Post-Mitarbeiter packt aus: „Das ist echt nicht glatt über die Bühne gelaufen“

Nach der Porto-Erhöhung kam es bei der Deutschen Post in einigen Filialen zu Engpässen. (Symbolbild)
Nach der Porto-Erhöhung kam es bei der Deutschen Post in einigen Filialen zu Engpässen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Die Deutsche Post hat zum 1. Juli die Gebühren erhöht. Ein Standardbrief kostet nun also nicht mehr nur 70 Cent, sondern 80 Cent. Doch mit der Umstellung seien viele Filialen überfordert. Kunden gehen leer aus. Das berichtet jetzt ein Post-Mitarbeiter gegenüber der Redaktion.

Antonio Riccardi (42) arbeitet seit rund zehn Jahren bei der Deutschen Post, zuletzt nur noch auf 450 Euro-Basis. Der Mitarbeiter aus Olching (Bayern) klagt an: „Die Umstellung haben wir ganz deutlich zu spüren bekommen. Von wegen alles rund verlaufen!“ Hunderte Kunden seien in seine kleine Filiale in Olching gekommen und machten lange Gesichter. „Die Marken waren sofort vergriffen“.

Deutsche Post: Mitarbeiter packt aus: „Von wegen alles rund verlaufen!“

Sowohl die neuen, als auch die Ergänzungsmarken für fünf oder zehn Cent - die du auf deinen Brief zusätzlich zur alten Gebühr kleben kannst - waren futsch. „Das ist echt nicht glatt über die Bühne gelaufen“, verdeutlicht er.

Doch nicht nur das: „Die neuen 1,55 Euro-Briefmarken für die Großbriefe sind noch gar nicht auf Lager“. Bislang (Stand Samstag 13. Juli) habe er diese noch nicht zu Gesicht bekommen. Auch habe er noch keine neue Scan-Liste bekommen, um die neuen Marken ins System zu buchen.

Und wenn mal 5 und 10 Cent-Rollen oder Sets geliefert werden, schnappen die Geschäftskunden auch noch die einzelnen Marken weg, weil es zu wenige gibt. „Das ist wirklich schlecht. Denn Bewerbungen oder andere wichtige Dokumente müssen ja raus. Da können die Leute nicht drauf sitzen bleiben“, so der 42-Jährige.

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Aber was solle er den Kunden auch sagen, fragt er? Außer: Versuchen Sie es bitte morgen wieder. Vielleicht haben Sie da mehr Glück.

Deutsche Post bestätigt: Tatsächlich wurden an einigen Orten Briefmarken knapp

Auf Nachfrage bei der Post bestätigt das Unternehmen die Probleme: „Tatsächlich gab es in den ersten Tagen der Umstellung Standorte, an denen es mit den neuen Briefmarken knapp wurde, aber das hat sich über die letzten Tage deutlich entspannt“, so ein Sprecher gegenüber der Redaktion.

Auch die Belieferung mit Ergänzungsmarken sei „in aller Regel gut gelaufen“.

Und weiter führt er aus: „Bei Kunden, die von einem örtlichen temporären Engpass bei der Briefmarkenversorgung betroffen waren, bedauern wir die entstandenen Unannehmlichkeiten.“

+++ Deutsche Post: Wenn du diesen kleinen Fehler begehst, kommt dein Brief nie an +++

Der Sprecher macht aber auch deutlich: Innerhalb kürzester Zeit musste die Post 940 Millionen Briefmarken drucken lassen, die dann zum 1. Juli an 26.000 Filialen geliefert werden mussten.

Post bittet um Verständnis

Wenn es in der ein oder anderen Filiale aber doch zu Engpässen kam, bittet die Post um Verständnis. Man wolle dafür sorgen, dass „die betreffende Filiale so schnell wie möglich die erforderlichen Mengen an Briefmarken erhält“, heißt es von Unternehmen. Auf jeden Fall sollen in den Filialen immer sämtliche Sendungen mit der gedruckten Briefmarke (Label) versandt werden können.

Antonio Riccardi bleibt nichts anderes übrig, als jetzt abzuwarten. Etwas habe sich die Situation schon im Vergleich zu den Anfangstagen entspannt, meint er. „Ich mache meine Arbeit sehr gerne, liebe sie auch und die Kunden.“ Aber trotzdem müsse man auch klarmachen, wenn es mal nicht so wirklich läuft.