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Pretty Woman sucht Mr. Right

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Foto: edt

Diskos, After-Work-Partys und Tanzlokale: Bei Single-Treffs geht es mächtig ab – oder auch nicht.

Einen neuen Partner findet man am leichtesten am Arbeitsplatz, im Verein oder durch Freunde, sagen Experten. Doch was, wenn im Job sich partout niemand aufdrängt, Vereinsmeierei einem zuwider ist und der Freundeskreis sich seit Jahren nicht verändert? Wer Kontaktanzeigen scheut und auch dem Internet misstraut, hat nur eine Chance: Rausgehen, am besten in angesagte Singletreffs. Wir haben Menschen in Discos, Clubs und Tanzlokalen bei ihrer Suche nach Mr. oder Mrs. Right begleitet.

Freitagabend, kurz vor halb zehn in Haltern am See. Während andere Läden noch nicht einmal geöffnet haben, ist in der „Stadtmühle” schon richtig was los. „Ich schenk dir mein Herz”, schlagert es aus den Boxen, und während ein gutes Dutzend Paare sich zum Disco-Fox dreht, sitzt Bärbel Härtel mit ihrer Freundin Cornelia an der Theke in Eiche rustikal.

Sie führe in Senden die Boutique „Pretty Women”, erzählt die 57-Jährige. „Aber leider fehlt mir derzeit der Richard Gere.” Viel Hoffnung, dass sie diesen heute Abend noch finden wird, hat Bärbel allerdings nicht. Über den Nachbartisch, wo zwei Männer fünf Frauen eine Runde Kräuterlikör nach der anderen ausgeben, kann sie nur schmunzeln. „Die gehen heute Abend doch alle allein nach Hause”, prophezeit sie mit Kennerblick. Freundin Cornelia, 47 und verheiratet, sieht an diesem Freitag nicht einmal potentielle Tanzpartner. Das war schon einmal anders: „Bärbel hatte ihren Richard Gere, sie hat ihn hier getroffen.” Doch die mag nicht drüber reden, denn: Am Ende ging es nicht gut aus.

Klassisch auffordern und Drink ausgeben lassen

Martina Rinas dagegen erzählt liebend gerne. Wie es vor drei Jahren an Weiberfastnacht zwischen ihr und Heinz in der Stadtmühle gefunkt hat und dass sie „seitdem alles gemeinsam machen“. Die Altenpflegerin mag vor allem die Atmosphäre in dem Tanzlokal. Hier werde noch klassisch aufgefordert, werde zuerst getanzt, bevor man sich einen Drink ausgeben lässt. Anstand muss sein.

Und während Martina mit ihrem Heinz dann zu DJ Ötzis „Stern” den nächsten Disco-Fox tanzt, schwärmt Doris Haase von der „großen Gemeinschaft” in ihrem Haus. Seit 13 Jahren ist sie bereits Geschäftsführerin der Stadtmühle und hat viele Flirts beobachtet. Was sich daraus jeweils entwickle, wisse sie natürlich nicht. „Aber mein Vater”, sagt sie nicht ohne Stolz, „war schon Trauzeuge bei einem Paar, das sich bei uns kennen gelernt hat.”

Samstagabend, 0.35 Uhr, in der Discothek „360 Grad” in Bochum. Es wird gerade erst voll. Mittendrin Malte (22). „Ich komm schon mit der Erwartung, vielleicht jemanden kennen zu lernen”, sagt er. In der House-Area eine Frau anzusprechen, dürfte nicht gerade leicht fallen: Die Beats dröhnen aus den Boxen, nur wenige tanzen. Im Halbdunkel stehen kleine Grüppchen zusammen, einen Biermix oder eine Cola in der Hand – und gucken. Der Blickkontakt sei wirklich wichtig, erklärt Malte, schon allein wegen der Lautstärke. „Und dann wartet man auf ein Lächeln.”

Glaubt der 22-Jährige, dieses bei einem hübschen Mädchen erkannt zu haben, geht er meist an die etwas ruhigere Theke und hofft, dass die Auserwählte ihm folgt. Worauf er bei den Mädels achtet, kann er nicht einmal sagen. „Blond, braun, egal. Es muss einfach passen.” Wie er dann ins Gespräch kommt? „Hm”. Ein schlichtes „Hey, wie geht’s?” findet Malte aber besser als irgendeinen vorbereiteten Spruch. „Das kommt gar nicht gut”, so seine Erfahrung.

