Rainer Brandt – Vier Sprüche für ein Halleluja

Terence Hill (l.) und Bud Spencer bei der Arbeit.
Terence Hill (l.) und Bud Spencer bei der Arbeit.
Foto: Kabel Eins
Bud Spencer und Terence Hill gehören zu Europas erfolgreichsten Kino-Stars. Kein Wunder, dass ein Sender wie Kabel 1 immer wieder gern auf deren Filme zurückgreift – so an diesem Sonntag mit „Das Krokodil und sein Nilpferd“. Dahinter steckt ein kluger Kopf: Rainer Brandt.

Berlin.. Rainer Brandt ist immer noch vielbeschäftigt, auch mit 78. Seit über 40 Jahren betreibt er seine Synchronfirma Brandtfilm und macht als Stasi-Minister Udo Lindenberg das Leben schwer – im Mauer-Musical „Hinterm Horizont“. Berühmt wurde der Synchron-Papst aber durch seine schnoddrigen Film-Dialoge. An diesem Sonntag, 27. Juli, zeigt Kabel Eins um 20.15 Uhr mit „Das Krokodil und sein Nilpferd“ einen dieser gebrandtmarkten Klassiker. Mit dem Künstler sprach Marc Friedrich.

In den USA ein Flop, in Deutschland erreichte die Serie „Die Zwei“ Kultstatus. Der Erfolg wird vor allem Ihrer Synchronisation zugeschrieben. Wie kamen Sie auf die Idee, so weit vom Original abzuweichen?

Brandt: Man muss sich eine ganze Menge trauen, vor allem gegen die starken Sender. Die haben jede Menge Leute da, die wollen alles und können es nicht. „Die Zwei“ war im Original absolute Scheiße, aber ich mochte den Tony (Curtis) so sehr. Also hab ich mir gesagt: Da müssen wir was draus machen. Und dann haben wir dem Affen richtig Zucker gegeben. Als die erste Folge abgenommen wurde, hat der ZDF-Redakteur sich auf die Schenkel gehauen und meinte: „Also Kinder, das war lustig, aber jetzt zeigt mal die richtige Fassung.“ Ich dachte schon, wir werden mit Maschinengewehren vom Hof geschossen. Aber die Welle schwappte über und zwei Wochen später, ab der zweiten Folge, haben die Leute im Bus die Sprüche nachgesprochen. Da hat sich der ZDF-Redakteur gelobt und ich ihm gesagt: „Noch so ein Spruch und deine Zahnbürste greift morgen ins Leere.“

Wie würden Sie ihr „Schnodderdeutsch“ beschreiben?

Brandt: Eine Mischung aus Unterweltslang gepaart und ein bisschen Fantasie. Es ist die Sprache des Volkes und das war der Gag. Der Terence (Hill) kam damals auf mich zu und hat mich gebeten, deren Filme zu synchronisieren. Carlo (Pedersoli alias Bud Spencer) hat zum Beispiel in einem Film eine Stunt-Szene gedreht, die erst nach dem 20. Versuch geklappt hat, aber ein Darsteller hat am Ende der Einstellung seinen Text vergessen. Da sagte der Carlo: „Ist doch scheißegal, das macht der Rainer in Berlin.“ Kino

Jean-Paul Belmondo, Elvis Presley, Tony Curtis und auch Franco Nero in Tarantinos „Django Unchained”. Wen haben Sie am liebsten gesprochen?

Brandt: Ich habe Franco Nero früher immer schon gesprochen. Wir haben beide gemerkt, dass wir sehr jung geblieben sind. Solche Leute sind einfach echte Komödianten. Mit denen kann man viel machen.

"Man würde einen Straßenfeger wie "Die Zwei" wieder hinkriegen"

Welchen Film würden Sie gerne mit einer Brandt-Rede versehen? Funktioniert so eine Synchronisation noch heute?

Brandt: Da gibt es viele, weil die Synchronisation heute überwiegend schlecht ist. Selbst Komödien sind nicht mehr komisch, weil die Macher nicht mehr wissen, was komisch ist. Es ist sehr schwer, in Deutschland einen Nachwuchs-Schreiber reinzukriegen, denn jeder, der es kann, wird Gagschreiber in Amerika. Die Qualität ist der billigste Brei, die buchstabieren das K-W-A-L-I-T-E-T. Aber ich bin mir sicher, dass das heute noch funktionieren würde. Man würde sogar einen Straßenfeger wie „Die Zwei“ wieder hinkriegen.

Sie gaben vielen Filmen auch die Titel, einen Italowestern nannten sie „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“. . .

Brandt: Wir haben immer zusammengesessen und uns die Frage gestellt: Wie nennen wir das Ding. (Filmproduzent) Horst Wendlandt hat zum Beispiel den Titel „Mein Name ist Nobody“ vorgeschlagen. Ich hab ihm gesagt, dass das auf Deutsch keinen Sinn macht. Da hat der Horst gesagt: „Ist doch egal, machen wir trotzdem so.“

Worauf darf man sich bei „Das Krokodil und sein Nilpferd“ freuen?

Brandt: Auf den ganzen Film, weil es ein typischer Bud-Spencer-und-Terence Hill-Film ist. Die machen alle Spaß. Auch dieser Film wurde mit dem Waschzettel gedreht, weil wir in Berlin die Dialoge gemacht haben. Meine Dialogbücher von vielen Filmen wurden sogar zum Beispiel ins Französische übersetzt – auch bei „Die Zwei“. Weil das damals so erfolgreich war.

 
 

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