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Oberhausen: „Werner“-Erfinder Brösel über Zeit im Gefängnis – „Eine tolle Erfahrung“

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„Werner“-Erfinder Rötger Feldmann alias 'Brösel'. Foto: Dominik Göttker

Er ist einer der bekanntesten Comic-Zeichner des Landes. Mit seiner Figur „Werner“ schuf Rötger Feldmann alias Brösel eine Ikone.

Etliche Comics und fünf Filme später ist Rötger Feldmann erfolgreich wie eh und je. In der Ludwig-Galerie im Schloss Oberhausen wurde nun die Ausstellung „Unveröffentlicht – Die Comicszene packt aus“ vorgestellt. Wir konnten vorab mit dem „Werner“-Erfinder sprechen.

Lieber Brösel, welches Lob bekommst du am häufigsten?

Ich wohne ja sehr abgeschieden im Outback von Schleswig-Holstein. Und seit der Pandemie habe ich selten Kontakt zur Außenwelt. Jetzt bin ich hier in Oberhausen. Das ist sehr schwer für mich, mich hier zurechtzufinden (lacht).

So schlimm im Pott?

Wenn man nach Jahren auf einmal wieder in die Öffentlichkeit gelassen wird und man muss selbst Autofahren, das ist sehr schwierig. Aber du hattest nach dem Lob gefragt?

Richtig…

Ich weiß nicht, ob mich jemand lobt. Meine Frau lobt mich manchmal.

Dann lobe ich dich mal. Deine Zeichnungen haben meine Jugend mitgeprägt.

Das stimmt, das sagen viele. Das sagen auch ältere Leute. Du bist ja noch jung.

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Das ist „Werner“-Erfinder Rötger Feldmann:

  • Rötger Werner Friedrich Wilhelm Feldmann alias Brösel wurde am 17. März 1950 in Lübeck-Travemünde geboren
  • Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Comic-Zeichner

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Du hast vor über 40 Jahren mit Werner angefangen. Hättest du je damit gerechnet, dass auch heute noch Menschen deine Comics lesen?

Rechnen konnte ich schon immer schlecht (lacht). Ich habe mir schon Mühe gegeben, auch zu Anfang. Wenn ich heute auf manche alten Kritzeleien zurückgucke, dann gefällt mir aber auch manches nicht mehr so sehr. Entwickelt hat sich das auch erst, als die Filme kamen. Da wurde Werner dreidimensional. Ich weiß nicht, ob das unbedingt gut für die Zeichnungen ist, aber man lernt dazu. Wie sieht Werner von der Seite aus, wie sieht er von vorne aus.

Warum funktioniert Werner heute immer noch?

Ja, das wundert mich auch. Wir haben jetzt ein neues Buch herausgebracht, wo ich vor allem alte Zeichnungen zeige. Da sind auch politische Geschichten drin. Und ich finde, dass diese Geschichten, die ich mir vor vierzig Jahren ausgedacht habe, heute immer noch funktionieren. Mit diesen rechten Socken… Das war ja früher auch schon so. Wenn ich heute lese, dass irgendein Idiot jemanden erschießt, weil der sagt, er soll ne Maske aufsetzen. Das ist doch crazy.

Diese ganzen politischen Sachen sind heute noch genau das Gleiche. Es hat sich nichts geändert auf der Welt, deswegen sind die Geschichten immer noch aktuell.

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Brösel im Ruhrgebiet:

  • 02.10. OBERHAUSEN
    LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, 19 Uhr
    Ausstellungseröffnung „UNVERÖFFENTLICHT – Die Comicszene packt aus! Strips and Stories – von Wilhelm Busch bis Flix“
  • 04.10. BOCHUM
    Stadtbücherei, 19 Uhr
    Pralinen der Grafischen Literatur in Bochum – Bühnengespräch und Autogrammstunde

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Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückschaust, hättest du Werner anders gestaltet?

Nö. Ich finde es lustig. Diese Mode, die Werner anhat, diese spitzen Schuhe, diese Schlaghose, das ist ja alles da gewesen, wieder verschwunden und wiedergekommen. Es gibt heute noch Leute, die so rumlaufen. Nur die spitzen Schuhe sind nicht gut für die Füße. Das gibt Hammerzehen (lacht).

Du hast mal gesagt, dass du ohne deine Frau im Gefängnis sitzen würdest…

Ja, das ist auch öfter schon mal passiert. Wenn irgendwelche Strafzettel ins Haus geflattert sind, habe ich mich nie darum gekümmert. Ich fand Bürokratie immer schon scheiße. In der Zeit habe ich in einer Wohngemeinschaft gewohnt. Ich hatte wenig Kohle, zu der Zeit war ich arbeitslos und habe das Leben einfach genossen. Wenn der Postbote gekommen ist und die Stütze gebracht hat, habe ich erst mal Benzin ins Motorrad gefüllt, ein paar Flaschen Bier gekauft und mich an den Strand gelegt. Wir haben uns über die Freiheit gefreut. Sonst wären diese ganzen Geschichten auch nicht entstanden.

Du bist wegen Strafzetteln in den Knast gekommen?

Ja. Da stand die Polizei vor der Tür und hat mich mitgenommen. Weil ich diese dreißig oder sechzig Mark für einen plattgefahrenen Reifen nicht bezahlt habe und sich das mit Mahngebühren und Mahnbescheid hochgeschaukelt hat. Das waren am Ende 280 Mark und das war für mich viel Geld. Da habe ich gedacht, da gehst du lieber eine Woche in den Knast, sitzt das ab und kaufst dir von dem Geld nen neuen Reifen.

Man muss Prioritäten setzen…

So war das. Eine Woche in einer Zelle eingesperrt zu sein, das ist schon eine tolle Erfahrung.

Eine tolle Erfahrung?

Ich finde, man muss auch mal alles mitmachen.

Was gibt einem denn eine Woche im Gefängnis?

Da kann man nachdenken. Da hat man mal Zeit. Man kann neue Geschichten schreiben oder sonst was machen. Du bist da eingesperrt, darfst ein Mal am Tag eine Stunde im Kreis auf dem Hof laufen. Und sonst ist da nix weiter.

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Trägt Werner jetzt auch Corona-Maske?

Ne, das geht gar nicht mit der langen Nase (lacht). Werner ist das egal. Der setzt sich auf seinen Bock und fährt irgendwohin, wo die Sonne scheint. An mir persönlich ist das alles irgendwie vorbeigegangen. Wir haben ein großes Haus auf dem Land, da ist viel Platz. Da brauchst du die Masken nicht. Meine Frau geht jagen, sie geht einkaufen. Ich verlasse kaum das Haus.

Werner ist Norddeutscher. Hätte er sich auch im Ruhrgebiet wohlgefühlt?

Ich finde schon. Schleswig-Holstein und das Ruhrgebiet, das unterscheidet sich gar nicht so. Außer dass hier viel Kohle geschürft wurde und bei uns wird Korn angebaut. Gesoffen wird hier auch (lacht). Die Ruhrgebiet-Menschen sind die, die Werner am nächsten sind. Ich glaube, ich habe hier auch die meisten Fans.