Nach dem Schredder-Streich – Wer ist eigentlich Banksy?

Das Motiv, das geschreddert wurde: „Girl With Balloon“.
Das Motiv, das geschreddert wurde: „Girl With Balloon“.
Foto: Luke MacGregor / REUTERS
Auf einer Auktion schreddert er sein eigenes Bild. Wert: 1,04 Millionen Pfund. Typisch Banksy. Aber was treibt den Unbekannten an?

Berlin.  Wer ist dieser Typ, der sein Werk „Girl With Balloon“ zerschreddert hat,

Banksy heißt er. Weltberühmt in der Kunstszene – und doch weitgehend unbekannt. Was steckt dahinter?

Banksy ist nicht nur Künstler. Er ist eine Kunstfigur, zugleich Autor, Regisseur, Hotelier. Beispielhaft für seine Kunst: die Aktion „Better Out Than In“, die im Oktober 2013 in New York für Aufsehen sorgt. Einen Monat lang sollte jeden Tag ein Kunstwerk in der Metropole erscheinen. Wie, wo, warum – das weiß vorher niemand. Wie so oft.

Es entsteht eine Art Schnitzeljagd, Banksy-Fans oder Banksy-Hunters, wie man sie nennt, versuchen die ersten zu sein, die ein neues Kunstwerk entdecken – manche Motive werden innerhalb von Stunden schon wieder übermalt. Sogar die New Yorker Polizei versucht ihm zu folgen. Vergeblich.

Banksy macht sich nichts aus Profit

Banksy: Better Out Than In

Ein halbes Jahr später veröffentlicht Banksy ein gleichnamiges Video zu der Aktion. Das Video zeigt einige seiner Werke. Zum Beispiel einen Transporter, der durch die Stadt fährt – aus Schlitzen gucken zahlreiche Plüsch-Schweine, -Schafe, -Bären. Bei diesem Anblick fängt ein Baby glatt an zu schreien. An Tag 13 lässt Banksy einen älteren Herren Werke von ihm auf der Straße verkaufen – im Wert einer halben Million. Der Herr verkauft sie für 420 Dollar.

Banksy hält nichts davon, aus Kunst Profit zu schlagen. Banksy ist schon eher politisch. So viel erfährt man schon mal. Und einen weiteren, interessanten Fakt: Am Ende des „Better Out Than In“-Videos sieht man, wie Luftballons, die das Wort Banksy bilden, von der Polizei abtransportiert werden. „Teenager“, kommentiert die Stimme aus dem Off. „Er ist was? 38?“. Das war 2014. Somit müsste Banksy jetzt 42 sein.

Bereits seit Jahren existieren diverse Theorien, wer hinter diesem Namen steckt. Die „Daily Mail“ will enthüllt haben, dass es sich bei Banksy um den 1973 in Bristol geborenen Robin Gunningham handelt. Andere vermuten, dass Banksy in Wahrheit MC Robert Del Naja ist, Mitglied der Band Massive Attack. Tatsächlich scheinen die beiden zumindest eine recht enge Beziehung zu haben.

Banksy schrieb beispielsweise das Vorwort zu Robert Del Najas Buch „3D“, das 2016 erschien. Außerdem wirkte Del Naja immer mal wieder in Dokumentationen des Künstlers mit, hat selber eine Sprayer-Vergangenheit und hielt verschiedene Reden, in denen er von einem engen Kontakt sprach.

Rob, Robin oder Robert

Relativ überzeugt ist man, dass sein bürgerlicher Name Rob, Robin oder Robert lautet. Das bestärkte der britische Drum-and-Bass-Produzent und DJ Goldie, als er sich in einem Interview im Juni 2017 offenbar verplapperte.

Goldie sagte, man müsse den Namen Banksy nur auf ein T-Shirt drucken und schon könne man das Teil für teures Geld verkaufen. „Ohne Robert beleidigen zu wollen, ich denke, er ist ein brillanter Künstler. Aber die Kunstwelt dreht durch.“

Doch muss man wirklich wissen, welche Identität hinter Banksy steckt? Ist nicht viel wichtiger, was ihn zu dieser Person machte? Sicher weiß man, dass Banksy aus Bristol, Großbritannien stammt. Er war Teil einer ganzen Szene. Denn Bristol, das war die Stadt, in der in den 80er Jahren auf einmal Hip Hop angesagt war, während man im Rest Großbritanniens noch New Wave hörte.

Banksy begann in Bristol mit Graffiti-Kunst

In dieser Zeit fingen viele an zu sprayen – weitestgehend illegal. Es drohten bis zu zehn Jahre Haft. Doch es gab einen Ort, an dem man sich kreativ ausleben konnte. Der Sozialarbeiter John Nation machte sein Jugendheim zum Zentrum für Sprayer. Er besorgte Farbe, baute ein Archiv auf und erlaubte seinen Gästen – unter ihnen auch Banksy – alles zu besprühen. Heute gilt er als Wegbereiter der Urban Art und gibt Touren durch Bristols Kunst-Szene.

Dort findet man noch einige, frühe „Banksys“. Erst im September sorgte ein Originalwerk für Aufsehen: Die neuen Besitzer eines kleinen Tea-Shops hatten bei Renovierungsarbeiten das Graffiti, was auf dem Rollladen des Ladens war, angefangen schwarz übermalen zu lassen. Bis ein Mann den Maler ansprach, dass dies das Kunstwerk eines weltbekannten Künstlers sei – und dieser daraufhin seine Arbeit abbrach. Jetzt ist das Rollo halb schwarz, halb Banksy.

Neben seinen Kunstwerken und aufwendigen Installationen – wie den düsteren Freizeitpark „Dismaland“ – besitzt Banksy mittlerweile auch ein eigenes Hotel.The Walled Off Hotel“, das Hotel mit dem hässlichsten Blick, wirbt das Management. Während die Wände mit Banksy-Werken geschmückt sind, bringt einen der Blick durchs Fenster zurück in die Realität: die Mauer zwischen Israel und Palästina.

„Die Mauer macht Palästina zum größten offenen Gefängnis der Welt“, meint Banksy. Und mit dem Hotel auf palästinensischem Gebiet zeigte er dieser Welt eindeutig, auf wessen Seite er steht. In einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Channel 4 konnte der Künstler sich einen satirischen Kommentar dazu nicht verkneifen: „Mauern sind gerade groß in Mode. Aber ich habe sie schon gemocht, bevor Trump sie cool gemacht hat.“

Banksy bleibt ein Mysterium

Eigentlich müssten die Menschen dort doch den Künstler kennen, oder? Immerhin ist Banksy Gründer und Künstler des Hotels. Der Hotelmanager Wisam T. Salsaa sagte 2017 gegenüber dem Magazin Neon, er sei „seit zwölf Jahren“ mit Banksy befreundet. Ob sich Robert Del Naja hinter Banksy verberge? „Banksy ist ein Phänomen und verdammt smart und ausgesprochen gebildet.“

An einer Fassade in Betlehem prangt eine Friedenstaube mit Schutzweste. Banksy soll die Besitzerin vorher um Erlaubnis gebeten haben. Zu dem vorgelegten Bild von Robert Del Naja sagte sie, das sei „nicht die Person, die das Graffito sprühte.“

Banksy bleibt ein Mysterium. Ein Zauberer.

 
 

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