Lebenslang plus 1000 Jahre - Entführer von Cleveland muss für immer ins Gefängnis

Ariel Castro, der Entführer von Cleveland, muss für immer ins Gefängnis.
Ariel Castro, der Entführer von Cleveland, muss für immer ins Gefängnis.
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Ariel Castro muss für immer ins Gefängnis: Der 53-jährige Frauen-Peiniger, der drei junge Frauen in Cleveland entführt und über Jahre misshandelt hatte, ist am Donnerstag von einem Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden - plus 1000 Jahre. Im Prozess spielten sich herzerweichende Szenen ab.

Cleveland. Herzerweichende und Ekel erregende Szenen im Prozess gegen den Frauen-Peiniger von Cleveland: Bevor das Gericht in der Autostadt im Bundesstaat Ohio am Donnerstag das Urteil gegen den 53-jährigen Ariel Castro sprach, der sich in 937 Anklagepunkten, darunter hundertfacher Vergewaltigung und Freiheitsberaubung, für schuldig erklärt hatte, bekamen die Opfer das Wort.

Sie waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung 14, 16 und 20 Jahre alt und wurden von dem aus Puerto Rico stammenden Musiker und Schulbusfahrer über teilweise mehr als zehn Jahre wie Sklavinnen in dessen Privathaus festgehalten, missbraucht, eingeschüchtert und geschlagen.

Im Mai gelang ihnen durch Zufall durch einen aufmerksam gewordenen Nachbarn die Flucht. Castro bekam eine der höchsten Strafen in der amerikanischen Justizgeschichte: lebenslange Freiheitsstrafe ohne jede Begnadigungsmöglichkeit - plus 1000 Jahre.

Michelle Knight wandte sich direkt an Castro

Während Amanda Berry und Gina DeJesus sich durch Vertrauenspersonen vertreten ließen, die schriftliche Erklärungen verlasen, überwand sich die 32-jährige Michelle Knight und nahm im Gerichtssaal mit bewegenden Worten die Konfrontation mit Castro an. „Niemand, nicht mal mein schlimmster Feind, soll das durchleben, was ich durchmachen musste“, sagte die kindlich wirkende, nur knapp 1,50 Meter große Frau unter Tränen.

Weihnachten sei immer die schlimmste Zeit gewesen, weil sie ihren Sohn nie habe sehen können. „Ich habe elf Jahre in der Hölle verbracht“, sagte Knight und wandte sich dann an Castro: „Auf Dich wartet jetzt die ewige Hölle.“

"Ich kann dir vergeben, aber ich kann nicht vergessen"

Heuchlerisch sei ihr Peiniger jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Danach habe er sie und die anderen Frauen getreten, geschlagen und missbraucht. Knight war während des elfjährigen Martyriums vier Mal schwanger. Zum Abschluss sagte sie: „Ich kann Dir vergeben, aber ich kann nicht vergessen. Du verdienst es, für immer im Gefängnis zu bleiben.“

Castro war durch ein vorheriges Geständnis der in Ohio rechtlich möglichen Todesstrafe entgangen und hatte sich mit der bereits seit Tagen im Raum stehenden Strafe von „lebenslänglich plus 1000 Jahre“ abgefunden.

Castro sieht sich selbst als Opfer - "bin kein Monster"

In einer selbst von seinen Anwälten mit Unwohlsein und stillem Ekel beobachteten Erklärung bezeichnete sich Castro vor laufender Gerichtsfernsehkamera selbst als Opfer. „Ich bin im Kindesalter missbraucht worden. Ich bin kein Monster, ich bin krank. Ich habe eine Sucht, wie Alkoholismus. Meine sexuellen Abartigkeiten waren sehr schlimm“, erläuterte der bereits während seine Ehe als extrem gewalttätig aufgefallene Mann in ausschweifenden Sätzen.

Niemals will er, wie von der Anklage angeführt, die Frauen geschlagen oder gefoltert haben. „Ich habe sie nur festgehalten, damit sie nicht weglaufen. Ich bin in meinem Innersten ein glücklicher Mensch.“ Niemand, fügte er hinzu, habe doch die Opfer vermisst.

Opfer schilderten Martyrium in Tagebüchern minutiös

Mehrfach bekräftigte Castro sein laut Staatsanwalt Tim McGynty „abscheuliches und unentschuldbares Tun“ nicht entschuldigen zu wollen - und tat es doch auf ganzer Linie. Das ging so weit, dass er vor dem Richter sagte, nicht er habe die drei Frauen wie Sex-Sklavinnen behandelt und sie, wie Polizei-Protokolle belegen, so geschlagen und getreten, dass eine von ihnen, Michelle Knight, ein ungeborenes Kind von ihm verlor.

„Sie haben vielmehr Sex von mir gewollt.“ Am Schluss seines Monologs entschuldigte er sich kurz bei den Opfern und bat um Vergebung. Nicht mal Ansätze von Reue, so formulierten es die Reporter der Zeitung „Plain Dealer“, war dabei auf seinem Gesicht zu sehen.

Richter Michael Russo, der mehrfach an sich halten musste, hielt Castro entgegen, dass er ein „extremer Narzisst“ sei und sich vom „Täter zum Opfer“ machen wolle. „Sie haben diese Frauen nicht wie Menschen behandelt.“ Die Staatsanwaltschaft verwies auf Tagebücher, in denen die drei Opfer ihre Gefangenschaft minutiös mit allen Details geschildert hatten. Als Russo das Strafmaß verkündete, ging einen Raunen durch den Gerichtssaal. Nur Castro blieb gefasst.

 
 

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