Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung

Kaum zu erkennen und doch wahr: Niko Alm trägt auf dem Porträtfoto seines EU-Führerscheins ein Nudelsieb auf dem Kopf. (Foto: Niko Alm)
Kaum zu erkennen und doch wahr: Niko Alm trägt auf dem Porträtfoto seines EU-Führerscheins ein Nudelsieb auf dem Kopf. (Foto: Niko Alm)
Der österreichische Anhänger der fiktiven „Pastafari“-Religion Niko Alm darf Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung auf dem Porträtfoto seines neuen EU-Führerscheins tragen. Er protestiert damit gegen Kirchenprivilegien.

Wien.. Ein Nudelsieb ist eine religiöse Kopfbedeckung – das hat der 35-jährige Werbefachmann Niko Alm aus Österreich jetzt schriftlich. Der amtliche Beweis: Auf seinem neuen EU-Führerschein – ausgestellt von dem Wiener Verkehrsamt – prangt ein Porträtfoto von Alm mit einem Plastiksieb auf dem Kopf.

Die Geschichte, wie es zu dieser Fahrerlaubnis mit dem außergewöhnlichen Foto kam, ist mittlerweile fast vier Jahre alt. „Ich wollte mich bewusst mit dem System anlegen“, erklärt der bekennende Atheist. Die Idee kam Niko Alm am 24. Oktober 2007, als ihm eine Broschüre des österreichischen Verkehrsministers in die Hände fiel. Darin hieß es, niemand dürfe auf dem Foto des neuen Scheckkarten-Führerscheins eine Kopfbedeckung tragen – außer, die Kopfbedeckung sei aus religiösen Gründen zwingend vorgeschrieben.

Sieb zur Abwehr gegen fliegende Spaghetti-Monster

Niko Alm, der sich für das „Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien“ stark macht, besann sich darauf, dass er auch „Pastafari“ und Mitglied der „Church of the Flying Spaghetti Monster“ (FSM) ist. Die FSM wurde 2005 von dem US-Physiker Bobby Henderson gegründet. Der Pastafarismus, auf dem die FSM basiert, besagt, dass das Fliegende Spaghetti-Monster migräne-induzierte Strahlungen aussendet, die nur durch das Tragen eines handelsüblichen Nudelsiebs abgeschirmt werden können.

Niko Alm: „Da es sich hier um das direkte übernatürliche Einwirken eines übernatürlichen Wesens unter Ausschaltung aller nachweisbaren Naturgesetze handelt – also ein Wunder – kann meine Kopfbedeckung nur religiös begründet sein.“ Die Folge: Alm ließ sich mit einem Nudelsieb auf dem Kopf Passfotos machen: „Ich wollte gleiche Rechte wie Nonnen oder muslimische Frauen.“

Als er mit diesem Foto und einem rosa Plastiksieb auf dem Kopf zum Wiener Straßenverkehrsamt kam, stieß er anfänglich auf kein Unverständnis. Sein Antrag auf einen EU-Scheckkarten-Führerschein wurde samt Foto widerspruchslos angenommen.

Vorladung vom Amtsarzt

Erst als er das Amt verlassen hatte, klingelte zehn Minuten später sein Handy. Der zuständige Beamte erklärte ihm: „Mit dem Foto kann ich ihnen keinen Führerschein ausstellen.“

Wenig später flatterte dem 35-Jährigen eine Vorladung für eine amtsärztliche Untersuchung ins Haus, bei der geklärt werden sollte, ob der Unternehmer überhaupt „psychisch befähigt“ ist, ein Kfz zu lenken. Nach eingehender Untersuchung kam die Amtsärztin zu dem Ergebnis, dass Niko Alm keinesfalls einen an der Mütze hat, sondern einen klaren Verstand besitzt: „Die Medizinerin instruierte das Straßenverkehrsamt, mir den Führerschein auszustellen.“

Dieser unmissverständlichen Anweisung folgten die untergebenen Beamten umgehend. Schon am 12. Oktober 2009 stellten die Staatsdiener die EU-Fahrerlaubnis mit Nudelsieb still und leise aus. Niko Alm erfuhr allerdings nichts davon. Das Straßenverkehrsamt hüllte sich in Schweigen. Niko Alm: „Der Amtsschimmel wollte Rache.“

Fast zwei Jahre lag der fertige Führerschein unter Verschluss

21 Monate lag der Führerschein unter Verschluss, „bis mich eine Sympathisant über seine Existenz informierte“. Am Dienstag holte sich der Wiener die Fahrerlaubnis ab. Niko Alm, der Wert darauf legt, nichts gegen Religionen zu haben („Sie sollten aber privat und nicht staatlich sein“), ahnt nach seinem Nudelsiebsieg Schlimmes: „Ich bin sicher, dass ich ab jetzt bei jeder Routinekontrolle das ganze Programm abbekomme – Warnweste, Pannendreieck, Erste-Hilfe-Koffer, Zulassungsschein, Blasen.“

Die Betreiber des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien nutzen den Nudelsiebsieg beim Kampf um das Recht auf Kopfbedeckung, kleinen und bisher kaum bekannten Glaubensgemeinschaften eine Plattform zu bieten. Sie schreiben den Wettbewerb „Pimp your head“ aus. Sie bitten alle Interessierten: „Sende Dein Porträtfoto mit der kreativsten konfessionellen Kopfbedeckung ein und gewinne eine Reise nach Kuba.“ Weitere Infos gibt es unter www.kirchen-privilegien.at – der Phantasie sind, so die Initiatoren, keine Grenzen gesetzt.

 

EURE FAVORITEN