Keine richtige Rettungsgasse bei Busbrand mit 18 Toten

Merkel drückt Angehörigen der Opfer des Busunfalls ihr Mitgefühl aus

Nach dem schweren Busunfall auf der Autobahn 9 in Bayern gehen die Ermittler von mehreren Toten aus.

Nach dem schweren Busunfall auf der Autobahn 9 in Bayern gehen die Ermittler von mehreren Toten aus.

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  • 18 Menschen sind in einem brennenden Reisebus auf der A9 ums Leben gekommen.
  • Die Anfahrt der Feuerwehr wurde durch eine schlecht gebildete Rettungsgasse erschwert.
  • Durch die enorme Hitzeentwicklung ist die Suche nach Überresten der Vermissten schwierig

Münchberg.  Nach dem Reisebus-Unfall auf der Autobahn 9 bei Münchberg haben die Einsatzkräfte große Probleme, die im Bus ums Leben gekommenen Menschen zu identifizieren. 18 Menschen sind laut Polizei ums Leben gekommen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) berichtete am Mittag an der Unfallstelle, im Bus seien die menschlichen Überreste von elf Insassen gefunden. Im Bus müsse es eine enorme Hitzeentwicklung gegeben haben, im Inneren finde sich nichts Brennbares mehr. Erst später teilte die Polizei mit, dass Hinterlassenschaften von 18 Menschen geborgen werden konnten.

30 Menschen konnten sich aus Bus retten

Der Bus war am Montagmorgen auf einen Lkw aufgefahren und vollständig ausgebrannt. Darin saßen den Polizeiangaben zufolge 48 Menschen im Alter zwischen 41 und 81 Jahren, darunter 46 Fahrgäste und zwei Fahrer. 30 Menschen hatten sich zum Teil schwer verletzt aus dem Bus retten können, zwei Menschen schwebten in Lebensgefahr. Ein Toter ist bereits identifiziert – ein Busfahrer. Der zweite Busfahrer ist unter den Überlebenden.

Zehn Minute nach der Alarmierung seien die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr am Bus gewesen, hätten aber wegen der enormen Hitze nichts mehr zur Rettung der noch im Bus eingeschlossenen Menschen tun können, sagte Dobrindt. „Auch für die Rettungskräfte eine ganz schwierige Situation, die schwer zu verarbeiten ist.“ Zuvor hatte der Bundesverkehrsminister den Bus besichtigt und mit Helfern gesprochen. „Als wir eingetroffen sind, kam niemand mehr aus dem Bus“, sagt Andreas Hentschel von der Feuerwehr Münchberg.

Im Einsatz waren ausschließlich freiwillige Feuerwehrleute. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einer nicht richtig gebildeten Rettungsgasse und einem „unverantwortlichen Verhalten“ der Verkehrsteilnehmer. „Das Erreichen des Unfallortes durch die Feuerwehr-Lkws hat sich durch das unvernünftige Verhalten vieler Autofahrer wieder verzögert.“ Da der Bus aber bereits beim Eintreffen des ersten Fahrzeugs im Vollbrand gestanden habe, könne noch nicht gesagt werden, ob die Einsatzkräfte bei einer ordentlichen Rettungsgasse mehr Menschen hätten retten können.

Feuer breitete sich rasend schnell aus

Kurz nach dem Einsatz hatte ein Polizeisprecher noch von einem Fünkchen Hoffnung gesprochen. „Vielleicht ist jemand im Schockzustand weggerannt.“

Der aus Dresden kommende Reisebus mit Ziel Gardasee war von Norden Richtung Nürnberg unterwegs. Auf Höhe von Münchberg (Landkreis Hof) war er auf den langsam fahrenden Sattelzug aufgefahren. Dobrindt zufolge muss der Bus „offensichtlich sofort in Flammen gestanden haben“. Es gebe aber noch keine ausreichenden Erkenntnisse, wie es dazu kommen konnte. Dobrindt sagte: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen und bei den Opfern.“

Die meisten der Passagiere kamen aus dem Raum Dresden und der Oberlausitz. Das Innenministerium des Landes Brandenburg teilte am Mittag mit, auch aus Brandenburg seien einige Menschen im Bus gewesen. Alle vier überlebten das Unglück. In Senftenberg seien am Morgen vier Brandenburger und vier Sachsen zugestiegen, hieß es. Erste Vermutungen, es könnten weitere Brandenburger in den Bus gestiegen sein, bestätigten sich nicht.

Notfall-Telefon für besorgte Angehörige

Die Polizei sperrte die A9 in beide Richtungen. Mehr als 200 Einsatzkräfte der Rettungsdienste, Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Polizei waren vor Ort. Außerdem waren mehrere Rettungshubschrauber im Einsatz. Sie kreisten auch am Vormittag noch über der Unfallstelle zwischen der Anschlussstelle Münchberg-Süd und Gefrees.

Es bildeten sich lange Rückstaus. Das Polizeipräsidium Oberfranken rief die Bevölkerung über Twitter dazu auf, die Unfallstelle möglichst weiträumig zu umfahren. „In Richtung Süden bitte bereits über die A72 und A93 abfahren“, hieß es beispielsweise.

Für besorgte Angehörige ist eine zentrale Telefonnummer eingerichtet worden. Unter der Rufnummer 0800/7766350 können sie sich an die Gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle wenden.

Merkel spricht Anteilnahme aus

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihr tiefes Mitgefühl für die Opfer des Busunfalls geäußert. „Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer“, sagte sie am Montag in Berlin. Sie wünschte den Verletzten schnelle Genesung und dankte den Rettungskräften. Die Arbeit der Retter sei in einer solchen schrecklichen Situation von besonderer Bedeutung.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) versprach eine schnelle Aufklärung der Unfallursache. „Wir werden als Staatsregierung alles tun, um schnellstmöglichst auch die Ursachen dieser Katastrophe aufzuklären“, sagte er in Berlin. Der CSU-Chef sprach den Angehörigen sein Beileid und seine Anteilnahme aus. „Wir beten für die Verletzten, dass sie ihre Verletzungen überwinden.“

Die A9 im Norden Oberfrankens war lange Zeit dafür berüchtigt, dass sich dort überproportional viele Unfälle ereigneten. Der bisher schlimmste geschah im Oktober 1990, als in der Münchberger Senke bei dichtem Nebel etwa 100 Autos ineinanderrasten.

Milchlaster quetschte Autos zusammen

Zur Katastrophe wurde die Massenkarambolage, als ein 40 Tonnen schwerer Milchlaster mit viel zu hoher Geschwindigkeit in die Unfallstelle fuhr und dabei die anderen Autos wie ein Schneepflug vor sich herschob und schließlich zusammenquetschte. Zehn Menschen starben, 122 wurden verletzt.

Seitdem hat sich an der Stelle viel getan. So hat man etwa die Autobahndecke um zehn Meter angehoben, um dem sich in der Senke festsetzenden Nebel vorzubeugen. Sensoren im Boden messen zudem, ob sich viel Wasser auf der Autobahn sammelt, sowie die Temperatur. Mithilfe dieser Informationen wird dann die erlaubte Geschwindigkeit automatisch angepasst. Die Unfallrate soll sich seitdem drastisch reduziert haben. (dpa/cho/law)

 
 

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