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Lana del Rey inszeniert sich mal als Diva und mal als Schlampe

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Foto: unbekannt
Mal Diva, mal Schlampe: Lana del Rey weiß sich zu inszenieren. Ihr sorgsam geplanter Erfolg begann im Internet. Jetzt hat die amerikanische Sängerin mit der melancholischen Ballade „Video Games“ einen Nummer-Eins-Hit in den deutschen Charts gelandet.

Essen. 

Irgendwann im Sommer ist es aufgetaucht bei YouTube, dieses Video, das wirkt, als habe jemand leicht angetrunken sein altes Video-8-Filmmaterial digitalisiert und zusammengeschnitten, um es ins Netz zu stellen. Sepiafarbene Alltagsszenen sind da aneinandergereiht. Und zwischendurch ist eine junge Frau zu sehen, die sich Lana Del Rey nennt, eine melancholische Ballade namens „Video Games“ singt und wirkt, als habe man sie in den 60er-Jahren vergessen. Rund 13 Millionen Mal ist dieses Video bisher angeklickt worden und der Song – mittlerweile als CD veröffentlicht – steht weltweit in den Charts, ist auch in Deutschland die Nummer eins. Für 2012 wird der 25-Jährigen der ganz große Durchbruch prophezeit. „Endlich mal eine authentische Sängerin“, jubeln die Fans.

Zumindest das ist falsch.

Kaum ein anderer Künstler in den vergangenen Jahren wurde so geschickt „erfunden“ wie Lana Del Rey. Schon der Name ist natürlich nicht echt. In Wirklichkeit heißt die junge Frau nämlich Elisabeth (Liz) Grant. Daraus macht sie allerdings auch kein Geheimnis. „Lana“ erklärt Liz, „ist eine Hommage an die Schauspielerin Lana Turner, und Del Rey hat Ford früher eines seiner Autos genannt.“

Alte Videos von Lana del Rey sind gesperrt

Ansonsten ist Liz Vergangenheit und soll es auch bleiben. Ein Album unter diesem Namen hat sie wieder vom Markt genommen, die meisten Videos aus jener Zeit sind gesperrt im Internet. Und aus dem schmallippigen blonden Mädchen von nebenan wurde eine laszive junge Frau mit Lippen, die aussehen wie ein schlecht aufgeblasenes Schlauchboot. Verrucht sieht sie gerne aus, manchmal auch bewusst etwas billig. Mal wie eine Hollywood-Diva aus längst vergangenen Tagen, die gerade von ihrem Geliebten verlassen wurde, mal wie die kettenrauchende Schlampe vom anderen Ende der Stadt. „Gangster Nancy Sinatra“ nennt sich Lana manchmal selber. Oder beschreibt sich als „Lolita, die sich im Ghetto verlaufen hat“.

Interviews gibt sie nur wenige, dafür teilt Lana del Rey sich ausgiebig über Facebook und Twitter mit. Von einem einfachen Leben in heruntergekommenen „Wohnwagen-Parks“ erzählt sie manchmal und behauptet, die dilettantisch wirkenden aber unglaublich clever gemachten Videos habe sie ganz alleine am Heim-Computer geschnitten und ins Netz gestellt. Was man beides – sagen wir mal – bezweifeln darf. Denn ihr Vater Rob ist Händler von Internet-Adressen und angeblich „millionenschwer“. Und betreut wird Lana unter anderem von Eg White, der schon Adele und Duffy zu Stars machte, und Guy Chambers, dem Mann, der lange hinter Robbie Williams stand. Kaum anzunehmen, dass auch nur ein Videoschnipsel ohne ihre Einwilligung ins Internet gerät, auch wenn Lana immer wieder beteuert, da sei niemand im Hintergrund, der an irgendwelchen Fäden ziehe.

Hinter der Fassade von Lana del Rey steckt eine Stimme

Letztendlich ist das alles aber auch egal. Denn hinter der organisierten Fassade steckt tatsächlich eine Stimme, die dem Zuhörer in guten Momenten eine echte Gänsehaut beschert. Manch einer sieht in der jungen Frau bereits die Nachfolgerin von Amy Winehouse. Das ist vielleicht noch etwas hoch gegriffen, ausgeschlossen ist es nicht. Denn ihre Produzenten haben ihr Songs auf den schlanken Leib geschrieben, die stark an 60er-Jahr-Soul der besseren Sorte erinnern.

Die wenigen, ebenso kurzen wie räumlich beengten, Konzerte, die Lana bisher in England, Deutschland und den USA gegeben hat, waren jedenfalls meist binnen Stunden ausverkauft. Und ihr erstes Album „Born To Die“ erscheint zwar erst Ende Januar. In den Vorverkauf-Charts des Internet-Händlers Amazon ist es aber bereits notiert.

Auf Platz eins.