Lou van Burg war im Fernsehen „wunnebar“

Der niederländische Quizmaster Lou van Burg ("Onkel Lou") in seiner Fernsehshow "Der Goldene Schuss" am 25.2.1965 in der Berliner Deutschlandhalle. [
Der niederländische Quizmaster Lou van Burg ("Onkel Lou") in seiner Fernsehshow "Der Goldene Schuss" am 25.2.1965 in der Berliner Deutschlandhalle. [
Foto: picture-alliance / dpa
„Der Goldene Schuss“ ist ein TV-Klassiker, und Moderator Lou van Burg wurde durch ihn einer der größten Fernsehstars der 60er. Dass er später nach einer Affäre abtreten musste, schmälert die Leistung des Niederländers nicht. Jetzt feiert sein wegweisendes Format das 50-jährige Jubiläum.

Essen.. Er war, wenn man so will, der erste Show-Gastarbeiter im deutschen Fernsehen. Und er kam, wie so viele nach ihm, aus den Niederlanden. Loetje van Weerdenburg hieß er, legte sich allerdings den Namen Lou van Burg zu. Die Deutschen nannten ihn „Mr. Wunnebar“. Heute vor 50 Jahren moderierte „Onkel Lou“ die erste Ausgabe der Show „Der Goldene Schuss“. Sie machte ihn zeitweise zum populärsten Showmaster des Landes – bis er sich in eine Affäre verstrickte.

„Der Goldene Schuss’ heißt unser Spiel. Dass Sie sich freuen, ist unser Ziel.“ Ja, so konnte man in den 1960er-Jahren noch eine Fernseh-Show anmoderieren. Erst recht, wenn man Lou van Burg hieß. Ein paar Jahre zuvor haben sie ihn kennengelernt, als er mit „Sing mit mir, spiel mit mir“ sein Debüt im Ersten gibt. Immer ein Lied auf den Lippen kalauerte der gebürtige Den Haager sich durch die Quiz-Show und rief nach richtigen Antworten gerne „Wunnebar“ bis Gerüchte aufkamen, eine junge Frau, die schon fünfmal gewonnen hatte und mit einer Mitarbeiterin der Show verwandt war, habe die Fragen schon im Vorfeld gekannt.

Die Sendung wird über Nacht eingestellt, van Burgs Karriere aber geht weiter. Als Sänger, Tänzer und Conferencier hat er in den Pariser Nachtclubs der Nachkriegsjahre sein Geld verdient. Eine harte Schule, die ihm jetzt zu gute kommt. Die Deutschen mögen den Mann mit dem Menjou-Bärtchen und dem kleinen Bäuchlein, das er sich angeblich auf Anraten eines Werbeexperten angefuttert hat. Weil es ihn gemütlicher macht. Wohlgenährt und gut gelaunt begrüßt er – Jahre vor Ilja Richter - sein Publikum mit den Worten „Hallo, Freunde“ und aus 1000 Kehlen schallt es zurück „Hallo, Lou“. Ein Charmeur und Schlitzohr, das sauber hochdeutsch spricht, vor der Kamera aber mit seinem Akzent kokettiert.

So dauert es nicht lange, bis er seine Idee vom „Goldenen Schuss“ beim ZDF unterbringen kann. Eine Show mit vielen Aktions- und Geschicklichkeitsspielen, in der die Besten am Ende mit einer auf eine Kamera montierten Armbrust auf ein Säckchen Gold schießen dürfen – und ein Telefonkandidat von zu Hause aus einen Kameramann mit verbundenen Augen zu einem weiteren Schuss dirigiert.

Bis zu 72 Prozent aller Zuschauer schalten ein, wenn van Burg „Kimme, Korn – ran“ ruft und seine Assistentin nach einem Treffer verkündet: „Der Kandidat hat 99 Punkte.“ Mal ist Grace Kelly Stargast, mal schaut Frank Sinatra auf ein Lied vorbei. „Der Goldene Schuss“ ist in den 60er-Jahren, was „Wetten, dass...? in den 80ern wird. Und van Burg wird so populär wie später Thomas Gottschalk.

Heimliche Auftritte inWaisenhäusern und Gefängnissen

Dennoch ist nach zwei Jahren und 24 Sendungen Schluss. Der damals 48-Jährige ist verheiratet, lebt allerdings seit Jahren getrennt von seiner Ehefrau. Als herauskommt, dass er eine Affäre mit einer fast 20 Jahre jüngeren Assistentin der Show hat und die Dame ein Kind von ihm erwartet, trennt sich der damalige ZDF-Intendant Karl Holzamer unverzüglich von seinem Zugperd und wettert: „Die Visitenkarte des ZDF ist beschmutzt.“ Die Jubiläumssendung und erste Ausgabe in Farbe übernimmt Vico Torriani.

Lou van Burg nennt das Zweite das „Züchtige Deutsche Fernsehen“, tingelt fortan durch Freizeitparks und Einkaufszentren. Heimlich und unentgeltlich tritt er auch in Waisenhäusern, Gefängnissen und Psychiatrien auf. Fast 20 Jahre später holt ihn das ZDF zurück, gibt ihm mehrere Sendungen, von denen keine ein Erfolg wird. Der mittlerweile auf zweieinhalb Zentner angewachsene, stets schnaufende Show-Saurier kommt beim breiten Publikum nicht mehr an.

Auch privat läuft es schlecht. Die Ehe mit seiner Assistentin ist gescheitert, er hat Schulden, und er kämpft einen Kampf gegen eine Leukämie-Erkrankung, den er am 26. April 1986 verliert. Von seinem größten TV-Erfolg ist nicht viel geblieben. Angeblich finden sich in den Archiven des ZDF nur noch vier Folgen der Show. Der Rest, ließ der Sender bereits vor Jahren verlauten, sei „irgendwie verschollen“.

 

EURE FAVORITEN