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Papst klagt über Kommerzialisierung von Weihnachten

In seiner traditionellen Christmette im Petersdom in Rom hat Papst Benedikt XVI. am Samstag die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes beklagt. Er rief die Gläubigen auf, „durch die glänzenden Fassaden dieser Zeit hindurchzuschauen bis zu dem Kind im Stall von Bethlehem, um so die wahre Freude und das wirkliche Licht zu erkennen“.

Rom. 

Christen in aller Welt haben in der Nacht zum Sonntag mit Gottesdiensten das Weihnachtsfest gefeiert. Papst Benedikt XVI. forderte die Menschen in seiner Predigt im Petersdom „zur Demut und zur Einfachheit“ auf. Bei den Weihnachtsfeierlichkeiten in der Stadt Bethlehem im Westjordanland betete der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, für Frieden im Nahen Osten.

Gemeinsam mit tausenden Gläubigen feierte der Papst die Christmette im Petersdom. In seiner Predigt kritisierte er die Kommerzialisierung Weihnachtens. „Heute ist Weihnachten zu einem Fest der Geschäfte geworden, deren greller Glanz das Geheimnis der Demut Gottes verdeckt.“ Die Menschen müssten „vom hohen Ross unseres aufgeklärten Verstandes heruntersteigen“, sagte der Papst. „Wir müssen unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, der uns hindert, die Nähe Gottes zu sehen.“ Darüberhinaus rief das Oberhaupt der katholischen Kirche die weltweit 1,1 Milliarden Katholiken zur Solidarität mit Armen und Einwanderern auf.

Segen „Urbi et Orbi“ vom Papst am ersten Weihnachstfeiertag

Die Christmette hatte mit Rücksicht auf den 84-jährigen Papst bereits um 22.00 Uhr MEZ begonnen. Benedikt XVI. legte den Weg durch die große Kirche dabei erneut auf einem rollenden Podest zurück, um sich nicht zu überanstrengen. Am ersten Weihnachtsfeiertag spendet der Papst dann traditionell den festlichen Segen „Urbi et Orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) und spricht in zahlreichen Sprachen den Weihnachtssegen. Zu der Zeremonie werden am Sonntag erneut tausende Gläubige erwartet.

Am Samstag war auf dem Petersplatz in Rom zunächst die traditionelle Krippe enthüllt worden, die dort seit 1982 nach dem Willen des damaligen Papstes Johannes Paul II. errichtet wird. Papst Benedikt XVI. warf von seinem Fenster aus einen Blick auf die Krippe. Er entzündete eine Ölleuchte, mit der er in Richtung der Gläubigen das Zeichen des Kreuzes machte.

Auch in Bethlehem, wo nach der christlichen Überlieferung Jesus geboren wurde, versammelten sich zehntausende Pilger zu den Weihnachtsfeierlichkeiten. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, erbat in seiner Predigt für den Nahen Osten „Frieden, Stabilität und Sicherheit“. Außerdem warb er in der Christmette für „Versöhnung in Syrien, Ägypten, dem Irak und Nordafrika“.

Kritik an Umgang mit Palästinensern

Darüberhinaus kritisierte Twal den Umgang mit den Palästinensern. Diese hätten sich kürzlich an die Vereinten Nationen gewandt „in der Hoffnung, eine gerechte Lösung“ des Nahost-Konflikts zu finden. Doch sie seien nur aufgefordert worden, „sich erneut in einem gescheiterten Friedensprozess zu engagieren“, der „einen bitteren Nachgeschmack von gebrochenen Versprechen und Misstrauen“ habe. An der Messe nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil. Abbas hatte im September in New York einen Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft für die Palästinenser gestellt. Die Aussichten gelten jedoch als gering. Dagegen gelang Abbas mit der Aufnahme der Palästinenser in die UN-Kulturorganisation UNESCO ein wichtiger diplomatischer Sieg.

Twal dankte in seiner Predigt Abbas für seine „unermüdlichen Bemühungen um einen gerechten Frieden im Nahen Osten“. Der Patriarch von Jerusalem ist die höchste katholische Autorität im Heiligen Land. (afp/dapd)