeche

Gerd Niewerth
Traumkulisse: Ein Blick vom Shangri-La.
Traumkulisse: Ein Blick vom Shangri-La.
Foto: HO
Die Zechprellereien einer saudischen Prinzessin schlagen in Paris hohe Wellen. Ihre Hoheit hinterließ bei ihrem letzten Aufenthalt in der Seine-Metropole einen Berg an Schulden: allein 6 Mio Euro in einem Luxus-Hotel. Um die Gläubiger bezahlen zu können, hat die Justiz jetzt zwei Lagerhallen beschlagnahmt, in denen Tausend Paar Schuhe, Kleider, Hüte und Luxustaschen schlummerten.

Paris ist die umschwärmte Stadt des Lichts und des Luxus. Und die Top-Adresse für spendable Ölmilliardäre und Herrscher aus dem Morgenland. Sie kaufen hier dicke Aktienpakete und ganze Firmen, aber auch Nobel-Hotels und schicke Stadtpaläste längs der Pracht-Avenue Champs-Élysées. In der Regel wickeln die Herrschaften ihre Geschäfte und Luxus-Einkäufe in allergrößter Diskretion ab. Nicht jedoch eine saudische Prinzessin, die in der Seine-Metropole in einen sagenhaften Kaufrausch verfiel – und danach einen skandalösen Schuldenberg hinterließ.

Ihre Hoheit Maha bin Mohammed bin Ahmed al Sudairi ist nicht irgendwer. Sie, eine Frau in den Fünfzigern, ist die dritte Ehefrau von Nayef Ben Abdelzaziz al Saud, dem im vergangenen Frühsommer verstorbenen Kronprinzen. Eine Märchenprinzessin, die, obwohl unvorstellbar vermögend, immer wieder das Kunststück fertig bringt, weit über ihre Verhältnisse zu leben.

41 Zimmer in vier Etagen

Der jüngste Skandal nahm im Dezember 2011 seinen Lauf, als sich die Königliche Hoheit samt Gefolge für sechs Monate im Luxushotel Shangri-La nahe dem Triumphbogen einquartierte. Die 70 Gäste aus dem Orient verteilten sich auf 41 Zimmer in vier von insgesamt sieben Etagen: darunter die Mutter von Maha al Sudairi, zwei Schwestern, ein Neffe, Nichten und ein respektabler Hofstaat aus Zofen und Zimmermädchen, Dienern und Sekretären. Bei der Pariser Firma „Cinq Étoiles“ (Fünf Sterne) mietete die Frau des damaligen Kronprinzen ferner einen Park von 30 Luxuskarossen samt Chauffeuren an, hinzu kam ein allgegenwärtiges Heer von Leibwächtern.

Doch das unbekümmerte Leben in Saus und Braus sollte ein jähes Ende nehmen, als der Kronprinz seiner verschwenderischen Gattin genervt den Geldhahn abdrehte. Als die Prinzessin samt Gefolge in einer Juninacht 2012 das „Shangri-La“ Hals über Kopf verließ, blieben sechs Millionen Euro unbezahlt. Eine neue Bleibe fand sie in einem anderen Pariser Luxus-Hotel, dem „Royal Monceau“. Es gehört keinem Geringeren als dem Emir von Katar, der, ein guter Freund der saudischen Royals, der „obdachlosen“ Prinzessin im Augenblick großer Not großzügig eine Suite überließ. Wenig später kehrte sie nach Saudi-Arabien zurück.

Boutiquen öffneten mitten in der Nacht

Damit die Gläubiger endlich Geld sehen, hat die französische Justiz jetzt zwei Lagerräume vor den Toren der Stadt beschlagnahmen lassen. Die staunenden Gerichtsvollzieher standen vor einem riesigen Warenlager – und wähnten sich in einem Film aus Tausendundeiner Nacht. Sie entdeckten Tausende Paar Damenschuhe, 300 Paar Kinderschuhe, bergeweise Hüte, Dutzende Louis-Vuitton-Koffer prall gefüllt mit Kleidern und Dessous, Taschen und Luxus-Accessoires von Dior und Chanel, Valentino und Gucci.

Häppchenweise dringen nun Details über den verschwenderischen Lebensstil einer märchenhaft reichen Frau ans Tageslicht. „Sie schlief den ganzen Tag und ließ mitten in der Nacht die Luxusboutiquen öffnen“, berichtete ein Leibwächter dem Boulevardblatt „Le Parisien“. Mitunter seien die Einkäufe in der prestigereichen Avenue Montaigne so opulent gewesen, dass Mercedes-Transporter vorfahren mussten.

Depressive Persönlichkeit

Zeugen zeichnen das Bild einer depressiven Persönlichkeit, die Unmengen an Medikamenten schluckte, ständig eine qualmende Zigarette im Mundwinkel hatte, Heißhunger auf amerikanische Fastfood-Burger verspürte und nur selten einen Fuß vor die Tür setzte. War Hoheit nach einer neuen Frisur, so heißt es, dann sei kurzerhand ihr libanesischer Friseur eingeflogen worden – in der ersten Klasse von Air France, versteht sich.

Dem saudischen Königshaus seien die Eskapaden sehr peinlich, heißt es. Dabei sollen sich ihre Schulden mittlerweile auf „nur“ noch anderthalb Millionen Euro belaufen.