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Margot Werner unter rätselhaften Umständen gestorben

Sie liebte den großen Auftritt, als Ballerina und, mehr noch, auf der Show-Bühne. Mit „So ein Mann“ gelang Margot Werner ein Evergreen. Jetzt endete das Leben der 74-Jährigen als Tragödie. Sie stürzte in den Tod.

Essen. 

Sie liebte den großen Auftritt. Selbst den roten Teppich der Wagner-Festspiele in Bayreuth machte Margot Werner zur Bühne. Im vorigen Jahr, mit 73, sorgte die Entertainerin in Glitzerfrack, Rocker-Kopftuch und freizügigem Dekolleté für Aufsehen, im doppelten Sinn. Hinter dem Glamour verbarg sich jedoch ein Mensch, den schwere Sorgen plagten. Jetzt ist Margot Werner tot. Sie starb in einem Münchner Krankenhaus unter rätselhaften Umständen.

Margot Werner hat klare Vorstellungen vom Leben, schon als Kind. Als Vierjährige sieht die Tochter einer österreichischen Pianistin im Zirkus Krone eine Seiltänzerin in Spitzenschuhen und Tutu. Die gebürtige Salzburgerin ist hin und weg: „Das will ich lernen“, sagt sie. Mit fünf, inzwischen in München, beginnt ihre Ausbildung im Kinderballett der Bayerischen Staatsoper, nur ein Jahr später steht sie auf den Spitzen, tanzt sich die Zehen blutig – und gibt dennoch nicht auf.

Kein Wunder, dass Margot Werner in den 60ern als Ballerina berühmt wird. Bekannt jedoch wird sie erst als Entertainerin.

Nach der Karriere als Tänzerin startet Werner als Sängerin durch

1972 ist sie 35. Ihre Karriere als Tänzerin neigt sich dem Ende zu, und zugleich startet ihre Karriere als Sängerin.

Englischsprachige Rockmusik verdrängt den deutschen Schlager. Sie gibt dem Jugendprotest Text, Rhythmus und Sounds, und plötzlich wirkt deutschsprachiges Liedgut allzu oft piefig. Was tun?

Margot Werner will deutsch singen. Zugleich aber sollen ihre Texte Niveau haben. Deshalb etikettiert die Sängerin ihre Lieder nicht als Schlager, Chansons wollen sie sein. Sie knüpft an die Tradition des Varietés der goldenen Zwanziger an, der unbeschwerten Ära vor Börsenkrach und Nazi-Terror, frisch, frech und auch ein bisschen frivol.

Die Rechnung geht auf. Die Werner wird eine feste Einrichtung in den TV-Shows der 70er. Mal gastiert sie beim „Feuerabend“, mal trällert sie „am laufenden Band“, mal singt sie „Dalli, Dalli“.

Fernsehauftritte und Musikkarriere beflügeln sich gegenseitig. 1977 landet Margot Werner einen Hit, der bald zu ihrem Markenzeichen wird: „So ein Mann“. Die Dame mit der feuerroten Mähne gibt sich augenzwinkernd als männerverschlingende Venusfalle. Das passt in eine Zeit, in der Frauen immer selbstbewusster auftreten. Dennoch achtet Margot Werner mit vorsichtig dosiertem Swing und eher kühler Erotik darauf, einem Publikum jenseits der wilden Teenie-Jahre nicht vor den Kopf zu stoßen.

Blaupause für Milvas Karriere

Margot Werner liefert nebenher die Blaupause für eine italienische Kollegin: die etwa gleichaltrige Milva. „La Rossa“, rothaarig wie ihre Kollegin, erobert Deutschland erst mit Chansons, dann mit Brecht. Margot Werner indes bleibt sich treu, und ihr Publikum hält ihr die Treue.

Und privat? Margot Werners Ehe mit dem Schauspieler Peter Pasetti scheitert. 1978 heiratet sie den Kaufmann Jochen Litt. Er bleibt ihre Stütze, auch als es leiser um den einstigen Glitzerstar wird: „Ich bin verliebt wie am ersten Tag“, erzählt Margot Werner der Münchner Abendzeitung.

Gemeinsam durchsteht das Paar auch seine schwerste Krise. Ihr Hotel Berwanger Hof in Tirol muss 2005 versteigert werden. Margot Werner hat das Haus als Altersvorsorge gekauft. Ihr Vermögen schmilzt dahin, aber Engagements bleiben aus.

Schließlich endet Margot Werners Leben als Tragödie. Die 74-Jährige wird zuletzt in einer Münchner Klinik behandelt. Von Nervenschädigung einer Schulter ist die Rede. Am Sonntag wird die Künstlerin tot aufgefunden. Sie hat sich vom Balkon des dritten Stocks gestürzt. Unfall oder Freitod? Die Frage ist offen. Die Show-Welt trauert um eine Künstlerin, die Geschichte schrieb.