Sat.1 und RTL setzen auf neue Impro-Shows

Jochen Schropp verspricht für den Fernsehfreitag auf Sat.1: „Jetzt wird’s schräg“.
Jochen Schropp verspricht für den Fernsehfreitag auf Sat.1: „Jetzt wird’s schräg“.
Foto: dpa
Mit dem Ende der „Schillerstraße“ schien die Improshow beerdigt. Doch von wegen: Jetzt kehrt das unberechenbare Spaß-Genre zurück ins Fernsehen. Sat.1 legte mit Jochen Schropps Show „Jetzt wird’s schräg“ vor, bei RTL folgt Ralf Schmitz in Kürze.

München/Köln.. Die komischste Adresse in Deutschland lautete lange Zeit „Schillerstraße“. Vor zehn Jahren begann mit der Sat.1-Comedy eine neue Ära im Unterhaltungsfernsehen: das Zeitalter der Impro-Show. Als das Format vor drei Jahren eingestellt wurde, schien auch das Genre tot zu sein. Allein, der Eindruck täuschte. Gleich zwei große Sender haben den Reiz spontaner Faxen bühnenerprobter Spaßmacher in fester Studio-Kulisse wiederentdeckt. Sat.1 verspricht seit einiger Zeit „Jetzt wird’s schräg“ (22.30 Uhr), und RTL eröffnet das massenattraktive Herbstprogramm am 5. September mit dem freitäglichen Vierteiler „Hotel Zuhause – Bitte stören!“ (21.15 Uhr).

So hölzern wie Pinocchio

Impro-Comedy lebt unbedingt von der Spontanität des Ensembles. Dabei spielt Wortwitz mitunter eine geringere Rolle als Körperkomik. Genau deshalb ist die Bühne bei „Jetzt wird’s schräg“ um 22,5 Grad gekippt. Komische Bewegungen sind programmiert – auch bei Teilnehmerinnen wie „Germany’s Next Topmodel“ Rebecca Mir, die bisher nicht als Komik-Talente aufgefallen sind. Für schräge Situationen sorgt Stichwortgeber Jochen Schropp. Um die Aufmerksamkeit des Publikums auf das Ensemble zu lenken, moderiert er so demonstrativ hölzern, dass er problemlos als Pinocchio durchginge.

Das Publikum mag es so. Die Quoten für den Mix aus Party-Spaß und Kindergeburtstag lagen bisher deutlich über dem Schnitt des Münchner Senders. Ob das Publikum dem Format treu bleibt, ist fraglich. Denn das Konzept bleibt bis zur vorerst letzte Folge am 8. August unverändert. Andererseits wechseln die Teilnehmer im Studio bei jeder Ausgabe. Diesmal sind die Comedians Enissa Amani, Bürger Lars Dietrich, Amiaz Habtu, Luke Mockridge und Tahnee Schaffarczyk dabei sowie Ballermann-Caruso Mickie Krause.

Auch RTL hat den Charme des Stegreif-Ulks entdeckt. Die Nr. 1 unter den Privaten setzt auf Ralf Schmitz. Deutschlands liebenswerte Version von Zappel-Komiker Louis de Funès hat mit launigen Auftritten im Gaga-Quiz „Genial daneben“ ein Ausrufezeichen gesetzt, und spätestens seit seinem Aufenthalt in der „Schillerstraße“ gehört der gebürtige Leverkusener zum unverzichtbaren Inventar der Spaß-Branche.

Der Erfolg ist längst nicht garantiert

Zum Gegensatz zu der episodischen Struktur von „Jetzt wird’s schräg“ baut Schmitzens Impro-Comedy „Hotel Zuhause“ auf einer Rahmengeschichte auf, die an frische Urlaubserinnerungen des Publikums appelliert: Der Held der Show hat für eine richtige Reise kein Geld; stattdessen simuliert er Ferien-Stimmung daheim.

Wie in der „Schillerstraße“ gibt es einen Stichwortgeber, der Spielsituationen eine unvermutete neue Richtung gibt, um Schmitz und seine Profi-Truppe, darunter Stars wie Ilja Richter, zu Höchstleistungen herauszufordern. Natürlich wandelt das Ensemble stets auf der dünnen Linie zwischen albern und brüllkomisch, aber Schmitz & Co. gelingt der sprichwörtliche Spagat bemerkenswert gut.

Warum spontane Gags ein billiges Vergnügen sind

Natürlich hat Liebe des Fernsehens zur Impro-Comedy auch eine profane Seite. Spontane Gags im festen Studio sind, im Gegensatz zu teueren Späßen wie Wanderzirkus „Wetten, dass..?“, ein billiges Vergnügen.

Allerdings garantiert ein Impro-Format noch lange keinen Erfolg. Das erlebte das ZDF vorigen Sommer. Top-Talker Jörg Thadeusz war als Pausenclown für die „heute-show“ am Limit. Die Show floppte. Nach nur vier Folgen war „Durchgedreht“ schon durchgenudelt.

 
 

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