Niedertracht in Niederbayern

Im tiefen Niederbayern hilft einem Zugereisten wie Rupert auch das Navi nicht, um sich in der Welt der Eingeborenen zurechtzufinden. Was sonst im Dialekt nur im Dritten Programm beim Bayerischen Rundfunk läuft, zeigt heute weitestgehend eingedeutscht die ARD. Davon abgesehen hat die Niederbayern-Krimikomödie „Storno – todsicher versichert“ (20.15 Uhr) nichts von ihrem regionalen Eigensinn abgelegt – und um es vorwegzunehmen: eine echte Gaudi und ein Glanzlicht im oft provinziellen landsmannschaftlichen Fernsehfilmreigen der ARD-Sender.

Der junge Rupert Halmer (sehr charmant: Max Riedelt) hat es nicht leicht mit seinem dieselrußenden Mercedes unter all den BMW-fahrenden Möchtegern-Karrieristen, die für die große DVB-Versicherung Verträge auf dem Bauernhof schreiben sollen. Dafür hat sie der gelglatte DVB-Bezirksvertreter Schulze (ohne privatfernsehhafte Comedy-Attitüde: Axel Stein) in einem Gasthof in der bayerischen Provinz versammelt.

Leider läuft es bei Rupert nicht so gut mit dem Schreiben von Versicherungsverträgen, nur die nette Kellnerin Lena (fesch: Amelie Kiefer) zeigt ein Herz für den Prügelknaben der DVB-Runde. Da kommt Rupert Olivia unter, der unheimliche Star von „Storno“, überragend gespielt von Jeanette Hain.

Die vom Leben verhärmte Schweinebäuerin trägt einen Wellensittich auf der Schulter und einen Traum in sich: nach Australien, wo die Sittichschwärme frei fliegen wie in Bayern die Spatzen! Wenn nur der kranke Schweinebauervater (wortlos endlos traurig: Fred Stillkrauth) endlich tot wär’. Eine Lebensversicherung für den Alten, Jahrgang ‘32, soll die Lösung sein, und Rupert schlägt ein.

Originelle Charaktere

Dumm nur, dass der schöne wie arrogante Landarzt das für die Versicherung erforderliche Gesundheitszeugnis nicht ausstellen mag. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, wobei der schlimmste Angeber-BMW aller Zeiten eine wichtige Nebenrolle spielt. Die Kofferraumklappe seines Wagens fällt dem Arzt auf Olivias Hof in den Rücken, und DVB-Chef Schulze lebt seinen Traum vom Achter-BMW auch nicht lange. Bis Olivia, die Niedertracht aus Niederbayern, über ihre eigenen Füße und die ihres Ferkels stürzt und Rupert und Lena gemeinsam Richtung Küste der Leuchttürme verschwinden, geht mancher Kopf zu Bruch.

Der Niederbayern-Krimi setzt auf originelle Charaktere: der einarmige Bierzapfer, der tschechische Autoschrauber/schieber, das schräge Polizisten-Duo (mit SR für Landkreis Straubing-Bogen auf dem Kennzeichen), die uralte Einsiedlerin, die ihre fünf Buben im Krieg verloren hat und aus Angst davor, dass sie auch noch die Russen holen, ein Kopftuch trägt. Doch nie lässt Regisseur Jan Fehse seine Figuren in die Klamotte laufen, ein wichtiger Hauptdarsteller dabei ist die weite Landschaft, untermalt von Filmmusik der Band „Kuhjungen auf Drogen“. Soll noch mal einer sagen, der Bayerische Rundfunk hätte keinen Humor.

Fazit: Und wenn sie nicht gestorben wäre, dann mordete Olivia noch heute, und gerne würde man ihr dabei bis zum Morgengrauen zusehen.

ARD, 20.15 Uhr

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