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Ottfried Fischer löst als „Pfarrer Braun“ letzten Fall

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Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr Pfarrer Brauns Heimkehr Foto: ARD Degeto/Bernd Schuller
Ein würdiger Abschied: Volksschauspieler Ottfried Fischer verabschiedet sich am Donnerstagabend als „Pfarrer Braun“ mit einer Vorstellung, die seiner würdig ist. Die Rolle hat eine große Schnittmenge zu seinen Auftritten als Kabarettist: Sie teilt nach oben aus.

München. 

Früher hatte ja alles seine Ordnung. Der Bürgermeister, der Lehrer, der Wachtmeister und der Pfarrer – sie regelten die Welt, und was nicht passte, wurde spätestens am Stammtisch passend gemacht. Im Fernsehen sind sie noch vereinzelt zu besichtigen, diese wackeren Boten einer krachledernen Vergangenheit, aber sie werden auch nicht jünger und deshalb immer weniger. Vor Jahren schon zog mit dem Bullen von Tölz der Wachtmeister aufs Altenteil, jetzt folgt auch sein Bruder im Geiste: Am Donnerstag (20.15 Uhr im Ersten) löst Pfarrer Braun seinen letzten Fall.

Dass ausgerechnet Ottfried Fischer, dieser scharfzüngige Kritiker bierseligen Obrigkeitsdenkens, sowohl den Bullen als auch den Braun mit stoischem Charme verkörpert, ist nicht ohne Ironie. Funken seiner kabarettistischen Widerborstigkeit zuckten allerdings stets durch seine volkstümlichen Auftritte, und auch in der 22. und letzten Pfarrer-Episode bekommen die Großkopferten ihr Fett ab, natürlich in humoristischer und damit netter Form, wie es sich fürs Volkstheater gehört.

Angeschlagene Gesundheit von Ottfried Fischer auch in seiner Rolle

Man hat sogar ein bisschen richtiges Fischer-Leben ins Braun-Finale gewebt. Um die Gesundheit des Pfarrers ist es nämlich gar nicht gut bestellt. Einen baldigen Termin für eine „Chef-Visite“ hat der Doktor ihm nach einer Untersuchung mit ernstestem Gesicht in Aussicht gestellt, nicht beim Bischof, auch nicht im Vatikan, sondern gleich im Himmel beim „Obersten Dienstherrn“.

Ganz so schlimm ist es um den wahren Ottfried zum Glück nicht bestellt, aber die Parkinson-Krankheit ist wohl doch so weit fortgeschritten, dass sich der populäre Mime dem Dauerstress einer Serienarbeit nicht mehr aussetzen möchte.

In dem handfesten Drama von Wolfgang Limmer (Drehbuch) und Wolfgang F. Henschel (Regie), das sich diesmal den Verirrungen der Heiligenverehrung und dem Geschäft mit der Wallfahrt nähert, werden sie alle noch einmal an die Rampe gebeten, um sich vom werten Publikum zu verabschieden: Bischof Hemmelrath (Hans-Michael Rehberg), der endlich Kardinal wird, Monsignore Mühlich (Gilbert von Sohlern), der Intrigant, natürlich auch Kommissar Geiger (Peter Heinrich Brix), tollpatschig wie immer, nur die Roßhauptnerin nicht, die schied unlängst aus. Angeblich, weil man sich nicht mehr auf die Gage einigen konnte, was zeigt, dass weder im Pfarrhaus noch im richtigen Leben jemand noch lediglich für Gotteslohn schuften will.

Ottfried Fischer erlebt als Pfarrer mysteriöse Begegnung mit einem Schaf

Geld ist im Finale sowieso das große Thema. Eine Heilige im Dorf bringt nämlich nicht nur Ehre, sondern auch Einnahmen, und so geschehen rund um die Heiligsprechung der Lechleitner Agnes gar furchtbare Dinge. Schon auf der Fahrt in seinen Heimatort wird Pfarrer Braun in einen mysteriösen Unfall mit einem Schaf verwickelt, einem trächtigen Schaf!, und ein Mönch, der ein altes Pergament bearbeitet, verliert bei einem Überfall einen Daumen! Pfarrer Braun löst den Fall, sein Abschied ist aber dennoch endgültig. Die große Gemeinde, bis zu acht Millionen pro Folge in Spitzenzeiten, wird ihren Hirten vermissen. Fällt nun bald auch der letzte Vorhang fürs Volkstheater? Wohl kaum.

Andererseits: Es gibt schon seit Längerem begründete Hinweise, dass sie vorbei ist, die gute alte Zeit, in der Bürgermeister und Lehrer, Wachtmeister und Pfarrer die Welt in Ordnung bringen konnten.