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„Nackt und frei?“ übers Leben ohne Textilien

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Vox hat bei seinen samstäglichen Dokumentationen den thematischen Schwerpunkt verlagert. Statt schwerer Zeitgeschichte zeigt die Kölner RTL-Tochter immer häufiger Informationsfilme zu weichen Themen – wie „Nackt und frei? Deutschland zieht sich aus“.

Der Titel der zweistündigen Produktion von Patrick Wilkerling ist allerdings ungewollt Programm: Er stellt eine fragwürdige These auf, die weder der Alltagsbeobachtung entspricht noch im Film belegt wird. Im Gegenteil: Fast alle Zeitzeugen lehnen öffentliche Nacktheit ab. Dabei spielt es für sie keine Rolle, ob sie vor dem Kölner Dom, am Strand oder bei einem Musikfestival angesprochen werden. Wer Nacktheit in einer Gruppe erleben will, meidet den Kontakt oder gar den Konflikt mit bekleideten Zeitgenossen. Vielmehr bleiben Freunde des textilfreien Lebens unter sich. Konsequenterweise zeigt Filmemacher Wilkerling, wie schwer sich ein Künstler tut, den ein Nackt-Projekt umtreibt.

Um nicht vollends ins voyeuristische Boulevard-TV abzurutschen, bemüht Wilkerling den Soziologen Oliver König. Seine kurzen Erklärungen sind jedoch kaum mehr als ein – Feigenblatt.

Vox, 22.25 Uhr