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Lina Beckmann über Lügen, Theater und das Ruhrgebiet

Theater-Star Lina Beckmann ist in der schrägen ARD-Komödie „Vorsicht vor Leuten“ zu sehen. Im Interview erlaubt sie einen Blick hinter die Kulissen.

Hamburg. 

Lina Beckmann (33) ist ein Kind des Ruhrgebiets. Die gebürtige Hagenerin studierte Schauspiel in Bochum. Dort machte sie sich einen Namen. Es folgten Stationen in Wuppertal, Köln. Jetzt lebt die Frau ihres Kollegen Charly Hübner in Hamburg. Am Mittwoch, 20.15 Uhr, ist sie zu sehen in der ARD-Komödie „Vorsicht vor Leuten“.

Der wunderbare Film muss gegen die Champions League antreten. Was hat das Ensemble verbrochen?

Weiß ich auch nicht.

Irgendjemand muss doch etwas Böses getan haben, um mit Fußball konkurrieren zu müssen.

Wir haben uns auch nicht darüber gefreut.

Haben Sie den Film schon gesehen? Wenn ja, wie sehen Sie sich selbst?

(denkt nach) Es fällt mir immer schwer, mich selbst anzugucken. Dann guckt man viel kritischer drauf als alle anderen. Da habe ich eine innere Polizei in mir, die sagt: Das ist zu groß! Das ist zu schräg! Das ist zu albern!

Sie haben mit Ihrem Mann zusammengespielt – haben Sie den Film auch zusammen gesehen?

Ja, haben wir.

Hat das die Sache leichter oder schwerer gemacht?

Leichter! Wir konnten uns an den Händen halten. Wenn der eine gesagt: „Oh, Gott“, hat der andere gesagt: „Nein, schön“.

Man konnte sich trösten…

…oder auch zusammen lachen. Ich finde, es ist ein sehr schöner Film geworden. Ich mag, dass er so schräg ist, er hat so eine schräge Ästhetik. Das gefällt mir.

Was war für Sie der Kick bei dem Film?

Arne Feldhusen, der Regisseur – von ihm habe ich so viele tolle „Stromberg“-Folgen gesehen. Und dann Ralf Husmann, der Autor. Bei dieser Kombi war ich total glücklich, als ich gefragt wurde. Ich dachte: Das kann gar nicht in die Hose gehen.

Noch mal zu Ihrem Mann. Wenn man zusammenlebt, ist das das eine, wenn man zusammenarbeitet, das andere. Wie war das?

Das ist schön, mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns durch die Arbeit kennengelernt und haben uns da ineinander verliebt. Für mich ist es außergewöhnlich, wenn wir mal nicht zusammenarbeiten. Zuhause sitzen oder in den Urlaub fahren – das ist für uns, im schönen Sinn, die viel größere Herausforderung.

Was ist die Botschaft des Films?

Es geht ums Lügen. Und Michi Martens sagt an irgendeiner Stelle den Satz, dass man, wenn man schon lügt, groß lügen soll.

Es geht um Konsequenz: wenn schon, dann richtig.

Das ist ja das Verrückte an dem Film, das er etwas zeigt, was das Gegenteil von dem ist, was wir so als Kinder gelernt haben: dass wir nicht lügen, sondern immer schön bei der Wahrheit bleiben sollen. Mich wundert, dass Lorenz, die Hauptfigur, mit ihrer unglaublichen Dreistigkeit durchkommt.

Sie haben bisher hauptsächlich Theater gespielt. Würden Sie gern mehr Film und Fernsehen machen?

Ich liebe das Theater. Das Fernsehen ist noch neu für mich. Ich bewundere manchmal, mit welcher Leichtigkeit Charly spielt oder doch zumindest so, dass es leicht aussieht.

Apropos zuhause. Sie kommen aus dem Ruhrgebiet und wohnen jetzt in Hamburg. Wo sind Sie zuhause?

Im Ruhrgebiet. Damit verbinde ich so viele Erinnerungen, an meine Kindheit, an die Schauspielschule, ans Bochumer Theater. Ich bin gern im Ruhrgebiet. Das hat einen ganz besonderen Charme, den man manchmal erst entdecken muss. Da gibt es manchmal die Schönheit im Hässlichen. Das ist ein rauer Charme, aber den gibt es nirgendwo sonst.