Kumpel Daniel (23) kann dem nur zustimmen. „Ein Anmachspruch, nee, so voll war ich noch nie”, sagt er und schüttelt den Kopf. Der Maschinenbau-Student versucht es da schon eher mit Antanzen. Einmal hat das bei ihm auch geklappt, doch die Beziehung hielt nicht allzu lange. Nun ist Daniel ebenfalls wieder solo.

Ob er heute Nacht noch sein Glück versucht, kann Daniel selbst um halb zwei noch nicht sagen. Vielleicht feiere er auch einfach mit seinen Freunden. Man müsse sich nämlich entscheiden, findet er. „Einen drauf machen oder jemanden kennen lernen, beides zusammen geht nicht.” Losziehen und die Liebe fürs Leben suchen – das hält der Maschinenbau-Student ohnehin für Quatsch. „Wenn man was verkrampft sucht, dann geht sowieso nix.”

Dienstagabend, 19.15 Uhr, auf der After-Work-Danceparty im Hotel van der Valk in Moers. Anna (24) feiert mit ihren Freundinnen. Dienstag sei ein guter Tag zum Flirten, meint sie. „Die Leute trinken nicht so viel, weil sie am nächsten Tag arbeiten müssen.” Auf Anmache von Betrunkenen hat die kaufmännische Angestellte aus Krefeld nämlich „überhaupt keinen Bock”. Was ebenfalls „gar nicht geht”, sei der fantasielose Spruch „Haste ‚mal Feuer?” zur Kontaktaufnahme. Witzig fand Anna dagegen, als sie vor kurzem mit „Entschuldigung, dürfte ich mir bei dir einen Korb abholen?” angesprochen wurde. Auch ihre Freundin Antje (39) steht auf Männer, die über sich selbst lachen können. Was sie dagegen „abstößt, ist Überheblichkeit”.

Sie dürfte Glück haben. Denn auch wenn die Veranstaltung sich insgesamt edler gibt, man sich in gehobener Garderobe zunächst am feinen Buffet stärkt, bevor man zu aktuellen Chartstürmern die Hüften kreisen lässt – abgehoben wirkt die Veranstaltung dennoch nicht. „Die Leute sollen nach einem anstrengenden Arbeitstag bei uns einfach abschalten können”, betont der Chef des Hauses, Jerry van der Valk.

Ankunft direkt nach der Arbeit und am liebsten allein

Jörg Kallweit (45) ist Stammgast bei van der Valk. Er kommt direkt nach der Arbeit, meist und am liebsten allein. Dass der Unternehmer aus der Chemiebranche auch wieder alleine nach Hause geht, muss das allerdings nicht heißen. „Die Party hier ist eine Kontaktbörse”, verrät er. „Aber eine mit Niveau.”

Klar, er sei schon auf der Suche nach der großen Liebe, „auf dem Weg dorthin nehme ich aber auch gerne die eine oder andere Bekanntschaft mit”. Jörg grinst verschmitzt. Erst letzte Woche habe er zwei Frauen hier kennen gelernt, eine davon treffe er gleich wieder. „Ich habe quasi einen Recall.” Dann gibt er Jerry van der Valk noch kurz freundschaftlich die Hand – und verschwindet in die Nacht.

Weitere Informationen:

Die Stadtmühle, Zu den Mühlen 60, 45721 Haltern am See; Donnerstag bis Samstag: Tanzcafé ab 19.30 Uhr, Freitag und Samstag ab 21 Uhr auch Disco; Eintritt 4 Euro. Discothek 360 Grad, Kohlleppelsweg 45, 44791 Bochum (am Ruhrpark); freitags Hausmarke (von House bis Classics); ab 22 Uhr, Eintritt 4,50 Euro (Frauen bis 0 Uhr frei), plus 5 Euro Mindestverzehr.Hotel Moers van der Valk, Krefelder Straße 169, 47447 Moers, dienstags After-Work-Party ab 19 Uhr; Eintritt: 7 Euro inklusive Überraschungsbuffet.