Moritz Bleibtreu dreht in Köln "Die dunkle Seite des Mondes"

Die Schauspieler Jürgen Prochnow (l) und Moritz Bleibtreu (r) posieren mit dem Regisseur Stephan Rick am 10.12.2014 bei Dreharbeiten des Kinofilms «Die dunkle Seite des Mondes» in Köln (Nordrhein-Westfalen). Die Verfilmung des Bestsellers von M. Suter und kommt im Herbst 2015 in die Kinos.
Die Schauspieler Jürgen Prochnow (l) und Moritz Bleibtreu (r) posieren mit dem Regisseur Stephan Rick am 10.12.2014 bei Dreharbeiten des Kinofilms «Die dunkle Seite des Mondes» in Köln (Nordrhein-Westfalen). Die Verfilmung des Bestsellers von M. Suter und kommt im Herbst 2015 in die Kinos.
Foto: dpa
„Die dunkle Seite des Mondes“ galt als unverfilmbar. Bis jetzt. Die Lösung des Problems heißt Moritz Bleibtreu. In Köln steht er vor der Kamera.

Köln. Der Roman galt als unverfilmbar, mehr als zehn Jahre lang. „Zu düster“, sagt Film-Produzent Jan Krüger, und Geschäftspartner Amir Hamz nickt. Tatsächlich ist Urs Blank nicht eben der klassische Sympathieträger – nicht weil er Wirtschaftsanwalt ist, sondern weil er unter dem Einfluss von Psycho-Pilzen außer Kontrolle gerät. Erst tötet Blank eine Katze, dann mordet er Menschen. Wer kann ihn stoppen?

Mit dieser Geschichte landete der Schweizer Krimi-Autor Martin Suter im Jahr 2000 einen Bücher-Hit: „Die dunkle Seite des Mondes“, benannt nach dem gleichnamigen Rock-Album von Pink Floyd, faszinierte Filmemacher sind schon lange. Doch viele Produzenten gaben auf – etwa die Macher der französischen Erfolgskomödie „Ziemlich beste Freunde“. Die Produzenten Krüger und Hamz blieben hartnäckig. Sie fanden eine Lösung, dem Publikum einen Finsterling ans Herz zu legen. Sie heißt Moritz Bleibtreu.

Den Dreh-Stress lässt er sich nicht anmerken

Der 43-Jährige gehört zu den wenigen Menschen, die ihre Gesprächspartner im Nu für sich einnehmen – und das, obwohl der Drehplan, wie so oft wie Film- und Fernsehproduktionen, über den Haufen geworfen worden ist. Bleibtreu lässt am Set im Kölner Mediapark nichts anmerken. Im Gegenteil: Er stellt sich dem Presse-Pulk mit „Moritz“ vor, schüttelt Hände und verströmt mit strahlendem Lächeln eine derart gute Laune, als gebe es gerade nichts Schöneres, als sich einer Fragerunde zu stellen.

Geduldig beantwortet er jede Frage, die im Stakkato-Tempo auf ihn einprasseln. Mehr noch: Er beugt sich – im hochseriösen Rollen-Dress – weit über die polierte Tischpalette nach vorn. Mehr Wohlwollen kann jemand seinen Gesprächspartnern kaum signalisieren.

Jürgen Prochnow ist Bleibtreus Gegenspieler

Ein Profi im besten Sinn – selbst wenn der gebürtige Münchner seine Rolle spielen sollte, er macht es perfekt.

Kann ein derart jovial wirkender Mensch einen Menschen spielen, der nach dem Doktor-Jekyll-und-Mister-Hyde-Prinzip zum Monster wird? Genau das ist das Spannende an diesem Film von Regisseur Stefan Rick, der das Drehbuch gemeinsam mit Catherina Junk spielt. Sein Gegenspieler ist Jürgen Prochnow. Der 73-Jährige gibt – mit schwarzem Anzug und weißem Haupthaar – den erfahrenen, alten Jäger. Im Pressegespräch besticht er mit Witz und Humor.

In Köln spielen die Szenen aus der Wirtschaftswelt, wo eine Million als Kleingeld gilt. Im Film ist die Banken-Welt in Frankfurt angesiedelt. Warum Köln zu Frankfurt wird, hat natürlich mit Geld. Die Filmstiftung NRW fördert das Projekt. Geld geben auch der SWR und die ARD-Filmtochter Degeto – und der Filmfonds Luxemburg.

Dreharbeiten ähnelten dem „Dschungelcamp“

Deshalb sind maßgebliche Szenen des philosophisch angehauchten Psycho-Dramas auch in Luxemburg entstanden: die Szenen im Waldeibtreu hat im Gehölz offenkundig seine komplette Professionalität aufbieten müssen. „Wenn man auf dem Waldboden liegt und darin ‘rumwühlt, dann spürt man, was da alles so an Getier herumkriecht. Da kann man abends einiges aus den Socken holen.“ Der Schauspieler sagt es ironiefrei. Bleibtreu hat das „Dschungelcamp“ schon hinter sich.

Dennoch hat er sich gern gequält. Er macht auch bei kleinen Filmen willig mit, wenn das Drehbuch stimmt. „Ich mache Filme, die ich selber gerne schauen möchte – und die ich spannend finde. Und das war so einer.“

„Bis der Regisseur Schnitt sagt“

Seine Figur sieht Bleibtreu keineswegs als schlichten Bösewicht. „Eine Karikatur, eine Charge“ sei leicht zu spielen, fügt er hinzu und grimassiert dabei. Sein Wirtschaftsanwalt sieht er als vielschichtige, widersprüchliche Figur. „Was ich spiele, ist ja nur die dunkle Seite, eine Seite, die jeder Mensch in sich hat.“ In die dunkle Stimmung seines Anti-Helden spielt sich Bleibtreu rein. Er hält nach eigenem Bekunden so lange an, „bis der Regisseur Schnitt sagt“.

Der Filmtitel ruft danach, Pink Floyd in dem psychedelisch grundierten Werk einzusetzen. Ob es dazu kommt? Produzent Jan Krüger grinst unter seiner schwarzen Baskenmütze: „Wir arbeiten dran.“

 
 

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