Pink Panther plaudern in ARD-Doku über ihre Verbrechen

Andreas Böhme
"Mike" gehörte zum Kern der Bande und ist in Montenegro untergetaucht. Filmemacherin Havana Marking ist es gelungen, einen exklusiven Kontakt zu Bandenmitgliedern zu bekommen, die vor der Kamera offen über ihre kriminellen Machenschaften sprechen.
"Mike" gehörte zum Kern der Bande und ist in Montenegro untergetaucht. Filmemacherin Havana Marking ist es gelungen, einen exklusiven Kontakt zu Bandenmitgliedern zu bekommen, die vor der Kamera offen über ihre kriminellen Machenschaften sprechen.
Foto: SWR/Roast Beef Productions
Die Pink Panther – sie waren eine locker strukturierte Bande, deren kriminelle Erfolge selbst Fahndern in aller Welt einen gewissen Respekte abnötigten. Jetzt haben einige der Diamanten-Diebe ihr Schweigen für eine ARD-Doku gebrochen. Selten hat man so hautnah Einblicke in die Welt des internationalen Verbrechens bekommen.

Hamburg. "Meisterdiebe – Die Geschichte der Pink Panther". Das klingt erst einmal nach Inspektor Clouseau, nach einer lustigen rosaroten Cartoon-Figur, nach Kino. Ist es aber nicht. Es ist die Geschichte der weltweit erfolgreichsten Diamantendiebe. Und es ist eine Dokumentation, die die ARD am Dienstag zu nachtschlafender Zeit (2. Juli, 22.45 Uhr) zeigt.

Aber manchmal ist es auch ein Thriller. Denn die BBC-Autorin Havana Marking ist nahe herangekommen an einige der Räuber. Und die plaudern aus dem Nähkästchen.

Genau wie die Gegenseite, wie einige der Fahnder, die die Panther seit fast zwei Jahrzehnten jagen. Alles mit mäßigem Erfolg. Man weiß, dass es ungefähr 200 Panther gibt, aber keine Hierarchie wie in der Mafia. Keinen „große Boss“, wie ein Mitglied später bestätigt. Eher eine Art Familie, einen inneren Kreis. Klar ist nur, dass die meisten Mitglieder aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen.

Penibel, präzise, schnell

Ihren Namen erhielten die Pink Panther nach einem ihrer ersten Überfälle in der Londoner Bond Street. Dort versteckten sie einen mehr als 500.000 Dollar teuren Diamantring bei ihrem Überfall in einer Dose mit Gesichtscreme – so wie im „Pink Panther“-Film. Ein Fahnder von Scotland-Yard gab ihnen daraufhin den Namen.

Mehr als 120 Überfälle werden der Bande zugerechnet. In Dubai etwa haben Passanten mit ihren Handy-Kameras gefilmt, wie sie mit zwei zuvor gestohlene Audi A8 durch die verglaste Tür einer Einkaufspassage rasen und in Tür und Schaufenster eines Juweliers fahren. Drei Gangster stürmen ins Geschäft, zerschlagen mit Hämmern und Waffen die Vitrinen und rauben Juwelen für rund elf Millionen Euro und sind wieder weg.

Penibel geplant sind die Aktionen, präzise und extrem schnell ausgeführt. Jeder Überfall, der länger als 22 Sekunden dauert, ist ein Risiko, sagt ein Panther. Wohl auch deswegen werden sie so selten gefasst. Wert der bisherigen Beute: rund 300 Millionen Dollar. Das nötigt selbst gestandenen Ermittlern einen gewissen „Respekt“ ab. Und manchmal muss die Autorin aufpassen, die Panther nicht zu gut aussehen zu lassen.

Manchmal fehlt eine Einordnung

Wahrscheinlich ist das der Preis für die Interviews, die man ihr gewährt hat und in denen zwei Mitglieder der Bande schwärmen dürfen von ihren größten Fischzügen. Ihre Stimmen werden nachgesprochen, ihre Porträts im Comic-Stil dargestellt. Das dürfte sie sympathischer machen, als sie es möglicherweise sind. Überhaupt bleiben viele Aussagen unkommentiert im Raum stehen – selbst wenn die Panther behaupten, nur der Krieg auf dem Balkan habe sie zu Verbrechern gemacht.

Wer solche Aussagen einzuordnen weiß, sollte dennoch unbedingt einschalten. Selten hat man so hautnah Einblicke in die Welt des internationalen Verbrechens bekommen.